Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 19. (Szekszárd, 1996)

István Zalai-Gaál: Neufunde der neolithischen anthropomorphen Idolplastik im südlichen Transdanubien

4. DIE HERKUNFT UND INTERPRETATION DER LENGYELZEITLICHEN IDOLPLASTIK Die Herkunft und Interpretation der lengyelzeitlichen Idolplastik wurde schon in mehreren Arbeiten eingehend behandelt (PODBORSKY 1985; BÁNFFY 1991 mit der vollen Literatur). Während der Behandlung der frühesten transdanubischen Linienbandkeramik meinte auch N. Kalicz, daß gewisse Kultobjekte südliche Wirkungen widerspie­geln (KALICZ 1994, 68): als Beispiele dafür stellt er die Tonidole, bzw. Bruchstücke von Szólád (KALICZ 1993, 90, T. 16. 1. a-c), Budapest­Aranyhegyi Str. (ebendort, T. 16. 2. a-b, T. 16. 3) und Bicske (ebendort, T. 16. 5. a-c; MAKKAY 1969; 1970, 28; 1973, T. 13, 14) vor. O. Höckmann hat dieselbe Meinung: „Tonidole im nordalpinem Raum sind für die frühe Linearkeramik nicht schlüssig zu erweisen; sie erschienen erst später unter südosteuropäischem Einfluß" (HÖCKMANN 1965, 24). Die früheren Forschungen haben schon bewiesen, daß bei der Herausbildung der Lengyel-Kultur so die örtlichen Grundlagen, wie auch die südlichen, südöstlichen Einflüsse (Wirkungen der Vinca-Kultur) eine bedeutende Rolle spielten (KALICZ-MAKKAY 1972a; 1972b; 1975): die Figuralplastik der Lengyel-Kultur ist wieder ein Beweis für diesen Prozeß. Nach der zusammenfassenden Arbeit von E. Bánffy über die Interpretationsmöglichkeiten der äneolithischen und neolithischen Tonidole SO- und Mitteleuropas (BÁNFFY 1987; 1990-1991) wäre über die Bestimmung der behandelten Tonstatuetten aufgrund der neuentdeckten und kleinzahligen Funde vom südlichen Transdanubien schwer neues zu sagen. Anhand der wenigen Fällen, wo die Fundumstände bekannt sind, haben wir auch dafür hingewiesen, daß die kleinen lengyelzeitlichen Figuren so beim Totenritual, wie auch bei den in Häusern („kultischen Ecken") bzw. Siedlun­gen (Opfergruben) geübten kultisch-sakralen Tätigkeiten eine wichtige Rolle haben konnten (ZALAI-GAAL 1993, 16-18). 5. ZUSAMMENFASSUNG Im Thema „neolithischer Idolplastik" wurden besonders die große Bedeutung und die „führende Rolle" der Frauen bzw. die Wichtigkeit der „Göttinen" im Kult der prähistorischen Gemeinschaften berücksichtigt: die Grundlagen dazu ergaben sich aus der besonders hochen Anzahl und dem Charakter der Idole. J. Makkay zeigte aus, daß im Süden, etwa gleichzeitig mit der Theißkultur, der Charakter der Wirtschaft sich geändert hatte: dementsprechend haben sich auch die religiöse Vorstellungen verändert (MAKKAY 1971). Davor wurden nur „Göttin" oder „Göttinen" verehrt, deshalb wurden nur weibliche Figuren gefertigt. Der Mann bedeutete nur die bef­ruchtende Kraft, aus diesem Grund spielten die männlichen Darstellungen eine untergeordnete Rolle. Der Zeitperiode der Theiß- (und Lengyel-) Kultur vorangehend entfaltete sich der Kult des männlichen Gottes in den südöstlichen Bereichen Europas (MAKKAY 1971). Der „thronende Männerfigur mit Sichel" von Szegvár-Tűzköves sollte diesen Prozeß zur Zeit der spätneolithischen Entwicklung repräsentieren (CSALOG 1959; MAKKAY 1978), obwohl das Geschlecht der Figur nicht dargestellt wurde. Die weiblichen Gottheiten haben aber ihre Bedeutung im Kult zu dieser Zeit nicht verloren (KALICZ 1970, 40). Aus der Lengyel-Kultur haben wir bis jetzt keine Beweise (Funde), obwohl „das allmähliche Anwachsen der Männerplastik im Laufe der MBK so den größeren Anteil der Männer in diesem Bereich der gesellschaftlichen Aktivität widerspiegeln" könnte meint V. Podborsky (1985, 213). Es ist nicht bewiesen, daß die „gesellschaftliche Aktivität" der Männer im Neolithikum mit dem Kult von weiblichen oder männlichen Gottheiten unbedingt verbunden sein sollte: darauf deuten auch die Ergebnisse der Analysen, die aufgrund der lengyelzeitlichen Gräberfelder- oder Gruppen gewonnen wurden (ZALAI-GAAL 1988). 66

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