K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - KOLNÍK, TÍTUS: Zum Problem der villenartigen Bauten im mitteldanubischen Barbarikum
Teil des Imperiums. Von Anfang an wählten die Römer im mittleren Donaugebiet - zum Unterschied von anderen Limesabschnitten (z. B. vom Limesvorfeld in Britannien) - eine abweichende Strategie und Taktik in der Beziehung zu den germanischen Stämmen. Den Vorzug gaben sie der Schaffung von Klientelgebilden, einer Pufferzone - vor einer militärischen Konfrontation. Erwähnen wir z. B. das Regnum Vannianum (Tacitus, Ann. 2, 63; 12, 29-30) im ersten Viertel des 1. Jh. 24 oder den Rex Quadis datus unter Antoninus Pius. 25 Die Barriere kollaborierender und wirtschaftlich prosperierender Quaden und Markomannen konnte den Römern einen wirksameren Grenzschutz auf dem wichtigsten - und wie die Markomanenkriege zeigten, für Italien auch verwundbarsten Abschnitt des römischen Limes bieten als militärische Einheiten in Limesfestungen. Im Geltendmachen eines solchen Herantretens zu den Donausweben setzten die Römer auch nach den Markomannenkriegen fort, in der severischen Zeit. Davon zeugt nicht nur die Existenz der beachtenswerten römische-germanischen Niederlassung in Bratislava-Dúbravka mit einer Badeanlage, sondern auch die neueste Entdeckung dreier weiterer, wahrscheinlich ähnlicher Niederlassungen im unteren Marchtal - in Devínska Nová Ves, Zohor und Záhorská Bystrica. 26 Zahlreiche Bruchstücke römischer Tegulae und das ungewöhnlich hohe Terra- sigillata-Vorkommen in ihnen indiziert die Voraussetzung der Anwesenheit von auf römische Art errichteten Bauten. Es verbleibt nun die Frage zu beantworten, wo die Spuren des Aufenthaltes römischer Militäreinheiten zu suchen sind, wenn alle Steingebäude im Limesvorfeld für zivile römische oder germanische Anlagen gehalten werden. Hatten doch nach Cassius Dio (LXXXI, 20, 1) allein bei der letzten siegreichen Offensive der Markomannenkriege auf dem Gebiet der Markomannen und Quaden rund 40 000 Mann ihr Lager aufgeschlagen. Zur Lagerung wären 40 Miliar- und Quingenar-Kastelle notwendig gewesen. 27 Ich vermute, daß die militärische Kraft der römischen Legionen bei den Expeditionen unter Tiberius, in den Markomannenkriegen oder bei den Feldzügen unter Valentinianus I. ausschließlich in provisorischen temporären Feldlagern lag. In dem letzten Jahrzehnt ist es den österreichischen 28 , mährischen 29 und slowakischen 30 Archäologen dank der Flugprospektion gelungen, eine beträchtliche Zahl bis jüngsthin ungeahnter und unbekannter umfangreicher Feldlager zu entdecken. Imposant sind namentlich die Prospektionsergebnisse im südmährischen Thaya-Tal, wo im Umkreis der zentralen Fundstelle Musov-Burgstall zahlreiche Feldlager entdeckt und durch Testgrabungen bestätigt wurden. In Musov entdeckte man auch ein phänomenales germanisches Fürsten- oder Königsgrab, das auf beachtenswerte Weise die Bedeutung der seit längerem bekannten römischen Bauobjekte in Musov-Burgstall ergänzt. Neuestens wurden in der Nähe dieser Fundstelle Reste mehrerer temporärer Holz-Erde-Lager freigelegt, von denen das älteste wahrscheinlich mit den Feldzügen des Tiberius gegen Marobud im J. 6 n. Chr. zusammenhängt. Schließlich möchte ich meiner Überzeugung den Ausdruck geben: weder in dem bekannten Laugaricio - Trencin, wo im J. 179/180 Marcus Valerius Maximiamus mit seinen 855 Legionären überwinterte, noch im unteren Grantal, wo Marcus Aurelius das erste Buch seiner Selbstbetrachtungen schrieb, wird es den Archäologen kaum gelingen, ein „Steinlager" zu entdecken. Aus der einfachen Ursache: während der römischen Feldzüge sind im mitteldanubischen markomannisch-quadischen Barbarikum solche Lager niemals gebaut worden. ABKÜRZUNGEN BÖHME 1975. BÖHME, H. W.: Archäologische Zeugnisse zur Geschichte der Markomannenkriege (166-180 n. Chr.). Jb. RRZM 22. 1975. 190.