K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - VERZÁR-BASS, MONIKA: Mausoleum und Villa
wirklichung besser erklären als die von Waurick vorgeschlagene graduelle typologische Entwicklung der strukturellen Gliederung innerhalb der Landsitze 12 . Es soll hier erneut versucht werden, die verschiedenen Etappen der Entwicklung des „Systems" von Herrschaftssitz - Mausoleum aufzuzeigen. Die enge Verbindung zwischen Palast und Grab ist bereits aus früher Zeit im Osten bekannt. Eines der bekanntesten, schon in der Antike berühmten Beispiele war das Grab des Kyros, das sich im Garten des Palastes befand 13 . Laut Amandry hatte das Grab, zusammen mit dem Palast eine zentrale Funktion im persischen Herrschaftssystem 14 . Strabo und Arrian vermitteln die von Aristobul hinterlassene Beschreibung des Grabes, das auf Wunsch Alexanders des Grossen geöffnet und später restauriert worden sei 15 . Das besondere Interesse Alexanders bedarf hier keiner weiteren Erklärung, die wichtige Beziehung zwischen Grab und Palast in Makedonien und später in Alexandria, hängt wohl zum Teil direkt vom Vorbild des persischen Grosskönigs ab 16 . Die Anlage des Palastes in Persepolis mit dem im paradeisos befindlichen Kyrosgrab hat auch auf die kleinasiatischen Satrapen des 4. Jahrhunderts eingewirkt. Eines der grossartigsten Beispiele war die Residenz des Maussolos in Halikarnass, von der in erster Linie das gigantische Grab bekannt war, wäre nicht zufällig die Vitruvstelle mit der Beschreibung des Palastes erhalten geblieben 17 . Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass der berühmte Hofarchitekt fast mehr am Palast, an seiner Lage und an der Konstruktionstechnik interessiert war, als am berühmten Grabmal, das nur in der praefactio des siebten Buches relativ kurz behandelt wird 18 . Seine Erwähnung im zweiten Buch, anlässlich der Schilderung des Palastes, betrifft lediglich die Lage, die eindeutig für sehr wichtig innerhalb der Gesamtanlage gehalten wird, an hervorragender Stelle zwischen der Residenz und dem ebenfalls zum Gesamtkomplex gehörenden Marstempel. Einige technische Details in der Schilderung der Palasttanlage im zweiten Buch erlauben sogar an einen persönlichen Besuch Vitruvs in der karischen Stadt zu denken 19 . Der Architekt hätte sich in der Funktion eines praefectus fabrum in offizieller Mission als Begleiter des Pompeius 66 v. Chr. in Halikarnass aufgehalten °. Die Vitruvstelle bezeugt daher einerseits, dass das monumentale Grab des Maussolos an einer zentralen Stelle des Palastareals stand (einer alten Tradition orientalischer Grosskönige folgend), andererseits die Tatsache, dass der Autor diesem Umstand grösste Aufmerksamkeit schenkte. Das Augenzeugnis Vitruvs ist das früheste in den erhaltenen Schriftquellen und zweifellos von grosser Bedeutung, sowohl in der Frage der Namenswahl „Mausoleum" für das Augustusgrab (üblicherweise mit der Figur des Munatius Plancus verbunden 21 ), als auch im Zusammenhang mit der Vermittlung von neuen Bautypen aus dem Osten im 1. Jh. v. Chr., bei der Persönlichkeiten wie Vitruv eine entscheidende Rolle spielten 22 . Das orientalische Modell „Residenz-Grab" 23 war gewiss schon das Vorbild für P. Scipio Africanus Maior. Notizen über einen grösseren Grabbau mit Statue und Epigramm des Ennius auf seinem Privatgrund in Liternum finden sich in Livius und Seneca 2 . Dort, auf seinem weiten Gut konnte der berühmte Feldherr in der Mussezeit seiner bevorzugten Beschäftigung nachgehen, der Grossjagd nach orientalischem Vorbild, die er in den Jugendjahren im makedonischen Palastareal kennen lernte. Es ist zu vermuten, dass sich das liternische, eher unwirtliche Anwesen, gut dazu eignete 25 . Die von Polybius angefügte Bemerkung, Scipio hätte sich auf den makedonischen Jagden wie ein König gefühlt, weist auf eines der charakteristischen Elemente der „Imitatio Alexandri" hin 26 ; in analoger Weise muss das ausserordentliche Einzelgrab innerhalb des Landgutes interpretiert werden. Das Sepulkralmonument auf dem Landsitz in Liternum kann daher gewiss nicht als Notlösung angesehen werden, vielmehr muss an einen bewussten Entschluss gedacht werden, auch weil eine Bestattung des Africanus im Urbanen Familiengrab nicht nur möglich, sondern obligat gewesen wäre und von niemandem hätte verhindert werden können 1 . Im Gegenteil, der Ver-