Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Helena Zoll-Adamikowa: Slawisch-awarische Grenzzone im Lichte der Grabfunde
Brandbestattung von Anfang an die heimische und einzig praktizierte Beisetzungsart gewesen seien (ZOLL-ADAMIKOWA 1979b; 1988). Schon in der frühslawischen Periode herrschte eine Vielfalt der Brandbestattungen: in flachen Urnen-bzw. Grubengräbern, in verschiedenen Teilen der Hügelgräber bis zu einer näher nicht erkannten, vermutlich oberirdischen Begräbnisweise, deren Spuren sich mit Hilfe der bisherigen Grabungsmethoden nicht entdecken lassen. Die einzelnen Körpergräber, die in der Grenzzone zu den Steppengebieten, bzw. in der Balkanhalbinsel entdeckt worden sind, können jeweils entweder mit dem Einfluß oder mit der biologischen Anwesenheit nichtslawischer Ethnika erklärt werden. Deswegen scheint die manchmal geäußerte Meinung, daß den Slawen zu Beginn des Frühmittelalters sowohl die Kremation als auch die Inhumation eigen gewesen wäre (z.B. CILINSKÁ 1983, 237-238), unbegründet. Zwischen dem 8. und dem 12. Jh. wurde jedoch im ganzen Slawentum die Leichenverbrennung durch die Körperbestattung allmählich ersetzt. Der Rituswechsel - vielleicht mit Ausnahme von einigen ostseeslawischen Stämmen (ZOLLADAMIKOWA 1988) - war nicht die Folge innerer Umwandlungen in der Glaubenssphäre, sondern ein Ergebnis des Einflusses fremder ideologischer Impulse. In den meisten Fällen war es eine direkte oder indirekte Einwirkung der christlichen Eschatologie, selten jedoch die Glaubensvorstellungen anderer Völker: Skandinavier, Protobulgaren und Awaren. Diese letztgenannte Quelle der Inhumation wirkte in verschiedener Weise, je nach den zeitlichen und räumlichen Bedingungen (ausführlich darüber ZOLL-ADANIKOWA 1979a; 1979b, 219-234; 1988, 188-195). Besonders interessant sind die Gräberfelder der Zone G (mit Brand-, birituellen und Körperbestattungen), die vom Ende des 8. Jhs. an im südlichen Ostseegebiet (Typ Menzlin-Swielubie) und im ostslawischen Raum (Typ Staraja LadogaGnezdovo-Sestovica) vorkommen. Sie dürfen den Bewohnern von internationalen Hafen- und Handelszentren, oder den in Osteuropa ansässigen Skandinaviern zugeschrieben werden. Man kann nicht ausschließen, daß hier unter den nach dem Körperritus Bestatteten auch einige Slawen liegen, jedoch hat die Masse der in der Nachbarschaft dieser Nekropolen lebenden Bevölkerung, die Inhumation nicht übernommen. Etwas anders entwickelte sich die Bestattungsweise im östlichen Teil der Balkanhalbinsel, in der Kontaktzone mit den Protobulgaren. Die hier aus Osteuropa zugewanderten Stämme wandten am Anfang entweder die nicht näher erkannte oberirdische Brandbestattung, oder eine Art von seichten, schwer merkbaren Brandgrubengäbern des Tajmanovo-Typs an; die hier sporadisch registrierten Nekropolen mit Urnen- und Grubenbrandgräbern (wie Sarata Monteoru bzw. Popina-Garvan), scheinen eine Ausnahme zu bilden. Nach dem Asparuchs Einfall kommen plötzlich die Begräbnisplätze zum Vorschein: einerseits die des Typs Novi Pazar-Devnja (Zone E 2 ) mit Überzahl der Körpergräber und mit gewissen protobulgarischen Bestattungssitten, andererseits die des Typs Castelu-Razdelna (Zone EJ, wo die Brandurnengräber vorherrschen. Der Biritualismus (d.h. das Verbrennen von einem Teil der Toten neben der dominierenden Inhumation) dauerte tatsächlich bis zur Annahme des Christentums, bis zum 9. Jh., manchmal sogar länger (Blaskovo). Die Begräbnisbräuche im westlichen Teil des Balkan waren am Anfang des Frühmittelalters vermutlich denen, in östlichen Gebieten dieses Raumes ähnlich; das Fehlen von Nekropolen scheint dies jedenfalls zu bezeugen (die Bestat98