Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 19. (Szekszárd, 1996)

István Zalai-Gaál: Neufunde der neolithischen anthropomorphen Idolplastik im südlichen Transdanubien

Geschlechtsorgan ... Trotz der Stilisierung ist erkennbar, daß man eine Frau darstellen wollte" (KALICZ 1977, 138., Abb. 1. 3. a-c). Für die früheste westliche Linienbandkeramik ist das Bruchstück von Medina (KALICZ-MAKKAY 1972, 3., T. 3. 10) und Zalavár (Inv. Nr.: Ung. Nat. Mus. 55. 35. 376) kennzeichnend, wo auf das Geschlecht der Figuren durch „starcevoartige" Modellierung hingedeutet wurden. Im südtransdanubischen lengyelzeitlichen Fundmaterial findet man zwei Beispiele für die Darstellung der Gravidi­tät: Die „thronende Frauenfigur" 001 von Mórágy hat eine Buckel auf dem unteren Bauchteil und auch die stehende Statuette 034 von Villánykövesd trägt die Zeichen der Gravidität auf ihrem Bauch. Für solche Darstellungen sind Parallele schon seit dem südosteuropäischem Frühneolithikum bekannt: auf dem unteren Bauchteil des Frauenidols von Porodin ist ein Buckel zu sehen, eine der Hände liegt auf dem Bauch (SREJOVIC 1968., Abb. 7). Auf der säulenartigen Statutette von Vinca (Vinca-Ai) werden die Brüste und die Gravidität durch Buckel gebildet (SREJOVIC 1982, Abb. 32.2). Solche Darstellungen kommen auch während der späteren Entwicklung der Vinca-Kultur vor (SREJOVIC 1982, Abb. 34. e, z) und sie sind auch im Kreis der MBK-Idolplastik (PODBORSKY 1985, T. 3. 2, 22. 3a, 23. 2a, 96. 3) und der Tripolje-Kultur vorhanden (POGOSEVA 1985, 145., Abb. 12 und 582). b) Männliche Darstellungen: Es handelt sich nicht nur um weibliche Darstellungen: die Säulenfigur von Lengyel-Tók (033) ist mit den plastisch und natural gebildeten männlichen Geschlechtsorganen ein Beweis dafür, daß im „Pantheon" der Lengyel-Kultur auch die männliche Darstellungen eine wichtige Stellung haben konnten. Als weitere Beispiele können dafür die stähende Säulenfigur von Mucsfa (028), der wahrscheinlich mit Maske versehene Kopf von Mórágy (004) und das Männerrelief von Villánykövesd (037) vorgestellt werden. Dem letzteren Fund hat J. Makkay besonders große Wert beigelegt, da die Zahl der neolithischen und äneolithischen Männerplastiken im Vergleich zu den weiblichen verschwindend klein ist (MAKKAY 1971, 45), obwohl sie schon seit dem frühesten Neolithikum vorhanden sind. „Die Anzahl der südosteuropäischen neolithischen Idole ist offensichtlich von hunderttausender Größe, die Männerdarstellungen davon machen einen sehr kleinen prozentuellen, viellicht promillenen Anteil aus" (MAKKAY 1978, 164). V Podborsky stellte fest, daß „ca 75% der bestimmbaren MBK-Figuren weibliche Merkmale haben, aber die Anzahl der männlichen Plastiken wächst mit der Entwicklung der MBK an" (PODBORSKY 1985, 211). Diesselbe Feststellung kann auch für die Tripolje-Idolplastik anzusehen: „In der Regel stellen die Statuetten der Tripolje-Kultur Frauen dar; Männer sind nur in 2,5% der Exemplare (48 Stück) zu erkennen" (POGOSEVA 1985, 97). Mit der Problematik der südosteuropischen äneolithischen und neolithischen Männerdarstellungen befaßte sich J. Makkay in mehreren zusammenfassenden Arbeiten ausführlich, er behandelte auch ihre nahöstlichen Parallelen einge­hend (MAKKAY 1971; 1978). Die früheste europäische Männerfigur stammt aus der Protosesklo-Periode Thessaliens (PAPADOPULOU 1958; MAKKAY 1971, 49; FRANZ 1932-1933; T. 10. 9; MAKKAY 1971, 49). J. Makkay ist der Meinung, daß die südosteuropischen Männeridole sich unter intensivem nahöstlichen Wirkungen herausbildet haben, ihr häufigerer Auftreten ist auf die Zeitperiode der Vinca-Bl-, Vadastra I-, Gumelnia- und Cucuteni-Kulturen zeitlich zu stellen (MAKKAY 1971, 52). Hinsichtlich der Herausbildung der Lengyel-Idolplastik sind - neben den örtlichen LBK-Traditionen - die Wirkun­gen der Vinca-Kultur am bedeutendesten. Die meisten der balkanischen Männerplastiken sind in der Vinca-Kultur vorhanden. Selbst in Vinca fand man 17 selbststndige Männerfigur in einer Tiefe von 7,3 bis 4,8 m (HÖCKMANN 1968/1, 55; MAKKAY 1971, 41): sie sind meistens klein und einfach gebildet. Die meisten sind für die Vinca-B2-Ci­Zeitperiode kennzeichnend. Die besten Parallelen der behandelten Männerfiguren der Lengyel-Kultur sind im Fundmaterial der Vinca-Ci Zeitperiode zu suchen (VASIC 1936/HI, 128., T. 123. 571). Auch die Herkunft der Männerrelief 038 von Villánykövesd sieht J. Makkay in der Vinca-Kultur (MAKKAY 1971, 41). Außer der Männerfiguren deutet auch eine andere Art von Plastiken auf die Bedeutung der Männer während der spätneolithischen Entwicklung im südöstlichen Europa: „Es gibt in Vinca einige tönerne Phalloi ... Es wäre zu überlegen ob die „Röhrenaltäre" im Sinne eines Phallkults zu interpretieren sind" (HÖCKMANN 1968/1, 58): solche unpublizierte Funde befinden sich auch in der Lengyel-Kultur. Wie erwähnt, spielten auch die örtlichen Wurzeln eine große Rolle bei der Herausbildung der Idolplastik der Lengyel-Kultur. Tonidole sind schon von Anfang der westlichen (und östlichen) Linienbandkeramik vorhanden. Im typologischen System von O. Höckmann gelten die männlichen Statuetten als eigener Typus, dabei zeichnen sich zwei Varianten ab: 1. „Stehende Figuren nach Art der vorherrschenden Frauenstatuetten, doch ohne Angabe weiblicher Merkmale (Nerkewitz) öder mit Angabe der männlichen (Sabenice)" (HÖCKMANN 1972, 189)".: 2. „Kleine unverzi­erte Figürchen, die sitzende Männer auf einem Schemel darstellen (Pavlice, Butzbach)" (HÖCKMANN 1972, 189). 65

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