K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - PARATTE, CLAUDE-ALAIN: Zwei grosse gallo-römische Villen des Schweizer Mittellandes
CLAUDE-ALAIN PARATTE ZWEI GROßE GALLO-RÖMISCHE VILLEN DES SCHWEIZER MITTELLANDES Einführung Im Schweizer Mittelland, verstärkt sich die Romanisation des Landes, ab dem I. Jh. nach Chr. Die aus Holz und Erde gebauten einheimischen Gutshöfe verwandeln sich in große, landwirtschaftliche Produktionseinheiten. Diese Villen wurden im Mittel des Gutes (fundus) errichtet. Die Villa von Orbe-Boscéaz Die Villa von Orbe-Boscéaz ist durch ältere Entdeckungen und Luftaufnahmen bekannt. Sie ist schon seit dem XIX. Jh., wegen seiner erhaltenen und dort immer noch sichtbaren Mosaiken, berühmt 1 . Ab 1986 werden systematische Ausgrabungen vom Institut für Archäologie und Urgeschichte der Universität von Lausanne (IAHA) durchgeführt 2 . Die Villa befindet sich auf einer Ebene, den Alpen gegenüber, an der Kreuzung von zwei wichtigen Hauptverbindungsstraßen: die Straße Rhone-Rhein, durch Nyon-Yverdon-Avenches-Solothum und die Straße Italien-Bretagne, durch den Sankt Bernhard und durch den Jougne Pass (Abb. 1). Das Herrenhaus liegt im Zentrum einer Hofanlage von 420 x 370 m. Dieser wirkliche Palast ist 260 m lang und ca 100 m breit (Abb. 2). Ein Langer Gang (oder Säulenhalle) verbindet zwei symmetrische, vorspringende Flügel. Im Hinteren richten sich die Wohnungs- und Dienstzimmer, von denen mehrere mit Mosaiken und Wandmalerein verziert sind, um Säulenhallenhöfe (Peristyl) ein. Ein eindrucksvolles Kanalisationssystem erlaubte das Regen- und Abwasser zu dränieren. Eine weite, künstliche Terrasse mit Garten und Brunnen, die von einer 300 m langen und 1 m breiten, starken Mauer unterstüzt ist, verlängert die Ebene nach Osten. Innerhalb der Hofanlage, ordnen sich die Ökonomiebauten voneinander gut getrennt an, um eine Feuersbrunst zu vermeiden. Errichtet im II. Jh., an der Stelle der ersten Anlage des I. Jh., die Villa wurde im Laufe des III. Jh. aufgegeben (Abb. 2). 1993: Entdeckung eines neuen Mosaiks Die, im Jahre 1993 durchgeführten Ausgrabungen, haben die Entdeckung eines neuen Mosaiks, das neunte bis zum heutigen Tag, erlaubt. Es ist außerordentlich gut (mehr als 80%) bewahrt geblieben, 30 cm unter der Gartenerde, und umfaßt beinahe 50 m 2 (Abb. 5,G). Im Zentrum eines Quadratmusters aus verschiedenen Motiven (Blumenmotiven, Pokal, Füllhorn, Salomonsknoten und Musikinstrumenten), finden wir zwei Bilder, die eine mythologische Szene repräsentieren 3 . Die Szene läßt sich leicht identifizieren, dank verschiedenen Elementen, die sich auf diesen beiden Bildern befinden. Odysseus entlarvt Achilleus, der sich unter den Töchtern des Königs Lykomedes, als Frau bekleidet, besteckt. Die Szene ist in zwei verschiedenen Bildern verteilt, ohne daß sie eng zusammengebunden sind. Das große, viereckige Bild stellt Odysseus bewaffnet, bärtig, mit pileus bedeckt, in ärmelosem Waffenrock dar. Der Held zeigt mit seinem gestreckten Arm, auf einen präzisen Punkt. Er ist von einem Jungen begleitet (wahrscheinlich handelt es sich um seinen Sklaven Agyrtes), der ein bebändertes tuba spielt, um den Kampfeseifer von Achilleus aufzuregen.