K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - GABLER, DÉNES-REDŐ, FERENC: Eine kaiserzeitliche Villa in Mittelitalien beiSan Potito

Im Gegensatz zur Überlieferung dürfte es sich im Falle des ersten Villa-Gebäudes (oder der Gebäude) noch keinesfalls um Zentrum kaiserlicher Domänen gehandelt haben; diese Annahme wird am ehesten von einer Bemerkung des Tacitus widerlegt. 22 Ein früher gefun­denes Grabsteinfragment: Rufrjenus oder Aufidi]enus C.f gibt eventuell Aufschluß darüber, wer der Besitzer der Villa gewesen sein könnte 23 . Die Grabinschrift läßt sich in das 1. Jh.n.Chr. datieren und erwähnt vermutlich eine zur Munizipalaristokratie von Alba Fucens gehörende Person, deren Familie Mitte des 1. Jh-s im Tale des Rivo San Potito in den Besitz eines Landgutes gelangt sein dürfte. Über ähnliche fundi informieren auch andere Inschrif­ten, die in der Umgebung gefunden wurden. Ihnen verdanken wir die Kenntnis der Namen zweier Landgüter: eine Inschrift aus Celano erwähnt den fundus Favellianus, 24 eine andere aus Pescina den Fundus Tironianus, während eine Inschrift aus Marruvium sich wohl auf die vici-Caelani (et) Agellani-bezieht 25 , Im Zusammenhang damit wurde bereits darauf ver­wiesen, daß die Namen der beiden Bodenbesitzer? den Namen der heutigen Orte Celano und Aielli sehr ähnlich klingen. Weiters sind uns vilici bekannt, wie beispielsweise vilicus Paternus oder vilicus Felix es gewesen sein dürften. 26 Aus Cerchio kennen wir die Inschrift eines Architekten? - redemptor (operis). Wohl kann bei jedem der auf diesen Inschriften er­wähnten Besitzungen mit irgendeinem landwirtschaftlichen Zentrum gerechnet werden, aber eine Villa, die an Größe und Ausführung mit jener von San Potito zu vergleichen wäre, ist nirgendwo im Fucino-Becken oder den umliegenden Tälern zu finden. Im großen und ganzen lassen sich alle diese Inschriften in das 1. Jh. datieren und deshalb scheint es, als be­säßen wir doch einen kleinen Anhaltspunkt zur Lage der Bodenbesitzungen der Munizipala­ristokratie von Alba Fucens/Marruvium. Nach der Entfernung zwischen den Fundorten zu urteilen, an denen die Inschriften zum Vorschein kamen, dürften diese mittelgroße Munizi­palgüter annährend identischer Größe, auf jeden Fall aber wertgleich gewesen sein. 27 Zur Entstehung der Grundbesitzverhältnisse des 1. Jahrhunderts kam es in dieser Gegend ver­mutlich nach Trockenlegung des lacus Fucinus unter Claudius. Aus dieser Zeit nämlich ha­ben wir Kenntnis von einer größeren centuriatio, die auch die Aufteilung der fruchtbaren Ländereien in den umliegenden Tälern nach sich gezogen haben muß. Die in 1000 m Höhe gelegene Villa von San Potito dürfte infolge ihrer natürlichen Gege­benheiten das Zentrum eines solchen Landgutes gewesen sein, dessen Besitzer sich wohl in erster Linie mit Tierhaltung, eventuell mit der Wollverarbeitung beschäftigt haben. Die auf der Tierhaltung basierende Wirtschaftstätigkeit wurde zweifellos auch auf den kaiserlichen Domänen fortgesetzt, wie der Text einer Inschrift aus Saepinum zeigt diese Quelle ver­weist auf die conductores gregum oviaricorum 2s Zur Schaftszucht geeignetes Weide­land gab es auch im Tal des Rivo San Potito; den von S. Bökönyi bestimmten Tierkno­chen zufolge dürfte in diesem fundus aber eher die Schweine- und Rinderhaltung domi­niert haben. 29 Die Inschrift aus Saepinum stellt ein wichtiges Dokument der Tierhaltung in den Abruz­zen dar. Es beweist, daß der Kaiser über große Herden verfügt haben muß, die man privaten Pächtern (conductores) anvertraute. (Dennoch liefert diese Angabe keinen hinreichenden Beweis im Hinblick auf das Eigentumsrecht des Weidelandes, wenngleich anzunehmen ist, daß es zu dieser Zeit ebenfalls in kaiserlicher Hand war.) In nahegelegenen Molise konnten viele der in den Zeitraum vom 1. Jh. bis Ende des 2. Jh-s datierbaren Bauten mit der Lebensweise der Ackerbauer-Viehzüchter in Verbindung gebracht werden, obwohl gerade die Bestimmung dieser morphologischen Merkmale eine noch unbeglichene Schuld der Forschung ist. 30 Neben Schriftquellen geben die archäologi­schen Befunde Aufschluß über das System der viae publicae sowie anderen, zweit-oder drittrangigen Wege, die beim Weidenwechsel entsprechend der Jahreszeit eine Rolle ge-

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