Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit

stilistische Reihe stellen, die der tatsächlichen zeitlichen Abfolge weitgehend ent­sprechen dürfte. Dies illustrieren beispielsweise die Männergürtel der Reihengrä­berfelder von Bülach in der Ostschweiz und Marktoberdorf im Allgäu (Abb. 5): Während in Bülach wie westlich des Rheins der vielteilige Gürtel nicht üblich wird und die dreiteiligen Gürtel der Schicht 2 - sowie die bronzenen Garnituren der Form S. Maria di Zevio (s. o.) in Italien - sich zu schmalen, mehrteiligen Garnitu­ren (ohne Rückenbeschlag!) weiterentwickeln, wird dieser Prozeß in Marktober­dorf und an anderen süddeutschen Plätzen, noch bevor dort späteste Formen des dreiteiligen Gürtels aufkommen, unterbrochen und beginnt der Siegeszug der vielteiligen Garnitur, die nun bis um 680 in Süddeutschland und Oberösterreich dominiert, so auch im Gräberfeld von Linz-Zizlau, dem wir uns jetzt zuwenden wollen. MÄNNERGÜRTEL UND AWARISCHE OBJEKTE IN LINZ-ZIZLAU Vom Friedfhof Linz-Zizlau I, der leider nicht vollständig untersucht werden konnte, sind etwa 150 Gräber bekannt. Wir beschränken uns im folgenden ganz auf die männlichen Grabinventare, die in ihrer Zeitstellung überregional und sogar mit entsprechenden Inventaren auf awarischem Gebiet verglichen werden können. Nach Ausweis einiger weniger Belege setzt der Friedhof, jedenfalls in seinen freigelegten Arealen, im Laufe der Schicht 2 ein, wie die zu dreiteiligen Garnituren gehörenden Gürtelteile der Männergräber 61, 67 und 96, eventuell auch 75 im Nordteil zeigen, wo bereits H. LADENBAUER-OREL 1960, 74f. 81ff. aufgrund des dort konzentrierten handgemachten Tongeschirrs das älteste Belegungsareal vermutete. Rings um diese lockere Kernzone legen sich Männergräber mit vieltei­ligen Gürtelgarnituren, zum einen mit Spiral- oder Tierstil II-Tauschierung, zum anderen mit anderer oder unbestimmter bzw. ohne Tauschierung (Abb. 6) 10 . Wie eine zweite Karte (Abb. 7) 11 zeigt, sind Pfeilspitzen mit rhombischem Blatt auf das genannte Kernareal der Schicht 2 beschränkt und verdichten es, wogegen Pfeil­spitzen mit Widerhaken wiederum ringsum streuen und durchweg mit Gürteln der Schicht 3 vergesellschaftet sind. Wie sind nun die Objekte „awarischen Charakters" im Gräberfeld verteilt? Es handelt sich dabei, wenn wir von bronzenen Schnallen byzantinischen Typs absehen, um 1. dreikantige Pfeilspitzen (Gräber 74, 95, 97, 110), 2. eine figürlich verzierte Riemenzunge aus Silber (Grab 7), 3. Trense und Steigbügel (Männer­grab 36 und zugehöriges Pferdegrab 40) sowie 4. einen Köcher mit Rosetten­schmuck (Grab 74, mit u. a. einer querschneidigen und elf dreikantigen Pfeilspit­zen). Diese Avarica sind, wie aus Abb. 7 (Pfeile) und der Tabelle der kombinato­risch auswertbaren männlichen Grabinventare Abb. 8 12 hervorgeht, gänzlich auf Schicht 3 konzentriert, und zwar auf deren älteren Abschnitt, für den frühe vieltei­lige Gürtel (mit Spiralmuster bzw. Tierstil II-Dekor) charakteristisch sind 13 . Daß der Friedhof noch bis ans Ende der Schicht 3 und auch in Schicht 4 (ab 670/80) 14 weiter belegt wurde, verraten die jüngeren tauschierten vielteiligen Gür­tel der Gräber 82 und 94 (LADENBAUER-OREL 1960 Taf. 35 oben; 39 oben rechts) sowie die in Abb. 8 vermerkten Gräber mit Langsax. Nach der jetzigen, nur geringfügig noch verschiebbaren Chronologie der jün­geren Merowingerzeit beschränkt sich der Zustrom awarischer Objekte deutlich 68

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