Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Kulturbeziehungen der Awaren - Manfred Menke: Zu den Fibeln der Awarenzeit aus Keszthely
um eine der für die späte Völkerwanderungszeit Niedersachsens typischen Pfostenhütten von 5 m Breite, doch unbestimmter Länge. Immerhin lebt eine Fibelbesitzerin in diesem unscheinbaren Milieu. Darauf ist deshalb vor allem hinzuweisen, weil beispielsweise das zeitgleiche Grab aus Bremen-Mahndorf scheinbar einen gewissen Wohlstand widerspiegelt, sofern wir unsere Maßstäbe für Wohlstand anlegen. Ob das jedoch methodisch richtig ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Keramik (Abb. 6) aus der Klein Denkter Hütte ist in ihrer schlichten Art geradezu kennzeichnend für spätsächsische Siedlungsware. Man hat demnach zu fragen, ob eine mit Klein Denkte zeitgleiche Frau aus dem fränkischen Ingelheim (KUHN 1974, Taf. 179) wirklich reicher und angesehener ist als die Sächsin aus der bäuerlichen Hütte von Klein Denkte. Die eine der beiden Ingelheimer Fibeln wird übrigens von Kühn als Analogie zu Keszthely-Bräuhausgarten angesehen. Gleicher Zeitstil liegt gewiß vor. Der Typ der silber-tauschierten Scheibenfibel aus dem Ingelheimer Grab ist am Mittelrhein ganz geläufig. Nach fränkischer Chronologie, d. h. nach dem System Kurt Böhners, liegen wir mit dem IngelheimerInventar in Stufe IV und wohl in der jüngeren Hälfte des 7. Jahrhunderst (BÖHNER 1958, 31-34). Eine silber-tauschierte Scheibenfibel ist auch in Kleinlangheim (Grab 37) vorhanden (Abb. 7,3). Sie weist das kennzeichnende Musterdetail der sogenannten Pilzzellen auf. Dieses Merkmal setzt offensichtlich bereits früh ein, ist typisch fur Stufe Alemannisch IV und kommt in Cloisonné-Technik sowohl im angelsächsischen Sutton Hoo als auch im pannonischen Szentendre vor (MENKE 1987, 305 f.). Die entsprechende Riemenzunge aus Szentendre gehört gewiß zu den ältesten Beispielen für das Pilzzellenmusterdetail (MENKE 1987,267). Kleinlangheim Grab 37 zeigt uns in der Kombination beider Fibeln, daß der zweite Typ unserer Serie nicht wesentlich anders datiert werden kann als Typ Keszthely. Die beiden norddeutschen Analogien zur Kleinlangheimer Fibel besitzen in chronologischer Hinsicht keine Aussagekraft. Das Exemplar aus Altenhausen wird ebenso als Einzelstück aufgelesen wie das Fragment aus Rossow (Abb. 3). Die Deutung der Formbeziehungen für Typ Keszthely (Abb. 4), die meiner Meinung nach eher von der Balaton-Region aus in Richtung auf das sächsische Siedelgebiet gesehen werden müssen als umgekehrt, läßt viele Möglichkeiten offen. Sie alle hier im einzelnen zu diskutieren, ist nicht möglich. Für diejenige Forschungsrichtung unserer Faches, die archäologische Befunde stets auf die Ereignisgeschichte projizieren möchte, sei auf die Alboin-Sachsen hingewiesen. Fredegar berichtet um 800 von deren verschlungenen Pfaden von Italien zurück in ihre alten sächsischen Heimatlande. Doch man hätte vielerlei Spekulationen anzustellen, um unseren pannonisch-sächsischen Fibelverbreitungsbefund damit in Zusammenhang bringen zu können. Gleichfalls unrealistisch erscheint die Vorstellung von pannonischen Edelmetallgießern, die in sächsischen Siedelgebieten arbeiten. Denn zu groß ist der stilistische Qualitätsunterschied zwischen der ungarischen Fibel und ihren norddeutschen Analogien (Abb. 3). Zu Recht stellt bereits Salin die Bräuhausgartenfibel neben die schlingenverzierte aus dem alemannischen Waiblingen (SALIN 1935,38). An Waiblingen wiederum läßt sich die umfangreiche Gruppe später Bügelfibeln aus dem Alemannischen, Fränkischen, Thüringischen und Bayerischen anschließen, deren gemeinsames Kennzeichen zwar flächendeckende Verzierung ist, aber stets ohne Tierstil, den Fibelfuß jeweils ausgenommen. Für diese Gruppe 189