Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Kulturbeziehungen der Awaren - Manfred Menke: Zu den Fibeln der Awarenzeit aus Keszthely
ist noch herauszuarbeiten, in wie weit sie einen enger begrenzten Zeitstil widerspiegelt und in welchen Gebieten diese Metallgüsse ohne Tierstil-II-Ornamentik entstehen, bzw. am frühesten erscheinen. Erst danach kann die Deutungsfrage zu dem ungewöhnlichen Verbreitungsbefund des Fibeltyps Keszthely-Bräuhausgarten mit Aussicht auf Erfolg beantwortet werden. Die formenkundlich verwandte, fränkische Fibelserie (KÜHN 1974, 12661272) weist stets Tierornamentik in unterschiedlicher Qualität auf. Demnach fuhrt kein direkter formenkundlicher Weg aus dem rheinfränkischen Gebiet zum Typ Keszthely-Bräuhausgarten, höchstens ein indirekter über andere Fibeltypen (z. B. KÜHN 1974 Taf. 141,438). Deshalb fällt schwer, etwa eine gemeinsame, fränkische Wurzel für die Serie Keszthely-Mahndorf-Klein Denkte zu ermitteln. Bei allen diesbezüglichen Überlegungen wird man zudem auch stets die Ausstrahlungskraft des awarenzeitlichen Kunstgewerbes Pannoniens in Rechnung stellen müssen, zugleich aber auch direkte Kontakte und unmittelbare Verkehrsbeziehungen. Vor welchem realen, geschichtlichen Hintergrund diese zu sehen sind, läßt sich nicht eindeutig bestimmen. In erster Linie wird man an Personenkontakte zu denken haben, dagegen kaum an Handelsverbindungen. Gewiß werden auch keine awarenzeitliche Pannonierinnen durch die Fibeln aus dem Mahndorfer Grab und aus der Klein Denkter Hütte widergespiegelt, sondern sicher Sächsinnen. Bei dem hier behandelten Verbreitungsbefund versagen offenbar die herkömmlichen Deutungsschemata. Das Fibelfragment aus Dobogó (Abb. 8,1) wird von Joachim Werner mit dem Fundstück aus Smjela (Bez. Kanew, Gouv. Kiew) zum Typ Smjela-Dobogó zusammengefaßt (WERNER 1950,154). Möglicherweise gehört diesem Typ auch das Fibelfragment aus dem Museum Temesvár an (Abb. 8,3). Die beiden Fundorte am Balaton und am Mitteldnjepr liegen rund 1000 km voneinander entfernt. Vergleicht man die Form Smjela-Dobogó mit dem übrigen, umfangreichen Bestand, den Werner als „slawische" Fibeln bezeichnet, läßt sich Typ Smjela-Dobogó nur sehr weit gefaßt zuordnen, sowohl zu Werners Gruppen A-E und G-L als auch zum Dnjepr-Typ. Gemeinsam ist lediglich das Detail der Fußmaske. Deshalb muß die Frage, wo Typ Smjela-Dobogó tatsächlich entsteht, neu beantwortet werden. Dabei hat man zu berücksichtigen, daß die „Maske" als solche bereits in älterer Zeit an spiralverzierten Bronzegüssen des Karpatenbeckens nachweisbar ist, auch in Südrußland (MENKE 1986,66). Besonders auffällig wirken die stilkundlichen Übereinstimmungen der „Masken" auf der Gáva-Schnalle einerseits (HAMPEL 1911,139) und an den Fibeln aus Vecel (Siebenbürgen) sowie Linkuhnen (Ostpreußen) andererseits (WERNER 1950 Taf. 27,78). Handelt es sich nicht um Zufallskonvergenzen, wird man die Chronologie der sogenannten slawischen Bügelfibeln und ihre paläoethnologische Deutung durch Werner u. a. insgesamt neu diskutieren müssen (KUDLACEK 1964). Ich lasse diese besondere Frage in diesem Zusammenhang auf sich beruhen, gliedere aber dennoch die Fibel aus Keszthely-Dobogó aus der Gruppe der „slawischen" Bügelfibeln aus. Denn es erscheint nicht abwegig, den Formvergleich mit krimgotischen Fibeln herzustellen. Dafür bietet sich u. a. Suuk-Su Grab 86 an mit einem ungleichen Paar Bügelfibeln ähnlicher Form wie das Dobogó-Fragment (Abb. 10,3,4). Umriß und Proportionen aller drei Fibeln sind einander ähnlich. Unterschiedlich ausgeführt sind freilich die Reliefmuster der Kopf- und Fußplatten. Doch aufgrund der Reliefmuster unterscheiden sich ebenso die beiden gewiß gleichzeitigen 190