Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Kulturbeziehungen der Awaren - Manfred Menke: Zu den Fibeln der Awarenzeit aus Keszthely

Die vogelköpfige S-Fibel aus Fenékpuszta datiert Bona zwar in die Langobar­denzeit, spricht sie aber nicht-langobardisch an; man habe im Gebiet um Keszt­hely auch mit anderen Ethnica zu rechnen (1956,196; Taf, 1,11). Von italisch-lan­gobardischen Fibeln meint er, daß sie im frühen 7. Jahrhundert infolge der awari­schen Italienkriege nach Pannonién gelangt sein können (1956, 242). Für die S­Fibel aus Fenékpuszta jedoch und den übrigen kreisaugenverzierten Formenbe­stand wird man zunächst einmal davon ausgehen müssen daß er in der Balaton­Region selbst entsteht, und zwar in awarischer Zeit. Hinsichtlich der S-Fibel wird man zudem auf ihre Analogie aus Niedersach­sen verweisen (Abb. 13 B 1). Sie stammt zusammen mit einer späten Schilddorn­schnalle, einer Ringfibel, zwei Münzgewichten, Perlen u. a. m. aus dem Süd-Nord ausgerichteten Körpergrab 62 in Liebenau an der unteren Weser (Kr. Nienburg). Friedrich Naber datiert das Liebenauer Grab in die erste Hälfte des 7. Jahrhun­derts (1980,296). Weil es sich um dieselbe Zeit handelt, die auch für den Fibeltyp Keszthely-Bräuhausgarten und dessen niedersächsische Analogien (Abb. 3) in Anspruch genommen werden muß, wird man auch in diesem Fall an gewisse Zusammenhänge zu denken haben. Für Liebenau erscheint mir nicht unerheb­lich, daß wiederum alle drei Zierbronzen mit Kreisaugenmustern versehen sind (Abb. 13). Von den jeweiligen Tierköpfen abgesehen, fehlt auf den Metallfund­stücken aus entsprechenden Gräbern Tierstil II regelhaft. Gleiches trifft ja für die oben behandelten Bügelfibeln zu (Abb. 3). Der Typenunterschied zwischen den S-Fibeln aus Liebenau (Abb. 13 B 1) und Fenékpuszta ist zwar deutlich und kommt vor allem in dem spitzen Kinn der Liebenauer Vogelköpfe und dem Federschopf hinter dem Auge zum Ausdruck. Doch beides sind Merkmale, die in ähnlicher Form nicht nur an späten S-Fibeln Thüringens auftreten (SCHMIDT 1961, 132; Taf. 41 m, 83 A), sondern auch im Südosten (STARE 1980, Taf. 39,3). Die Vogelnadel aus der Umgebung von Keszt­hely (FETTICH 1951 Taf. 31,3) findet ihre Entsprechung vielleicht nicht zufällig wiederum in Thüringen (SCHMIDT 1961 Taf. 43 m). Offenbar entsteht Formengut der Art wie Abbildung 3 und 13 entweder an nichtgermanischen Werkplätzen oder an solchen germanischen, denen der späte Tierstil nicht geläufig ist. Gewiß wird man nicht an Slawen denken dürfen, ebenso wenig aber auch an Awaren. Aus der Sicht der Balaton-Region ließe sich vielleicht auf Romanen schließen. Doch entstehen auch die kreisaugenverzierten Bronzen aus dem Zizlauer Kindergrab (LADENBAUER-OREL 1960 Taf. 27) und aus dem Süd-Nord ausgerichteten Liebenau-Grab (Abb. 13) an romanischen Werkplät­zen? Der hier behandelte kleine Ausschnitt dieser eigenartigen Gruppe läßt keine verbindlichen Antworten zu. Sie bedingen viel umfassendere Untersuchungen, die den Alpenraum ebenso mit einzubeziehen haben wie die Gepidia. Letztendlich wird man stilkundliche Fragen dieser Art zum Metallguß früh­awarischer Zeitstellung, doch nicht-awarischer Formenwelt auch nur dann beant­worten können, wenn man die wichtige Gruppe der im Zahnschnitt-Stil verzierten Edelmetallfundstücke mitdiskutiert (FETTICH 1934). Denn zum einen sind diese Altertümer zeitstufenglich mit den oben behandelten Fibeln und kreisaugenver­zierten Bronzen. Zum anderen sind Zahnschnittfundstücke fast immer auch mit Tierstil II kombiniert, doch selten in klarer, skandinavischer Bildkonzeption. Zum dritten schließlich sind die Altertümer im Zahnschnitt-Stil vor allem im awarisch beherrschten Ungarn bis nach Siebenbürgen und noch darüber hinaus ver­13 193

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