K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - VERZÁR-BASS, MONIKA: Mausoleum und Villa

zieht auf die Ahnengrabstätte war eine bewusste politisch-ideologische Geste, die wohl kaum unüberlegt und hastig vollzogen werden konnte, und die in absoluter Kohärenz mit dem übrigen Gebahren dieser hervorragenden Persönlichkeit ein orientalisch-dynastisches Modell anstrebte 28 . Dabei ist vermutlich nicht so sehr die Errichtung auf praedialem Grund als revolutionierende Neuigkeit anzusehen, sondern viel eher der Bruch mit der alten Patri­ziertradition, die für die Bestattung das Gentilgrab vorsah, in welchem der Verstorbene in den grossen Familienbund eingefügt wurde. Einzige Ausnahme war besweilen das staatliche Einzelgrab, das den erfolgreichen Offizieren gewährt werden konnte 29 , jedoch das Einzel­grab auf dem campanischen Latifundium des Scipio Africanus konnte keine andere Bedeu­tung haben als die einer Grabstätte eines orientalischen Herrschers in der Art eines grossen Heroon. Der Verdacht, dass eine Beziehung zwischen Praedium und Grab schon zur Zeit des Scipio Barbatus bestand, als der Ort für das sepulchrum Scipionis in Rom gewählt wur­de, kann durch den von dessen Sohn errichteten, in unmittelbarer Nähe befindlichen Bau des Tempestas-Tempels erregt werden 30 . Eine ähnliche Situation kennen wir für das unweit gelegene Grab der Marcelli, das sich neben dem von Claudius Marcellus geweihten Tempel an Honos und Virtus befand, wahrscheinlich auch hier auf einem Familiengrund 31 . Viel­leicht wurde in jener Zeit die Sitte, in grossen Gräberfeldern zu bestatten von den wichtig­sten Familien aufgegeben. Die mutmassliche Verlegung des Scipionengrabes kann nicht nur mit der wenige Jahre zuvor begonnenen Via Appia verbunden werden von der sich das Sci­pionengrab eher abwendet 32 . Die Wahl des suburbanen Grabplatzes könnte, wie bereits be­merkt, in erster Linie mit einem Familiengrundstück zusammenhängen; zweitens ist zu er­wägen, dass eine topographische Verbindung zu dem vor der Porta Capena gelegenen sena­culum gesucht wurde , bestätigt durch die Nachbarschaft der Claudi Marcelli, Triumphato­ren und Eroberer wie die Scipionen ausserhalb der italischen Halbinsel. Hat es jedoch in der Tat eine Bewandtnis mit dem praedium, so könnte man das Phänomen mit dem Aufkommen und der Verbreitung, zunächst in der näheren Umgebung Roms, des Grundbesitzes mit villa rustica, in Einklang bringen 34 . Doch zurück zur Grabform oder, besser gesagt, zu seiner Struktur. Obschon bereits bei den ersten Bestattungen im Hypogaeum starke hellenisierende Züge mitspielten 35 wird die traditionelle Grabstruktur noch nicht geändert. Das alte Familiengrab erfährt erst um die Mitte des zweiten Jahhunderts eine wesentliche Renovation: mit der neuen theaterartigen Palastfassade nähert sie sich den hellenistischen Modellen etwas an 36 , indem ein Vorbild adoptiert wurde, das in Gräbern östlicher Tradition, vor allem in Nordafrika verbreitet war, insbesondere in der alexandrinischen Nécropole Mustafa Pascha und in Kyrene 37 . Doch der eigentlich revolutionäre Schritt wurde unzweifelhaft von Africanus Maior in den ersten Jahzehnten des 2. Jh. v. Chr. gemacht. Nach diesem ersten, nur literarisch be­kannten Mausoleum auf einem Landsitz, fehlt jegliche Notiz und jegliches sichere archäolo­gische Zeugnis in den darauf folgenden 100 Jahren 38 . In recht frühre Zeit (spätestens erste Hälfte 2. Jh. v. Chr.) reichen einige fragmentarische Funde, eine auf dem Fels sitzende Or­pheusstatue, Reste von Gallierkampfgruppen und eine Sphinx auf einem krausblättrigen Ka­pitell, sämtliche aus alten Grabungen entlang der Via Tiburtina: bei all diesen Beispielen ist die Nähe eines Landsitzes zu vermuten, da die Fundorte recht weit vom besiedelten Stadt­kern entfernt liegen 39 . Es ist allerdings nicht zu entscheiden ob die zugehörigen Gräber noch Gentilgräber waren, bestenfalls mit reich geschmückten Fassaden versehen, oder bereits dem orientalischen Modell folgende Einzelmonumente. Sowohl von gross angelegten Landhäusern, als auch von Mausoleen, besitzen wir erst ab Ende 2. Jh., Anfang 1. Jh. v. Chr. handfeste archäeologische Zeugnisse. Ein eindeutiger und starker Zuwachs an Beispielen kennen wir aus der Zeit nach dem Bundesgenossenkrieg und

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