Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Helena Zoll-Adamikowa: Slawisch-awarische Grenzzone im Lichte der Grabfunde
birituellen Nekropolen in der Südslowakei zeigt eindeutig die wirkliche Grenze zwischen den Sitzen der eigentlichen Slawen und der eigentlichen Awaren an (das Wort „eigentliche" bezieht sich hier eher auf die der Bevölkerung eigene materielle Kultur und Glaubenswelt, als auf die gebrauchte Sprache). Die obige Behauptung bestätigt völlig die vor Jahren von Sarolta Szatmári (1969) veröffentlichten Thesen über die Art der Kulturerscheinungen in den spätawarischen Randgebieten. Es ist wahrscheinlich, daß ähnliche Phänomene wie die in der Südslowakei, auch in anderen Kontaktzonen der awarischen und slawischen Welt existierten. Man muß wenigstens die im Zala- und südwestlichen Balatongebiet entdeckten Brandgräber sowie die birituellen Grabstätten in Betracht ziehen (ausführlicher darüber Szöke 1982; Szőke, Vándor 1985). Die Begräbnissitten bildeten sich hier etwas anders als nördlich der Donau. Die Brandgräber des Pókaszepetk-Zalakomár Typs, die inmitten der frühawarischen Körperbestattungen situiert sind, treten schon seit dem Anfang des 7. Jhs. auf. Diese birituellen Gräberfelder werden zumeist bis zur Mitte (bzw. 2. Hälfte) des 9. Jhs. belegt, jedoch mit einer vermutlichen Beerdigungslücke vom 7./8. bis 8./9. Jh. (SZÖKE 1984). Man kann nicht ausschließen, daß die von der Adriatischen Küste und dem Alpenvorland bis Südpannonien siedelnden Slawen, denen eine spezifische, näher nicht erkannte (oberirdische?) Brandbestattungsweise eigen war, im südwestlichen Balatongebiet ihre Sitten modifiziert haben. Sie setzten jetzt die verbrannten Toten in eingetieften Gräbern bei, möglicherweise unter dem Einfluß der Nachbarbevölkerung, die ihre Verstorbenen eben in die Erde begrub. Die pannonischen Gräberfelder des Pókaszepetk-Zalakomár Typs können dennoch auch in die Sepulkralzone D einbezogen verdén (SZÖKE, VÁNDOR 1985), obwohl auf einigen die Brandgrubengräber gegenüber den Urnengräbern vorherrschen, und obwohl sie - als ein Ganzes - früher, nämlich in frühawarischer Zeit beginnen und länger, nämlich im fortgeschrittenen 9. Jh. noch üblich waren. BIBLIOGRAPHIE /. Béres, (1984), Ethnische Probleme auf den birituellen awarenzeitlichen Gräberfeldern in der Slowakei, in: Interaktionen der mitteleuropäischen Slawen und anderen Ethnika im 6.-10. Jahrhundert, Nitra, 27-32. Z. Cilinská, (1983), The Development of the Slavs North of the Danube during the Avar Empire and their Social-Cultural Contribution to Great Moravia. Slov. Arch. 31, 237-276. - (1984), Awaro-slawische Beziehungen und ihre Spiegelung in archäologischen und historischen Quellen. In: Interaktionen der mitteleuropäischen Slawen und anderen Ethnika im 6.-10. Jahrhundert, Nitra, 49-56. G. Fusek, (1985), K problematike vcasnoslovanskych sídlisk na západnom a strednom Slovensku. Stud.Zv. 21, 195-204. B. M. Szöke, (1982), Methodologische Bemerkungen zur Definition der aus dem 9. Jahrhundert stammenden Denkmäler des Karpatenbeckens. Mitt. Archäol. Inst. UAW 10/11, 183-197, 409. B. M. Szöke, 1984, Die Gräberfelder des 7.-10. Jahrhunderts des südlichen Teils des Kisbalatons (Klein-Plattensee). In: Interaktionen der mitteleuropäischen Slawen und anderen Ethnika im 6.10. Jahrhundert, Nitra, 255-260. B. M. Szöke, L. Vándor, (1985), Neue Ergebnisse der Ausgrabungen im Kisbalaton-Gebiet. In: Die Bayern und ihre Nachbarn, 2, Wien, 207-212. S. Szatmári, (1969), Das spätawarische Fundmaterial der Randgebiete. Évk. Móra F. Muz. 2,163-174. P. Tomka, (1986), Archäologische Studien zur Ethnographie der awarenzeitlichen Völker. Mitt. Anthrop. Gesell. Wien 116, 155-168. 100