Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Kulturbeziehungen der Awaren - Manfred Menke: Zu den Fibeln der Awarenzeit aus Keszthely

wie beispielsweise die Fibeln aus Szentes-Nagyhegy zeigen, obschon Dezsö Csal­lány aufgrund der Bestattungssitten an sich Verbindungen mit dem krimgotischen Siedelgebiet aufzeigen kann (1961,328). Das zugehörige Paar silberner Kugelohr­ringe mag vielleicht bereits die frühawarische Zeit anzeigen; die Perlen wird man dagegen nicht als typisch awarisch betrachten dürfen und ebenso wenig den schei­bengedrehten Henkeltopf aus dem Szatymaz-Grab (CSALLÁNY 1961 Taf. 232, 11). Aber auch dann, wenn die Bestattung tatsächlich erst in frühawarischer Zeit erfolgt sein sollte, wird man die Entstehungszeit des Fibelpaares, dem Lebensalter der Frau entsprechend, früher anzusetzen haben. Das muß dann auch für die Dobogó-Fibel gelten, deren Entstehungszeit auch auf andere Weise für die vor­awarische Periode am Balaton zu veranschlagen ist. Die Frau aus Szatymaz­Fehértó Grab 375 weist nur eine Silberfibel an der linken Schulter auf; der Fibel­fuß endet anthropomorph (CSALLÁNY 1961 Taf. 210, 18; 259,3). Auch dieses Grab ist bemerkenswert reichhaltig ausgestattet, so u. a. mit silbernem Ohrring­paar, je einem eisernen Armreif rechts und links sowie einem aus Silber und Gold zusammengesetzten Schmuckring an der rechten Hand. So wenig wie die Frauengräber im krimgotischen Siedelgebiet Slawinnen widerspiegeln, so wenig kann diese Annahme für die hier behandelten Bestattun­gen an der Theiß oder im vormaligen Pannonién gelten. Werners Fundortkarten von 1950 suggerieren aber eine solche Annahme, auch für die Fundorte im Westen (1950,156. 163). Die methodische Kritik an diesem Vorgehen ist inzwi­schen von dér ungarischen Forschung klar formuliert (BÁLINT 1982.134f). Für das Fibelfragment aus Keszthely-Dobogó, von dem ich ausging, ergibt sich die angenäherte Datierung in die Mitte des 6. Jahrhunderts. Unentschieden bleibt, ob diese frühe Chronologie auch für andere, bislang als slawisch bezeichnete Fibeln gelten kann. Gewiß handelt es sich bei den ungarischen Fundstücken nicht um slawisches Formengut, aber wohl auch nicht um langobardische Altertümer. Sofern hinreichende Befunde bekannt sind, stammen die ungarischen Fibeln stets aus frühawarischen Gräberfeldern (BONA; zitiert bei BÁLINT 1982, 135). In engem Zusammenhang mit dieser Frage steht auch jener Fundbestand aus der Umgebung von Keszthely, den 1951 Nándor Fettich zusammenstellt (FET­TICH 1951, Taf. 31). Das gemeinsame Kennzeichen ist die eingepunzte Würfelau­genzier. Die kleinere der Bügelfibeln wird zwar von Werner den Derivaten seiner Maskenfußfibeln zugewiesen, hat aber mit denen aus Kellaren (Ostpreußen), Pastyrskoje (Dnjepr-Gebiet) oder Novi Banovci (Kroatien) kaum etwas gemein (WERNER 1950, Taf. 30,44-47). Daß man mit Fettich zu Recht verschiedenarti­ges, doch in gleicher Technik verziertes Formengut ein und derselben Region als chronologisch einheitlich ansehen kann, wird beispielsweise mit Zizlau Grab 106 belegt (LADENBAUER-OREL 1960 Taf. 27); die Bronzescheibe nebst Ring des Zizlauer Grabes, die Riemenzungen und der Beschlag sind in gleicher Weise mit Würfelaugen bedeckt wie die Bronzen aus der Umgebung von Keszthely. Die Ver­zierungsart an sich spiegelt demnach offenbar auch einen Zeitstil wider und nicht etwa nur die einfachste Weise, Bronzen mit Ornamenten zu versehen. Natürlich wird man zu überlegen haben, in welcher Weise das merkwürdige Doppeltier aus Fenékpuszta mit dem in Cloisonné-Technik aus den Kertscher Katakombengrä­bern zusammenhängt (Abb. 12). Am wenigsten möchte man dabei an Zufallskon­vergenzen denken; zumindest wird man gleichen Symbolgehalt annehmen müs­sen. 192

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