Savaria - A Vas Megyei Múzeumok értesítője 17-18. (1983-1984) (Szombathely, 1989)
Régészet - Fekete Mária: Késő-hallstattkori lakóház leletmentése Csöngén
des einzigen heute bekannten Handwerkervereines der Stadt, des collegium fabrum et centonariorum. Wirtschaftlichen und politischen Leitern diesen Typs hatte Savaria zu verdanken, daß es sein Wirtschaftsleben - wenn auch im minderen Umfang - nach der Trauma der Kriegsjahre herstellen konnte. Aber auch die Rekonstruktionen, sowie der Bau von neuen kultischen und öffentlichen Gebäuden waren den Vertretern dieser Schicht zu verdanken. Die erste Inschrift des Faustinianus, die er für das Heil der ganzen Stadtbevölkerung (pro salute Savariensium) Juppiter Depulsor widmete, legt die beiden Stützpfeiler der Positionen des Stadtvorstehers, der zur Zeit der Erstellung der Inschrift ungefähr 35 Jahre alt war und sich bereits zu den angesehensten Männern des Ortes zählte, klar auf: die ihn im Besitz bedeutenden Gutes entlassene Vaterstadt und die aus eigenen Kräften eroberte Gesellschaft von Savaria. Faustinianus war ein „self made man" im echten Sinne des Wortes, der die Zinsen der Familienerbe im öffentlichen Leben genoß. Es ist eine charakteristische und zugleich aus dem Gesichtspunkte seiner späteren Laufbahn wesentliche Angabe, daß Faustinianus schon damals ein Vorsteher des Handwerkervereines von Savaria war. Diese Funktion war nehr als ein einfacher Ehrenauftrag, denn Faustinianus schenkte am Ende seines Lebens auch die Geniusstatue auf der Basis von Carnuntum dem örtlichen collegium fabrum. Die lange Jahre anhaltende Verbindung, die Faustinianus zu den Handwerkervereinen der westpannonischen Städte hatte, war sicherlich von geschäftlicher Natur, mag sowohl darin bestanden haben, wie es L. Balla aufwarf 46 , daß Faustinianus auf dem ager von Savaria größere Wälder besaß, aus denen er den Holz Handwerkern lieferte, die - Zimmerer, Tischler, Faßbinder, Wagner - harten Stoff bearbeiteten, Doch das Wesen des Verhältnißes konnte sogar darin bestehen, daß es von Anfang an in der Sphäre des Zwischenhandels bewog, was in der ersten Linie durch das Vorhandensein des doppelten Decurionates begründet zu sein scheint. 47 Die beiden Tätigkeiten bildeten wahrscheinlich zusammen die Grundlage des Kontaktes zwischen Faustinianus und den Handwerkern, Faustinianus, der sich in allen drei bedeutenden Zentren der Bernsteinstraße - Poetovio, Savaria, Carnuntum wie zu Hause bewand, soll sein Gut unter weitverbreiteten Immobilien und beweglichem Handelskapital aufgeteilt haben 48 . Nachdem Faustinianus die Bahn in Savaria belaufen hatte, die ein Decurio in einer Kleinstadt überhaupt belaufen kann, - er hatte die Würde des Oberpriesters der Stadt erreicht -, erwarb er sich auch noch die Aufnahme in das or do von Carnuntum. Die verdoppelte Würde mit doppelten Verpflichtungen konnte nur Einen anziehen, dem die Geschäftsbeteiligungen in beiden erwähnten Städten bedeutenden Gewinn brachten und der von dem zweiten Decurionat einen weiteren Aufstieg im öffentlichen Leben und dadurch eine erneute Erweiterung des geschäftlichen Gewinns erwarten konnte. Doch der Decurionat in Carnuntum macht auch etwas Anderes klar. Faustinianus war voller Ambitionen. Er wurde in das ordo von Carnuntum aufgenommen als die Stadt, die ehemals den Kaiser Septimius Severus auf seinen Weg entließ, von dem gewesenen Statthalter den Rang einer Colonia erhielt. Faustinianus war eigentlich kein Stadtbürger von Carnuntum 49 , so mußte der Erhaltung der Würde in der privilegierten Stadt vorgehen, daß er seine Treue zum Septimius Severus, der zum Herrscher erhoben worden war, in irgendeiner Form schon erwiesen hatte : sei es unmittelbar im Statthalterpalast zu Carnuntum geschehen oder auf eine mittelbare Weise, die Faustinianus als ehemaligem flamen des Kaiserkultes in Savaria zugänglich war. Zu ähnlichen, die Treue zum Kaiser beweisenden Gesten mußte er auch im Späteren Anläße haben, denn die neuen Mitglieder des ordo equestris wurden nicht einfach aufgrund des Güterzensus ernannt 50 , sondern es fielen dabei auch die Loyalität und Zuverläßigkeit der Erwählten zur neuen Dynastie ins Gewicht. Faustinianus soll 40—45 148