Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 14. (Szekszárd, 1988)
94 Der bedeutendste PfafFer der frühen Zeit (1759-69) war Michael Winkler. Er Hess die Kirche neu errichten, besorgte eine Orgel. Er schrieb eine Pfarrchronik, in der er über die Herkunft, Sitten und Gewohnheiten der Szakadáter berichtet. Laut Winkler waren die Leute trinksüchtig und wild, es kam oft zu Raufereien. Winkler bezichtigte sie auch der Sittenlosigkeit. Die Jungen und Mädchen hüteten in der Nacht gemeinsam das Vieh auf der Weide. Andere Mädchen schliefen im Sommer in der Scheune, im Stall, auf dem Flur, wo sie ihren Geliebten empfingen. Entrüstet schreibt Winkler über ihre Gleichgültigkeit in religiösen Fragen. Sie hoben nicht einmal ihren Hut vor dem Allerheiligsten, in der Fastzeit assen sie Fleisch, während den Begräbnissen machten sie Spass. Bei der Opferung stiessen sie mit Weingläsern an, und als der Pfarrer den Messwein trank, leerten sie auch ihre Gläser. Zudem waren sie auch abergläubisch - zur Trauung ritten die Fraunen zum Beispiel auf Besenstielen. Sie sollten auch veschiedene Schwangerschaftsverhütungsmethoden gekannt haben. Kranke Menschen und Tiere beteten sie gesund. Im Jahre 1765 gab es Unruhen im Komitat, so auch in Szakadat. Die Bauern verweigerten den Frohndienst (Robot) und die Zahlung verschiedene. Abgaben und Steuern. Die damalige Königin Maria Theresia regelte in einem Erlass - sogenannten Urbárium - die Rechte und Pflichten der Bauern. Eine Hufe (Session) bestand in Szakadat aus 22 Joch Acker, acht Joch Wiese, ein Joch Hofland. Die Hutweide gebrauchten sie gemeinsam. Dafür mussten sie 1/9 der Fechsung den Grundherren abgeben, 104 Tage lang Handdienst oder 52 Tage Zugfrohne leisten, einen Forint Zins zahlen und Geschenke geben. Die Szakadáter Bauern besassen im allgemeinen keine ganze, sondern nur eine halbe oder eine viertel Session, d.h. nur 8-15 Joch Feld. Insgesamt hatten 47 Bauern 22 Sessionen zu eigen. Ausserdem lebten 23 sogenannte Kleinhäusler in der Gemeinde, die überhaupt keinen Acker, nur etwas Weingarten besassen. Der Hotter wurde für so viele Leute zu eng. Die Ursache war die hohe Zuwachsrate der Bevölkerungsanzahl. Es wurden im Durchschnitt jährlich 30-50 Kinder geboren und starben nur 20-30 Personen. Die meisten Verstorbenen waren Kinder, mehr als die Hälfte waren unter dem sechsten Lebensjahr. Ein Beispiel: In der Sippe Gänsler sind zwischen 1780-1818 42 Kinder geboren, von denen nur 9 aufwuchsen. Da aber die Familien viele Rinder hatten, durchschnittlich zehn, nahm die Bevölkerung ständig zu. Die Leute heirateten ziehmlich früh, die Männer mit 20, die Frauen mit 18 Jahren. Die meisten Hochzeiten fanden in der Faschingszeit statt. Im Jahre 1786 wurden sämtliche Ehen zwischen dem 10. Januar und 14. Februar geschlossen. Der andere mögliche Termin war der Spätherbst, als die landwirtschaftlichen Arbeiten schon vorbei waren. Die Ehepartner schlössen einen Ehecontract, in dem die Mitgift der Braut angeführt wurde. Die junge Frau bekam von ihren Eltern ausser der Kleidung ein Bett, Bettzeug und etwas Bargeld. Die Kosten der Hochzeit bestritten die Eltern. 480