Gaál Attila (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 19. (Szekszárd, 1996)
Gabler Dénes–Horváth Friderika: A szakályi terra sigillaták és helyük a bennszülött telep kerámiaspektrumában
Das Keramikmaterial der Grube zeigt von den übrigen Objekten in Szakály abweichende Eigenheiten, da diese Grube mit den aus den verschiedenen Objekten der Siedlung stammenden Abfällen verfüllt wurde. Nicht zufällig ist hier der Anteil der Importware relativ hoch; anderswo beträgt der Durchschnitt 1,4%, doch in zahlreichen Objekten fand man überhaupt keine importierte Keramik. Das Spektrum der Funde läßt sich gut mit dem ähnlichen, wenngleich um rund ein Jahrhundert früheren Schuttmaterial von Carnuntum (Pingitzer Baugrube) vergleichen, wo man die Abfälle aus dem Holz-Erde-Lager der Legion deponiert hatte. Der Vergleich macht nicht nur den Größenunterschied der Fundkomplexe deutlich, sondern auch die Abweichungen im Spektrum; die besseren Versorgungs- und Nachschubmöglichkeiten der Legion, die abweichenden Eßsitten der meist italischen Legionäre sowie die bescheideneren materiellen Verhältnisse der Ureinwohner der einheimischen Siedlung und ihre von der italischen abweichende Eßkultur. Nicht nur der Importanteil beträgt in Szakály weniger als 1/15 des Carnuntumer Materials, sondern auch bei der Zusammensetzung der Importe sind wesentliche Unterschiede zu beobachten. In Szakály kamen weder Amphoren noch importierte pompejanisch rote Platten zum Vorschein, und gering ist auch die Zahl der Sigillataimitationen, was sich vermutlich mit der abweichenden Eßkultur der Urbevölkerung erklären läßt. Allerdings finden sich bei den Imitationen auch solche Formen, die andernorts nicht unter den Imitationen auftauchen, daß es damals schon einfacher war, die Sigillaten selbst einzuführen, als ihre Imitationen herzustellen (Typ Lud Tb; Abb. 11,5). Aus dem Mangel an Amphoren kann auf das Fehlen von importiertem Wein, Garum und Öl gefolgert werden; letzteres begründet auch, weshalb in der ganzen Siedlung kein Öllämpchen zu finden war. Das Verhältnis von Töpfen und Schüsseln innerhalb der tongrundigen Keramik stimmt im großen und ganzen überein, wesentlich geringer ist in Szakály aber der Anteil an Krügen. (Im lokalen La Tène D-Keramikmaterial ist keine Krugform vertreten, und so verwundert es nicht, daß die weiterlebende keltische Urbevölkerung diese Keramikform auch später nicht beanspruchte.) Lediglich drei Reibschüsselfragmente (eines davon mit Stempel) sind in Szakály zu finden (Abb. 14, 6) wiederum ein Beweis für die unterschiedlichen Eßgewohnheiten. Offensichtlich gelangten jene Gewürzarten, die man u.a. in diesen Mortarien zerrieb, nicht zu der Eingeborenensiedlung im Kapos-Tal. Die Zahl bzw. der Anteil an Kochgeschirr, Töpfen, stimmen - gemäß ihrer Funktion - in den Abfallgruben von Carnuntum bzw. Szakály überein. Das Verhältnis der auf La Tène D-Tradition zurückführbaren, grauen pannonischen Glanztonware ist in der Siedlung von Szakály wesentlich höher als in Carnuntum. Der zweifache Anteil einer solch traditionsreichen Keramik überrascht in einer weiterlebenden keltischen Siedlung nicht, ungeachtet dessen, daß Szakály relativ fern von den Produktionsstätten lag. Bei der eonheimischen Siedlung darf es als natürlich gelten, daß die La Tène D (Abb. 17. 9-16) bzw. handgeformte Keramik in dreifach größerer Zahl als in der Grube von Carnuntum vorkommt. Obwohl letztere zu Beginn des 2. Jh., die Grube von Szakály hingegen erstmals in der Mitte des 2. Jh. und dann in der ersten Hälfte des 3. Jh. verfüllt wurden, also zu einer Zeit, als man Keramik des Typs La Tène D kaum noch produzierte (im Falle der Anfang des 2. Jh. zugeschütteten Gruben dürfte der Unterschied noch beträchtlicher sein). Wie der Fundkomplex aus Grube XLIII der Eingeborenensiedlung Szakály zeigt, blieb die handgeformte, die auf langsam rotierender Scheibe gefertigte sowie die muschelgemagerte Drehscheibenkeramik bis hin zur Wende des 2./3. Jh. in Gebrauch (Abb. 18-19). Dabei hat die handgeformte römerzeitliche Keramik in ihren technischen Eigenheiten die Merkmale der prähistorischen Gefäße bewahrt: Sie wurden stark gemagert (Quarz-Glimmer-Kiesel-Kalkeinschlüsse-Alkalifeldspat), die reiche Farbspektrum ihrer Oberfläche läßt darauf schließen, daß ihr Ausbrennen nicht in sachgemäß gebauten Brennöfen erfolgte. Ihrer Funktion entsprechend kann man unter ihnen Tasse/Schälchen, Teller Deckel und Topf absondern. Das ärmliche Formspektrum der zum Vorschein gelangten Stücke ermöglicht innerhalb der Funktionsgruppen keine typologische Gliederung. An vier Fragmenten befindet sich Verzierung, bei drei Stücken handelt es sich um ein plastisches Motiv (das an die dakische Keramik erinnert) (Abb. 18. 9) und in einem Fall um eine mit Holz eingeritzte Linie (Abb. 18. 12). Die mit dem Finger eingedrückten Rillen an der auf langsam rotierender Scheibe gefertigten Keramik (Abb. 19. 1) deuten auf die Anwendung der langsamen Drehscheibentechnologie. Ihr Material ist körnig, ihre Oberfläche infolge des unsachgemäßen Ausbrennens und Sekundärbrandes häufig gefleckt. In unserem Material kommen Koch- und Vorratsgefäße bzw. Deckel vor. Die muschelgemagerten größeren Töpfe (Abb. 19. 3-4) verdienen wegen ihrer spezifischen Merkmale besondere Erwähnung: ihr Hals ist gewölbt ausbiegend, schräg oder gerade abgeschnitten, ihr niedriges Halsteil konisch, an der Schulter mit scharfem Bruch und stark ausbauchend, ihre Oberfläche ist häufig mit rotem Lehmbeschichtet. Die beträchtliche Anzahl der handgeformten bzw. auf langsam rotierender Scheibe gefertigten Gefäßtypen beweist, daß es sich bei dieser Keramik nicht nur um die Evidenz des Weiterlebens des retardierenden Töpferhandwerks der Eingeborenen oder um ein Element des pannonischen Töpferhandserkes handelt, das eventuell mit den barbarischen Einwanderern des 4. Jh. in Zusammenhang gebracht werden kann, sondern auch, daß diese Keramik während der gesamten römischen Zeit produziert wurde und in Gebrauch war. Demgemäß verfügt diese Keramik auch weder in der frühen, noch in der späten Kaiserzeit über einen ethnischen Inhalt, selbst dann nicht, wenn sich einzelne Formen gut mit dem einen oder anderen Typ des eisenzeitlichen Töpferhandwerks vergleichen lassen. D.Gabler-Fr. Horváth 167