K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - WAGNER, PAUL: Die villa rustica Friedberg Pfingstweide. Ergebnisse der Ausgrabungen 1980/1981

auch etwas vor die Front der Umfassungsmauer tritt. Ab diesem Tor nach Süden hin taucht nun parallel zur Umfassungsmauer in nur einem Meter Abstand ein zweiter ebenfalls aus Basalt errichteter Mauerzug auf, der über 45 m Länge nachgewiesen werden konnte und ab da dem Ackerbau zum Opfer gefallen ist. Vermutlich ist diese Basaltmauer eine Nachfolge­rin der früheren Hofmauer. Der große Portikusbau nördlich der Straße erfuhr ebenfalls eine umfassende Veränderung - wenn es sich nicht um einen fast kompletten Neubau handelte. An die Westseite dieses Hauses wurde ein weiterer, dritter, Risalt mit dahinterliegendem Hofgelände oder überdachtem Raum angebaut. In diesem Zuge wurde auch die Südfront bis ins Fundament erneuert und die Portikus mit einem Steinfußboden versehen. Die Gebäude­abmessungen betrugen danach 40,5 x 18,5 m. Außerdem entstand inmitten des Nordareals über zwei kleinen älteren Gruben mit Urmitzer Keramik ein weiterer Neubau, vom dem wir keinen Vorläufer kennen. Es handelt sich um ein klassisches Horreum mit lisenenartigen Verstärkungen der Außenwände und zahlreichen hölzernen Stützpfeilern, die über den In­nenraum verteilt waren. Die Gebäudegröße betrug 20,5 x 18,5 m, die Lagerfläche nach ent­sprechenden Abzügen etwa 120 m 2 . Aus dieser Grundfläche ergibt sich je nach Füll- oder Stapelhöhe eine Gesamtkapazität von 240 bis 360 m 3 Getreide, nach heutigem Stand der Er­trag aus 35-50 Hektar bewirtschaftetem Land. Bei Berücksichtigung eines entsprechenden Minderertrages von 50% in römischer Zeit ergibt sich für die Erwirtschaftung der Getreide­kapazität des Horreums eine notwendige Bewirtschaftungsfläche von rund 100 Hektar. Die Lagerkapazität des Horreums entspricht bei einem Jahresbedarf einer Centurie von 30 m 2 in etwa dem Gesamtjahresbedarf von 10 Centurien. An der Fernstraße entstand wohl zur glei­chen Zeit wie das Horreum der gallorömische Umgangstempel. In seinem Fundament fand sich nach dem Bericht des Ausgräbers ebenfalls Urmitzer Keramik. Ein großer Steinbau ne­ben dem Tempel gehörte wohl ebenfalls in diesen Zeithorizont. Datierung der Periode 2 I Phase 2 - bis zum Ende der villa rustica. Auch das Ende der zweiten Periode und damit das Ende des Gutshofes ist mit einer Brandkatastrophe verbunden. Erkennbar ist dies allerdings nur durch die Einfüllung des Kellers im nördlichen Risalitbau. Dort fand sich ein umfangreiches Keramikinventar, beina­he ausschließlich Urmitzer Ware und Rheinzaberner Sigillata des COMITIALIS IV und PRIMITIVVS IV. Die späteste Keramik aus dem Hauptgebäude sind Sigillata-Scherben der Rheinzaberner Töpfergruppe VICTOR II-JANVCO, die aus einer Grubeneinfüllung stam­men. Der Untergang der villa dürfte damit im zweiten Viertel des dritten Jahrhunderts er­folgt sein. Wirtschaftliche Entwicklung Setzt man voraus, daß die Grubenanlagen der Periode 1 als Gerbereianlagen zu interpre­tieren sind, kann davon ausgegangen werden, daß entsprechende Viehherden als Schlacht­vieh zur Verfügung standen. In der Folge könnten zumindest in der Anfangsphase der villa die Grubenhäuser als Kühlhäuser genutzt worden sein. Unterstellt man eine weitere Annah­me, nämlich, daß die Bauten und Anlagen an der Einmündung der Nebenstraße, an der un­sere villa liegt, in die Fernstraße, zur villa gerechnet werden können, so käme noch der Nachweis metallverarbeitender Einrichtungen, also Schmelzen oder Schmieden hinzu. Die­se könnte ebenso für den Eigenbedarf der villa wie für den Bedarf der Fernreisenden gear­beitet haben. Spätestens gegen Ende des zweiten Jahrhunderts zeigt die Errichtung des Hor-

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