K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - KOLNÍK, TÍTUS: Zum Problem der villenartigen Bauten im mitteldanubischen Barbarikum
misches Baumaterial wie auch die bauliche Konzeption der Station, sprechen eindeutig vom Anteil eines römischen Verbandes bei ihrem Aufbau. Die Mitwirkung der Einheimischen und der Römer bei den bekannten Bericht des Ammianus Marcellinus beleuchtet (XVII, 1, 7). In diesem wird erwähnt, daß bei den Germanen zwischen Main und Neckar „ganze Niederlassungen sorgfältig auf römische Weise errichtet wurden" („domicilia cuncta ritu romano constructa"). Man kann über den mehrfunktionellen Zweck der Niederlassung in Cífer-Pác überlegen. Kein Zweifel, daß sie sich aus dem umliegenden barbarischen Milieu als exklusive Residenz hervorhob. Von den gebräuchlichen germanischen Siedlungen unterschied sie sich scharf durch die Großzügigkeit des Aufbaues des zentralen Gehöftes, das bis zu einem gewissen Maße auch mit römischem Komfort ausgestattet war (ein steingemauerter Sitz mit Zentralheizung, geräumige Hilfsgebäude), jedoch ohne die standardmäßige Badenanlage. Beim Aufbau und etwa auch beim Betrieb dieses Gehöftes herrschte evident eine Zusammenarbeit der Römer und der Einheimischen. Das Fehlen einer echten Befestigung und der klassischen Badeanlage spricht für eine zivile, nichtmilitärische Funktion und vorwiegend für einen nichtrömischen Charakter der Niederlassung. In der Zeit, als sich im nordpannonischen Limesvorfeld foederate Tendenzen des römisch-germanischen Zusammenlebens geltend zu machen begannen, war die Niederlassung in Cífer-Pác mit größter Wahrscheinlichkeit der Sitz eines Quadenfürsten, der mit den römischen Provinzkreisen eng zusammenarbeitete. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dieser Sitz zugleich auch die Funktion einer gewissen ständigen oder zeitweiligen römischen „diplomatisch-handelswirtschaftlichen Vertretung" auf dem befreundeten quadischen Gebiet erfüllte. Der Produktionssektor schuf eine prosperierende Wirtschaftsbasis dieses Sitzes. Zur eindeutigen und definitiven Lösung der Fragen über die Funktion der Niederlassung in Cífer-Pác würde begreiflich die Entdekkung und Untersuchung des zu ihr gehörenden Gräberfeldes beitragen. Die einzelnen römischen Stationen im Barbarikum - abgesehen von den ungefähr gleichen Ausmaßen 22 - weisen gar keine auffallendere baugeschichtliche, aber auch keine zeitliche Übereinstimmung auf. Die Verwendung bestimmter Elemente des römischen Komforts (Heizung, evtl. Bad) kann man etwa inspiratorisch von den Zivilniederlassungen in den Provinzen, namentlich von den Villae rusticae ableiten. Es kann vorausgesetzt werden, daß sie in Zeiten einer friedlichen Periode errichtet wurden, in Zeiten der römisch-germanischen Koexistenz und nicht in Zeitabschnitten militärischer Konflikte. Bei der Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse über die „römischen" Stationen und Bauten im tieferen nordpannonischen Limesvorland kann man aufgrund neuerer Erkenntnisse und Analysen zur Hypothese gelangen, daß es sich in sämtlichen Fällen um primäre Zivilanlagen handelte. Eine einzige Ausnahme bildet etwa Musov in Südmähren, wo die strategisch günstig situierte ursprüngliche germanische Residenz während der Markomannenkriege ausreichend mit Wall und Graben befestigt und zu einer römischen Militärbasis umgewandelt wurde. Die Errichtung in Stein erbauter Stationen im Barbarikum konnte teils mit Handels- und Produktionsaktivitäten an wichtigen Kommunikationen zusammenhängen (z. B. die Straßenstation Stupava - Abb. 3 und Milanovce - Abb. 4) 23 , jedoch die meisten dieser Stationen waren Resiedenzen prorömisch orientierter germanischer Fürsten, die von den Quaden auf römische Weise erbaut wurden (more Romano), wie sie Ammianus Marcellinus bei den Neckarsweben anführt. Gelegentlich kamen in ihnen Elemente des römischen Komforts zur Geltung: Heizanlage mit einem Hypocaustum, Badeanlage. Erklärbar ist das Phänomen der zivilen römischen oder auf römische Art errichteten germanischen Bauten im nordpannonischen Limesvorfeld durch außergewöhnliche militärisch-politische Verhältnisse in diesem