Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit

beschläge mit ihren Durchbruchmustern (vgl. Abb. 3) wie auch die ähnlichen, aber aus Blech gearbeiteten Riemenzungen der Garnituren vom Typ Sadovec­Arcisa (Abb. 2) zurechne 22 , und andererseits solche der aus Alattyán gut bekann­ten späten Formengruppen 5 und 6 (Abb. 12). Die vorhandenen Formengruppen 2-4 zeigt Abb. 9 rechts. Die miteinander eng verwandten Formen 2a und 2b sind, zumal sie meistens nur fragmentarisch erhalten blieben, kaum voneinander zu trennen. Beiden ist typisch, daß an ihren Gürteln noch keine richtigen Beschlagstücke angebracht waren, sondern einzeln oder in Zweier- und Dreier­gruppen (vgl. SALAMON u. ERDÉLYI 1971, Taf. 3,23) angeordnete runde Knöpfe mit Nietstift, die jeweils die Nebenriemenzungen auf dem Gurt verniete­ten. Stets vorhanden waren hingegen blecherne Riemenzungen, und zwar eine etwa 5-8 cm lange Hauptriemenzunge, sowie meist 4-7 kleinere Nebenriemen: Unter Form 2a wurden Gürtel mit durchweg unverzierten Riemenzungen ver­einigt; bei Form 2b sind entweder Nebenriemenzungen oder dann die Hauptrie­menzunge in Preßblechtechnik flächig verziert. Selbst im gut ausgestatteten früh­awarischen Reitergrab von Szegvár-Sápoldal, in dem als Obolus die Nachprägung eines Solidus des Mauricius Tiberius (582-602) gefunden wurde, war der Gürtel nur mit einer Hauptriemenzunge (Länge 11,8 cm) und sechs Nebenriemenzungen (Länge 5,2 cm) geschmückt, die aus glattem, unverziertem Silberblech bestanden (BONA 1979,8 und Abb. 2,15.18). Der frühawarische Gürtel kannte offensichtlich von den genannten Knöpfen und fremden Garnituren abgesehen, noch keine ech­ten Gürtelbeschläge. Es macht den Anschein, als ob diese Zierknöpfe allmählich größer wurden oder mitunter zu Paaren in der Art eines Beschlags zusammenge­faßt wurden, wofür man die Gürtelteile der einander nahestehenden Schwertgrä­ber von Kiszombor O Grab 2 (mit Solidus des Phokas, 602-610) und Deszk G Grab 8 als Belege anfuhren könnte (CSALLÁNY1939, Taf. 4,8-16.22.23.26.27). Treten in einem gut bis sehr gut ausgestatteten frühawarischen Männergrab ein­mal komplette, mit Riemenzungen und Gürtelbeschlägen versehene Gürtel auf, so handelt es sich entweder um importierte „byzantinische" Garnituren wie z. B. in dem reichen Grabfund von Kunágota (HAMPEL 1905, Taf. 261,2-8. BONA 1982/83,88ff. und Abb. 2,16-31) oder dann - bezeichnenderweise - um sekundär zusammengestellte „Garnituren", an denen Riemenzungen und Gürtelbesatz nicht von der gleichen Hand stammen bzw. nicht im gleichen Stil verziert sind, so etwa in Kiskörös Grab 9 (s. o.), im frühen W-O-Grab 175 von Alattyán (KOVRIG 1963,105f.undTaf. 14,52-65; 46,17-29) oder im Männergrab 16vonKeszthely-Fe­nékpuszta (BARKÓCZI1968,283f. und Taf. 65,1-7); im unmittelbar danebenliegen­den Knabengrab 15 fand sich ein Gürtel vom Typ Aradac (vgl. Abb. 4), eine der älte­sten einheitlich gestalteten Garnituren, die bei den Awaren üblich waren (s. o.). Erst mit unseren Formengruppen 3 und 4 tauchen in Környe, aber auch anderswo awarische Gürtelgarnituren auf, die nunmehr jeweils eine Reihe von Gürtelbeschlägen aufweisen: Hierhin zählen, als Form 3, die in Preßblechtechnik hergestellten Garnituren mit wappenfbrmigen (z. B. Környe Grab 78: SALAMON u. ERDÉLYI 1971, Taf. 12,4.6 =5 Exemplare) oder runden Gürtelbeschlägen (z. B. Alattyán Gräber 40, 112, 137 usw.: KOVRIG 1963, Taf. 2,51-54; 10,26-29; 11,42-45), die I. KOVRIG 1963, 124f. 226ff. als typische Vertreter ihrer zweiten (mittelawarischen) Fundgruppe erweisen konnte, mit deren Beginn „bereits um die Mitte des 7. Jahrhunderts" (ebd. 231) gerechnet werden könne. Den auffällig­sten Bestandteil dieser sehr fragilen, in ihrer Lage im Grab lange Zeit unzurei­71

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