Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die awarischer Kultur - Gyula Rosner: Keramikherstellung und Handel im Karpaten-Becken in der frühen Awarenzeit

Zwischen 1974 und 1976 haben wir bei Szekszárd, an der Bogyiszloer Strasse, ein Awarengräberfeld mit 788 Gräbern freigelegt. 9 In den Gräbern wurden überraschend viel, auf Töpferscheiben angefertigte, Gefässe gefunden. Überra­schend war, dass von den mehreren hundert Keramiken kaum ein halbes Dutzend der Gefässe mit grober, handgeformter Technik angefertigt und in offenem Feuer gebrannt wurde. Diese Erscheinung wirft die Möglichkeit auf, dass wir mit einer in der Nähe arbeitenden, keramikherstellenden Gruppe rechnen müssen. Im Sommer 1976 haben wir einige hundert Meter östlich des Gräberfeldes diesen Ort gefunden, wo zwischen den Häusern auch eine Brennwerkstatt fur die Gefässe zum Vorschein kam. 10 In den ersten sechs Jahren legten wir zwei Werk­stätten frei, zu denen insgesamt neun Brennöfen gehörten. 11 Aus den Häusern, Gruben, dem Abfallmaterial der Werkstätten häuften sich mehrere Kilogramm irdenes Material an und steht den Forschungen zur Verfügung. Auf Grundlage des gewonnen Materials können wir eindeutig sagen, dass die in die Gräber gegebenen Gefässe von wesentlich geringerem Inhalt sind als der im Haushalt verwendeten. Während die grössten Gefässe aus den Gräbern Zweili­tergefässe waren, so wurden im Allgemeinen in der Siedlung 3-5 Liter Gefässe benutzt, es wurde sogar ein 20 Liter-Lagergefäss gefunden. Das war allerdings eine wesentliche Übereinstimmung, dass das Material der beiden archäologischen Objekte auf Grund unserer Kenntnisse nicht zu unterscheiden war. Sie sahen wie Produkte absolut gleicher Werkstätten aus, es wurde also mit gleicher Technolo­gie gearbeitet. 12 Im Grunde genommen war es sehr wahrscheinlich, dass wir in den Gräbern die in den Brennöfen der Siedlung hergestellten Keramikgefässe gefunden haben, und vielleicht waren die im Gräberfeld Ruhenden zu Lebzeiten Bewohner dieses Dorfes. 13 Die durch die archäologischen Verfahren gewonnenen Wahr­scheinlichkeiten sind aber keine Gewissheiten. 1982 begannen wir mit dem Lehrreaktor der Budapester Technischen Uni­versität an einem neuen Forschungsprogramm zu arbeiten. Die Forscher des Reaktors versprachen durch die Menge der im Material enthaltenen Spurenele­mente mit der Neutronenaktivisationsuntersuchung die Unterscheidung der Pro­dukte der vorhandenen Werkstätten. Das bekanntgegebene Verfahren verspricht im Falle der Awaren-Keramik ebenfalls ein gutes Ergebnis, doch davon mussten sich sowohl die Forscher des Reaktors als auch ich mich selbst überzeugen. Zuerst mussten wir uns davon über­zeugen, ob die Awaren-Meister in der Lage waren, für die Gefässe das Material in gleicher Homogenität herzustellen? Oder anders ausgedrückt, ob die Material­zusammensetzung, bei Probenahme von jedem beliebigen Punkt des Gefässes, gleich ist? Konnten die Meister im Wesentlichen in der Phase der Schlämmung einheitliches Ausgangsmaterial herstellen? Diese ersten Untersuchungen wiesen eindeutig das hohe Niveau technischer Kenntnisse der Awaren-Meister nach. Das Material der Gefässe, geeignetes homogenes Material, diente zur eigentlichen Durchführung der Neutronenakti­visierungsversuche. Als erster Schritt bekam die Reaktor-Forschergarde von den zwei Werkstät­ten Probereihen des Materials, dessen genaue Herkunft ihnen nicht bekannt war. Die Materilien der zwei Werkstätten wurden von mir bewusst vermischt, den archäologischen Ort dieser Proben kannte nur ich, die Forscher des 126

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