Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 14. (Szekszárd, 1988)

95 Wilhelm Weller brachte zur Hochzeit seines Stiefsohnes 3 Eimer (150 1) Wein, 25 Pfund Rind- und 25 Pfund Scweinefleisch auf. Das junge Ehepaar lebte meist bei den Eltern, arbeitete in der väterlichen Wirtschaft. In einer Bauernwirtschaft arbeiteten durchschnittlich drei erwachsene Männer - Vater, Söhne, Schwiegersöhne. Von den verheirateten Kindern blieb meistens nur eins im Familienhaus, welches zum Erben der Wirtschaft ausersehen wurde. Ein Jahrzehnt arbeiteten sie als Knecht und Dienstmagd für ihren Lebensun­terhalt. In der nächsten Periode wirtschafteten Vater und Sohn/Schwiegersohn gemeinsam, den Ertrag ihrer Arbeit teilten sie auf. Als der Vater schon alt wurde, überliess er die ganze Wirtschaft seinem Erben, für sich behielt er nur ein Paar Rindvieh. Die anderen Söhne und Töchter wurden vom Erben ausgeschlossen. Als Gutmachung bekamen sie ein Stück Weingarten und etwas Bargeld. Sie bildeten den Nachschub der armen, mittellosen Kleinhäuslerschicht in der Gemeinde. Das Verfahren der Eltern scheint unbarmherzig zu sein, drückte aber eine wirtschaftliche Notwendigkeit aus: hätte man die halbe oder 1/4 Session in 2-5 Stücke geteilt, wären 2-5 lebensunfähige Wirtschaften zu Stande gekommen. Die Geschwister hätten nicht nur das Erbe, sondern auch die Not untereinander teilen müssen. Die, aus dem Erben ausgeschlossenen Geschwister konnten sich die Tat­sache meistens nicht gefallen lassen. Es kam oft zu erbitterten Prozessen zwischen den Familienmitgliedern. Die aus der engen Dorfflur stammenden Einkünfte ergänzten die Szakadáter mit Tabakbau. Man begann damit bereits 10 Jahre nach der Ansiedlung. 1788 betrug die Tabakproduktion 34 Zenter, vier Jahrzehnte später waren es schon 400 Zentner. Für einen Zentner bekamen sie 9 Ft. Das Tabakeinkommen war dreimal höher als das des Ackerbaus und zehnmal höher als das des Weinbaus. Die landwirtschaftliche Tätigkeit konnte trotzdem nur einem Teil der Bevöl­kerung den Lebensunterhalt sichern. Aus den vom Erben ausgeschlossenen wurden Kleinhäusler. Sie waren gezwungen, sich einen anderen Erwerbszweig zu suchen. Die Pfarrer trugen den Beruf der Einzelnen in das Kirchenbuch ein, so lässt es sich behaupten, wie viele Leute sich von der Landwirtschaft getrennt haben. Zwischen 1833-1867 gab es 259 Menschen, die nicht als Bauern tätig waren. Unter ihnen waren 29 Hirten, 21 Tage­löhner, 16 Weber, 13 Zimmerleute, 13 Müller, 8 Schmiede, 8 Schneider, 8 Musi­kanten usw. Die zahlenmässig grösste Gruppe bildeten die Maurer mit 107 Mann. Warum war dieses Handwerk so volkstümlich? Das liegt daran, dass der Maurer keine Werkstatt einrichten musste, es war also ein billiger, für die armen Kleinhäusler erreichbarer Beruf. Der andere Grund war, dass sie nicht an einen Ort gebunden waren. 100 Maurer hätten nämlich im Dorf und in der Gegend keine Arbeit gefunden. So machten sie sich im Frühling auf den Weg, um Arbeit zu suchen. Sie arbeiteten in grösseren ungarischen Städ­ten, in Wien, in Deutschland, um die Jahrhundertwende kamen sie auch nach Amerika. Sie waren wochen - manchmal monatelang fern von ihren Familien. Von ihrem ersparten Geld kauften sie Feld und bauten Familienhäuser. Sie konn­ten sich von ihrem Heimatort, von der Landwirtschaft nicht endgültig loslösen. Die Periode führte auch im Leben der Kirche grosse Änderungen herbei. Die 31 481

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