Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit

chend beobachteten Preßblechgarnituren bildet eine dreiteilige, vertikal den Gür­tel in Rückenmitte zierende Beschlaggruppe (SALAMON u. ERDÉLYI 1971, Abb. 3,13-15; KOVRIG 1963, Taf. 10,31; 18,64-66; 30-56-58; 38,33-35), die außer in Környe und Alattyán auch andernorts, z. B. in Sommerein (DAIM u. LIPPERT 1984, Abb. 7) nachgewiesen ist. Einer Formengruppe 4 teilen wir in Környe Gürtelgarnituren mit am Gürtel selbst angebrachten Beschlägen in Form der sog. Pseudoschnalle zu 23 . Bei dieser Gürtelform, die wir in weit kostbarerer Ausführung beispielsweise aus den fürst­lich ausgestatteten Männergräbern von Bocsa (LÁSZLÓ 1955, 220ÍF. und Taf. 35,1-18; 36,1-18), Kunbábony (TÓTH 1986; KÜRTI u. MENGHIN 1986,52 Nr. 11 und Abb. 43-45), aber auch aus dem Fürstengrab von Malája Perescepina (WER­NER 1984, 26 und Taf. 10,29) am Nordrand der ukrainischen Steppenzone ken­nen, ist folgende Besonderheit hervorzuheben: Nach Aussage der jeweils geborgenen Gürtelteile besitzen diese prunkvollen Gürtel, die Vorbilder und qua­litätvollsten Vertreter unserer Form 4, primär folgende drei (metallene) Elemente: 1. relativ kleine, halbrunde oder ovale Gürtelbeschläge, 2. identische oder ähn­liche Gürtelbeschläge, an die nach unten ein (funktionsloser) Pseudoschnallenbü­gel anschloss, 3. eine einzige große Riemenzunge von bis zu 11,6 cm Länge (Malája Perescepina), die funktionell der Hauptriemenzunge anderer Garnituren entspricht. Nicht oder nur vereinzelt 24 vorhanden sind hingegen Nebenriemen­zungen. Anscheinend verlangten statt der Enden der Nebenriemen in erster Linie deren Ansatz- bzw. Verbindungsstellen zum Gürtel nach einer metallenen Zier, eben den scheinbar die Nebenriemen befestigenden Pseudoschnallen. Mit den beiden Gürtelformengruppen 3 und 4 wird in Környe die klassische, komplette Form des vielteiligen Gürtels, für die technisch und stilistisch zusam­menpassende Beschläge und Riemenzungen - nebst weiterem Zubehör (Riemen­schlaufe usw.) - kennzeichnend sind, nur annähernd erreicht. Dieser Definition entsprechen erst Gürtelgarnituren der Formengruppe 5, die nicht in Környe, aber unter anderem in größerer Zahl in Alattyán auftreten und dort laut ihrer Verbrei­tung im Friedhof jünger sind als Gürtel der Formengruppe 3 (Abb. 11.12). Es sind dies gepresste Garnituren mit einem Satz meist rechteckiger Gürtelbeschläge, die jeweils wie die zugehörigen Riemenzungen entweder unverziert, glatt oder dann wie diese in gleicher Art und Weise mit Flechtbanddekor, Kettenzier (Typ Igar) oder Feldermuster verziert sind; auch Steineinlagen kommen auf glatten oder gemusterten Gürtelbeschlägen und Riemenzungen vor. Diese Gürtel repräsentie­ren einen jüngeren Abschnitt der mittelawarischen Periode (MA II). Da in Környe nicht nur die spätawarischen Gürtel, die gegossenen Garnitu­ren mit Ranken- und Greifendekor (Formengruppe 6), sondern bereits die der vorangehenden Formengruppe 5 der jüngeren Mittelawarenzeit fehlen, endet die Belegung des Friedhofs, dessen Grenzen zumindest im Süden erreicht wurden, noch vor Ende der Mittelawarischen Epoche. Die vermutlich späteste Gürtelgar­nitur fand sich in Grab 140 unmittelbar am Südrand der Nekropole: Beschläge und Riemenzungen sind mit antithetischen Vogelpaaren ganzflächig in Preßblech­technik geschmückt. Mit ähnlich verzierten Gürteln, an denen sich nebst Vogel­paaren Vierfüßler und vegetabile Muster finden (LÁSZLÓ 1935, Taf. Iff.), gehört der des Grabes 140 zur Gruppe der byzantinischen oder eng nach byzantinischen Vorbildern gestalteten Preßblechgarnituren, die als komplette homogene Gürtel mit identisch verzierten Beschlägen und Riemenzungen außer in Italien auch bei 72

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