Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 14. (Szekszárd, 1988)
Neolithikums wurde lange nur mechanisch fortgesetzt, es wurde mit, allgültig betrachteten, meistens aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Thesen ethnologischer Herkunft interpretiert. Den eingehenden archäologischen Forschungen der letzteren Jahrzehnten nach können diese Thesen aber nur in bestimmten Gebieten, im Falle von, unter bestimmten Naturverhältnissen lebenden Völkern, Gemeinschaften angenommen werden. Aufgrund des bisherigen ist mit grosser Wahrscheinlichkeit zu behaupten, dass die gesellschaftliche Gliederung auch im Neolithikum auf Blutverwandschaft basierte. Als die kleinste Einheit der neolithischen Gemeinschaften ist die paarweise Familie aufzufassen, die auch als wirtschaftliche Einheit funktionierte. Die Organisation der Familie konnte sich nach der Arbeitsverteilung dem Lebensalter und Geschlecht gründen. Bei der Behandlung der sozialarchäologischen Verhältnisse des Neolithikums soll mit dem Modell von M. D. Sahlins die Beziehung der Stammesgesellschaften eingehender erörtet werden (1973). Sahlins fasste den Stamm als Einheit von Gemeinschaften und von Verhältnissen zwischen den Gemeinschaften auf, welche im wesentlichen aus grösseren Gruppen von Verwandten bestanden. Der Kern der Stammessektionen wurde oft durch Abstammungsgruppen gebildet. Die Einheiten der Stammesgesellschaft bestehen aus den Reihen von, aufeinander folgenden, immer mehr umfassenderen Gruppen, beginnend von der erwähnten Kleinfamilie bis zum Ganzen des Stammes; die Familien gruppieren sich in örtliche Sektionen, Dorfgemeinschaften. Der Stamm trat aus den Bünden der Dörfer. Diese sind die sogennanten segmentaren Stämme, die aus kleinen, selbstständigen örtlichen Gruppen bestehen. Die örtlichen Gruppen werden in der Ethnologie als die kleinste Siedlungsgemeinschaft aufgefasst; gleichzeitig stehen die Mitglieder der örtlichen Gruppen in wirtschaftlicher Abhängigkeit voneinander (KURTH-RÖHRER 1980.). Die Population des Stammes ist von gemeinsamer Herkunft und von gemeinsamen Gebiet. Diese Gemeinschaften vereinigen sich nicht unter gemeinsamer Macht, es sind nicht einmal die Gebietsgrenzen des Stammes bestimmt (SAHLINS 1973.). Die wirtschaftlichen, sozialen, kultischen Tätigkeiten der im Stamme lebenden sind durch dieselben verwandschaftlichen und territorialen Gruppen, das heisst, durch die Sippensegmente, Haushalte und Dörfer geregelt. Jene kulturellen Gebilde, die dezentralisiert, in ihrer Funktion aber generalisiert sind, wird primitive segmentare Gesellschaft genannt (SAHLINS 1973.). Die Stammesgesellschaft ist auch durch Chapman so charakterisiert, dass sie auf verwandschaftlichen und Abstammungsbeziehungen gründet. Seiner Meinung nach basiert die neolithische Gesellschaft auf der Produktion der Familie und auf den blutverwandschaftlichen Verhältnissen (CHAPMAN 1981.). Milisauskas folgert aus den mitteleuropäischen neolithischen Siedlungsdaten darauf, dass eine der Gemeinschaften von der anderen so wirtschaftlich, wie auch politisch unabhängig war (1978.). Die Ergebnisse unserer archäologisch-statistischen Analyse mit den obenerwähnten verglichen, wird angenommen, dass die höchste Einheit der westlichen Linienbandkeramik und der Lengyel-Kultur irgendeine Form des erwähnten primitiven segmentaren Stammes sein konnte, welche aus dezentralisierten Dorfgemeinschaften bestand, mit ungeschichteter gesellschaftlicher Struktur. 107