Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 19. (Szekszárd, 1996)

Gabler Dénes–Horváth Friderika: A szakályi terra sigillaták és helyük a bennszülött telep kerámiaspektrumában

DIE TERRA SIGILLATEN VON SZAKÁLY UND IHRE STELLUNG IM KERAMIKSPEKTRUM DER EINHEIMISCHEN SIEDLUNG Bei Datierung der frühkaiserzeitlichen Perioden der spätlatene-römerzeitlichen einhemischen Siedlung Szakály haben wir uns - mangels Münzen aus dem 1.-3. Jh. - auch früher schon auf die Angaben der Terra Sigillaten gestützt. Bereits im Zuge früherer Aufarbeitungen konnte man beobachten, welch geringe Menge diese Fundgruppe nicht nur im Vergleich zum Material der Siedlungen, Städte und Villen, sondern auch zu den Sigillaten der in jüngster Zeit freigelegten Siedlungen des Barbaricum darstellt; in quantitativer Hinsicht kann das Vicus Szakály selbst mit diesen nur schwer in Wettstreit treten. In der vorliegenden Arbeit haben wir versucht, mittels Analyse des gesamten Sigillatamaterials (119 Stück) die Stellung der Sigillaten innerhalb des Keramikmaterials der Siedlung zu bestimmen, um so annähernd ein Bild vom Anteil der Importe und der lokalen Ware - innerhalb letzterer der Fabrikate aus Werkstätten mit weiterlebenden La Tène D-Traditionen sowie den provinzial - „römischen" Töpfereien oder eben der von den Ortsbewohnern hergestellten primitiven Gebrauchskeramik, also der handgeformten Gefäße - zu gewinnen und dies mit dem Material von Fundorten anderer Prägung zu vergleichen. Zur Analyse geeignet erwies sich das Material der Grube XLIII, aus der nahezu 33% der Sigillaten stammen. In den übrigen Gruben fand sich nur jeweils ein Stück, und die Mehrzahl der Sigillaten sind stratigraphisch nicht bewertbare Lesefunde. Die Grube umfaßt mehrere Perioden - erstmals wurde sie wohl im zweiten Viertel des 2. Jh. ausgehoben, in ihre Auffüllung dann vermutlich Anfang des 3. Jh. erneut eingegraben (neben severerzeitlichen Rheinzaberner Sigillaten bekräftigt diese Datierung auch ein Spiralfibel mit Gabelbügel /Abb. 23,4/), und die nach der Auffüllung verbliebenen Unebenheiten dürften im 4. Jh., bei Planierungen vor Errichtung des nahen Pfostengebäudes, restlos beseitigt worden sein. Somit widerspiegelt das gesamte Fundmaterial auch die in der Zusam­mensetzung der Keramik der Siedlung zu beobachtenden Veränderungen. Im Zuge der Ausgrabungen der einheimischen Siedlung Szakály-Réti földek in den Jahren 1973-1982 kamen 119 Sigillaten ans Licht. Die frühesten Fragmente sind Produkte der norditalischen Manufakturen des claudisch-vespasia­nischen Zeitalters. Die hohe Zahl der padanischen Sigillaten deutet auf die Intensität der frühen Handelsbeziehungen der in unmittelbarer Umgebung unsere Fundortes, im Tal des Kapos-Flusses gelegenen Siedlungen. Von der Mitte des 2. Jh. n. Chr. an wuchs im Kreise der Siedlungsbewohner die Nachfrage nach Sigillaten, anfangs wird das Gebiet von der mittelgallischen, später von der Rheinzaberner Manufaktur beliefert. Insgesamt 20 Fragmente (16,81 %) lassen sich an Mittelgallien, wesentlich mehr aber, 88 Fragmente (73,95%), an Rheinzabern binden. Es gelang uns, die Ware von neun Töpfer vorgenannter Produktionsstätte zu bestimmen (s. Tabelle): Die Stücke des Aventinusl­II/Cinnamus bzw. des Quintilianus/Paternus sind in der frühesten Zeit, die Mitte des 2. Jh. n. Chr. datierbar, doch kommen die Produkte des Cinnamus und Paternus in den Donauprovinzen auch in jenen Brandschichten sehr häufig vor, die man mit den Markomannenkriegen in Zusammenhang bringen kann; die Produktion des Kreises Advocisus/Ca­surius - Iullinus - Doeccus hingegen fällt in die spätantoninische Zeit der Produktionsperiode des Werkstattkreises. Das Rheinzaberner Töpferzentrum setzte in diesem Raum keine vor den Markomannenkriegen hergestellten Waren um. Der bedeutende Aufschwung im Sigillatenumsatz der Siedlung erreichte seinen Höhepunkt an der Wende des 2./3. Jh. n. Chr., vertreten durch die Exemplare lia der Gruppe Bernhard (s. Tabelle). Einen geringen Anteil an unserem Material haben die Westerndorfer Helenius-Fabrikate (3,36%), und auch aus der Pfaffenhofener Werkstatt des Dicanus ist uns insgesamt nur ein Fragment bekannt. Die absolute Menge (23,53%) und Formenarmut der glatten Ware zeigen ihre Prägung durch das Barbaricum, lediglich drei Typen kommen vor - die Tellerformen Drag. 18/31 und Drag. 32 bzw. die Tassenform Drag. 33. Die Grube XLIII, aus der etwa ein Drittel des Gesamtsigillatamaterials stammt (33 Stück, s. Tabelle), spiegelt die in der Siedlung als Ganzes beobachteten Tendenzen wider. Die padanischen Sigillaten kamen in Sekundärlage, in Gesellschaft von Rheinzaberner Produkten zum Vorschein. 81,8% der Sigillaten des Grubenmaterials sind reliefverzierte Stücke der Rheinzaberner Manufaktur, deren Mehrzahl die Fabrikate lia der Gruppe Bernhard bilden. Die Zusammensetzung des aus 1324 Stücken bestehenden Keramikmaterials der Grube haben wir in einer Tabelle dargestellt. Der Anteil der Importware im Spektrum beträgt 2,95%, der rot überzogenen provinzial-"römischen" Ware 11,11%, der tongrundigen Keramik 7,56%, der grauen, körnigen Keramik 57,22% und der der graues pannonischen Glanztonware 2,8%. Bedeutend ist der Anteil an La Tène D-Keramik (4,75%), handgeformter Keramik (4,85%) sowie auf langsam rotierender Scheibe hergestellter Keramik (8,54%). Das Spektrum des von der späteren Eingrabung unberührten, früheren Grubenteils (zweites Viertel 2. Jh.) weicht davon ab. Hier gibt es z. B. keine Importgefäße, gleichzeitig aber ist der Anteil der „römischen" Ware mit Überzug (19%), der tongrundigen Keramik (20%) und der La Tène D-Ware (6,3%) höher. Über die Sigillaten hinaus als Importware anzusehen ist die dünnwandige Keramik (sog. Fabrikat E) aus Norditalien (Abb. 11. 1-3). Neben ihnen erweckte ein in Pannonién produziertes Stück unsere Aufmerk­samkeit (Abb. 11.4), das man als Fabrikat einer Werkstatt aus Sirmium betrachten kann. 166

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