Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit
ona - Via Monte Suello Grab 4 (von HESSEN 1968, 24ff. und Taf. 6-11. WERNER 1974,121 und Abb. 9) in Form und Dekor sehr nahe, weshalb ich sie um 600 datieren möchte. In sog. Punkt-Komma-Ornamentik verzierte Gürtelgarnituren müssen jünger sein, wie etwa die goldenen Gürtelbeschläge aus dem münzführenden Grab 1 von Trezzo sull'Adda (mit terminus post quem 607) (ROFFIA u. a. 1986,17ff. und Abb. 2.3; Taf. 4) und aus dem um 630 vergrabenen Schatzfund von Mersin (WERNER 1974,123f. und Taf. 7,7; 8) in Kilikien zeigen. An sie läßt sich eine durch ihr Dekor klar faßbare Gruppe silberner vielteiliger Gürtelgarnituren - hier Typ Aradac genannt (Abb. 4) 8 - anschließen, die wie ihre kostbareren Vorbilder aus Gold durch mehrere typologisch weiterentwickelte Elemente sich vom Typus SadovecArcisa abhebt: Gürtelbeschläge und Riemenzungen sind nun einheitlich in Herstellungstechnik und Zierdekor. Die bei beiden angewandte Preßblechtechnik beschränkt sich nicht mehr auf schmale punkt- und kommaförmige Erpressungen, sondern erfaßt mit dem Motiv der drei „Kugeln" gewissermaßen die ganze Fläche, ist jedoch noch nicht als flächig zu bezeichnen. Erstmals finden sich nun zweigeteilte Vertikalbeschläge (Abb. 4,3.4), wie sie für die Masse der vielteiligen Gürtel südlich wie auch nördlich der Alpen typisch werden. Ihrem typologischen Entwicklungsstand und ihrer Verwandtschaft zu Gürteln wie aus Trezzo sull'Adda Grab 1 (s. o.) entsprechend werden Gürtel vom Typ Aradac, deren Belege sich auf den südlichen und südöstlichen Donauraum konzentrieren 9 , am ehesten dem 1. Drittel des 7. Jahrhunderts angehören. Es mußte hier ausführlicher auf diese frühen vielteiligen Gürtelgarnituren eingegangen werden, da von ihrer Datierung auch der Beginn der durch derartige Gürtel definierten Schicht 3 nördlich der Alpen abhängt und damit auch, wie bereits gesagt, das Ende der vorangehenden Schicht 2. Dabei ist nun auch das neu gefundene Grab 5 von Trezzo sull'Adda zu berücksichtigen, in dem ein Sporenpaar mitsamt zugehörigen Besatzstücken mit eintauschiertem Spiralmuster und Tierstil II-Dekor verziert ist (ROFFIA u. a. 1986,94ff. und Abb. 71.72; Taf. 45.46), also mit denjenigen Tauschierungsarten, die für die ältesten vielteiligen Gürtel Süddeutschlands typisch sind (CHRISTLEIN 1966,52f). Das besagte Grab 5 enthielt als Obolus einen Solidus des Heraclius und Heraclius Constantinus (613-631), der aus einem bereits ausgiebig benutzten Stempel („conio molto travagliato") stammen soll (ROFFIA u. a. 1986,97f). Aufgrund einer Reihe goldener Münzfingerringe, d. h. der Prägedaten der sie schmückenden byzantinischen Münzen, die zusammen mit vielteiligen Gürteln (aber auch in zeitgleichen weiblichen Grabinventaren) vorkommen, hatte R. Christlein 1966,84f. als Zeitraum für Schicht 3 und damit die vielteilige Gürtelmode nördlich der Alpen das mittlere Drittel des 7. Jahrhunderts vorgeschlagen. Auch heute, angesichts der neuen Münzdatierung in Grab 5 von Trezzo sull'Adda, wird man den Beginn der Schicht 3 kaum viel früher ansetzen können, da auch den nicht mehr engzellig tauschierten, sondern laut Beschlagformen und Tauschiermustern in der Masse jüngeren dreiteiligen Gürteln der späteren Schicht 2 eine gewisse Zeitdauer von 1-2 (?) Jahrzehnten zugebilligt werden muß. Vordringlich wäre zu untersuchen, ob der vielteilige Gürtel nördlich der Alpen die dreiteilige Garnitur schlagartig abgelöst hat. Trotz der von Grund auf verschiedenen formalen Gestalt lassen sich die beiden Gruppen von Gürteln anhand der identischen Entwicklung ihrer Tauschiermuster in eine gemeinsame 67