K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - ROTH-RUBI, KATRIN: Villenanlagen im Schweizerischen Mittelland und ihr Bezug zum frühmittelalterlichen Siedlungsbild: einige Fallbeispiele

Schweiz und im anschliessenden Frankreich ab. Parallele Erscheinungen fehlen aber in der Nordschweiz, obschon die Villenforschung hier seit langem in Gange ist. Das kann kein Zu­fall sein und lässt sich auch nicht befriedigend mit den historischen Ereignissen der mero­wingischen Zeit erklären. Ich sehe die Ursache für diesen Unterschied viel eher in der römi­schen Epoche: die Westschweiz ist Teil oder steht in unmittelbarem Einfluss der Gallia nar­bonensis, der Provinz, die seit dem 2. Jh.v.Chr. mit Rom verknüpft ist und die Romanisie­rung voll aufgesogen hat. Die Architektur- und Lebensform der „Villa" 16 ist hier Bestandteil der Kultur seit Generationen und überdauert daher die Krisen des 3. Jh.n.Chr. Aus der ver­hältnismässig späten Romanisierung der Nordschweiz geht ein sehr viel oberflächlicherer Bezug zum Phänomen „Villa" hervor, der im 3. Jh.n.Chr. im Kern gebrochen wird; ein Wandel und eine Anpassung an die Gegebenheiten der Spätantike und des frühen Mittelal­ters sind offensichtlich für diese Siedlungsform in der Nord- und Nordostschweiz nicht mehr möglich. 5) Der römische Gutshof wird wie bei Möglichkeit 2) am Ende der mittleren Kaiserzeit zerstört, vielleicht im 4. Jh.n.Chr. noch einmal aufgesucht, dann aber endgültig dem Zerfall überlassen. Im frühen Mittelalter werden Gräber in die Ruinen gelegt. In einer späteren Pha­se entsteht über diesen Gräbern eine erste Kirche, die im allgemeinen im Laufe der Zeit er­weitert wird und in wechselnder Form bis in die Neuzeit Bestand hat. Dieser Siedlungsab­lauf wird denn auch meist bei Kirchenrenovationen aufgedeckt; seine Erforschung ist durch die Beeinträchtigungen der Bauabfolgen oft stark belastet und begrenzt. Insbesondere fehlt häufig ein Zwischenglied, das hypothetisch zu ergänzen ist: das Mausoleum, das kleine Ge­bäude 17 , das die Gräber gekennzeichnet hat und vielleicht kultisch genutzt 18 wurde. Es zeichnet sich ab, dass die Gräber mit Vorliebe in diejenigen Teile der römischen Gebäude gelegt wurden, die stabil gebaut worden waren und wohl auch nach ein bis zwei Jahrhunder­ten noch aufgehendes Mauerwerk besassen: in Keller oder Badeanlagen, in deren hypokaus­tierten Räumen mit vielleicht beschädigten Böden sich gleichsam natürliche Grabgruben und mindestens der Unterbau für ein Grabhaus anboten. Es ist schwer zu beurteilen, ob an­dere als rein wirtschaftliche Gründe hinter dieser Nutzung stehen. An Stelle der Beschreibung eines Einzelfalles gebe ich hier eine Liste der von H. R. Sennhauser im Zusammenhang mit vorromanischen Kirchenbauten aufgeführten Beispie­le 1 , wobei ich mich auf das umschriebene Gebiet beschränke. Es betrifft: Baar ZG (S.40 f), Dübendorf ZH (S.98), Elgg ZH (S.l 13 f, keine Gräber), Granges-Près-Marnand VD (S.153 f), Heitlingen ZH (S.181), Kirchbühl-Sempach LU (S.204 f), Laupersdorf SO (S.241), Lau­sen BL (S.243, keine Gräber), Maur ZH (S.266 f), Meikirch BE (S.269 f), Messen SO (S.277), Oberbipp BE (S.313), Russin GE? (S.353), Twann BE? (S.427). Die Überprüfung der Befunde im Hinblick auf die hier angesprochene Siedlungsabfolge würde ohne Zweifel zu einem differenzierteren Bild führen, bei dem sich Varianten heraus­schälen Hessen. In diesem Sinn sei auf den Fall Hettlingen ZH 20 verwiesen, wo die frühmit­telalterlichen Grablegungen in zwei Stufen erfolgt sind (Abb. 2). Die ersten Gräber tangie­ren die römischen Mauern in schräger Richtung; in der zweiten Phase, der ein annähernd quadratischer Bau mit einem Grab auf der Mittelachse zuzuordnen ist, wird die Orientierung der römischen Mauern wieder aufgenommen. Diese bleibt dann für die weiteren Kirchen­bauten bestimmend. Solche und andere Spezialfälle müssten zusammengestellt und disku­tiert werden. Die fragmentarische Liste oben deutet etwas an, was bei einer systematischen Aufarbei­tung der Siedlungsgeschichte römischer Villen im frühen Mittelalter im Bereich des Schweizer Mittellandes vermutlich gefestigt werden könnte: das Siedlungsmuster 5 mit der Abfolge Siedlungsabbruch in der mittleren oder späten Kaiserzeit, frühmittelalterliche Grä-

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