Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Helena Zoll-Adamikowa: Slawisch-awarische Grenzzone im Lichte der Grabfunde
tungen vom Kasic-Typ gehören zu den seltenen Ausnahmen). Erst am Ende des 8. Jhs., infolge der politischen und religiösen Einwirkung des Karolingerreiches, entstehen hier zahlreiche Körpergräberfelder des dalmatisch-kroatischen und des karantanischen Typs. Die Annahme der Körperbestattung vollzog sich auf eine ähnliche Weise, wiewohl allmählich, auch unter den östlich des Limes ansässigen südpolabischen Stämmen (8.-10. Jh.). Wenn man jetzt wieder auf die Mitteldonauslawen zurückkommt und deren behaupteten Rituswechsel unter dem Einfluß der awarischen Eschatologie in Erwägung ziehen will, dann ist es - meines Erachtens - die kartographische Darstellung der verschiedenen Ritustypen, die in der südlichen Slowakei zwischen der 2. Hälfte des 7. und dem 1. Drittel des 9. Jhs. vorkommen, die die wichtigsten Aufschlüsse über diesen Prozeß geben. Leider kann man wegen des Mangels an präzisen datierbaren Funden in den Brandgräbern keine einzelnen Karten für den mittelawarischen, den spätawarischen und den s.g. Blatnica-Mikulcice Horizont gesondert verfertigen. Die auf der beigegebenen Karte zusammengestellten Gräberfelder bilden deswegen ein chronologisches „Agglomérat", eine Anhäufung von Erscheinungen die im Laufe von ca 200 Jahren vorkommen. Trotzdem können gewisse Regeln beobachtet werden. Im Norden treten ausschließlich Brandgräber auf; erst seit der Wende des 8. zum 9. Jh. steigt allmählich die Zahl der Körperbestattungen (z.B. Nr. 32,3435). Im Süden, im Tiefland, kommen dagegen die Körpergräberfelder mit typisch awarischem Fundgut vor, die den nördlichen Ausläufer einer geschlossenen Kultur- und Sepulkralzone bilden. Diese Nekropolen reichen in mittelawarischer Periode nur bis zur Donau-Eipel Linie heran. Im 8. Jh. sind sie nach Norden verbreitet und finden sich entlang der Linie Devínska Nova Ves-Bernolákovo-CatajDolne Krskany-Hul-KuraPany - bis zur Eipel und der Kosicer Gegend (Zábojník) 1988). Am nördlichen Rande dieses Bereiches mit Körpergräbern, in der Grenzzone zu den Gebieten mit Brandbestattungen, tauchen einzelne birituelle Gräberfelder auf (Nr. 23-29, 39-40, 42-44). Sie wurden als Teil der Zone D bezeichnet (ZOLL-ADAMIKOWA 1979a; 1979b). Auf den birituellen Grabstätten der Zone D überwiegen entschieden die tief beigesetzten Körperbestattungen gegenüber den viel seichter eingetieften Brandbestattungen; auf größeren Begräbnisplätzen (wie Nr. 23,27,42,44) bilden die Brandgräber nicht mehr als 1-10% der Gesamtzahl, auf kleineren - kann der Prozentsatz etwas höher sein. Unter den Brandbestattungen treten fast ausschließlich Urnengräber auf; im Gegensatz zu den Körperbestattungen sind sie ärmlich ausgestattet oder vollkommen beigabenlos. Faßt man die sich aus der Karte ergebenden Schlüsse zusammen, kann man Folgendes feststellen. Für die hier behandelte Frage sind drei Elemente wesentlich: 1° - das Vorhandensein von Biritualismus überhaupt, 2° - die Lage der birituellen Grabstätten, die nicht geschlossen auftreten, sondern spärlich verteilt sich reihenweise entlang einer gewissen Linie befinden, 3° - die Übereinstimmung des Verbreitungsgebietes der birituellen Gräberfelder mit der Grenze zwischen den beiden Ritusprovinzen, nämlich zwischen dem südlichen Rande des Brandgräbergebietes und dem nördlichen Rande der awarischen Körpergräberzone. Diese drei Elemente und die früher besprochene Einstellung der Slawen in den Zonen G und E, die die von den Nachbarn geübte Körperbestattung nicht akzeptierten, ermöglichen nur eine einzige Schlußforgerung: die Reihe der 99