Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)

Eugen Comşa: Betrachtungen über die sozialökonomische Organisation der neolithischen Gemeinschaften auf rumänischem Boden

relativ stabilen Lebensweise in kleinen offenen Siedlungen ohne Verteidigungs­graben, bestehend aus nur wenigen Wohnungen, meist Grubenhütten, festzustel­len. Die Hauptbeschäftigung war primitiver Hackbau. In der Hauptsache wurde Weizen vom Typ Triticum monococcum L., weniger häufig Hirse Panicum millia­ceum L. angebaut. Im Laufe der zweiten Stufe der Giule§ti-Phase der Boian-Kultur fanden star­ke Veränderungen in der Lebensweise statt. Man begann, die Siedlungen auf Ge­lände, das von Steilhängen begrenzt war, anzulegen und mit Verteidigungsgräben zu umgeben. Die Zahl der Wohnungen in den einzelnen Siedlungen stieg auf 10-15 an; die meisten bestanden von nun an bis zum Ende des Zeitalters in recht­eckigen Oberflächenhütten aus Balken, Rutengeflecht und Lehmbewurf mit Strohbeimischung und Satteldach. Die Lebensweise wurde betont seßhafter. In dieser Zeit ist auch eine zunehmende Beweglichkeit in den Gemeinschaften der Giulesti-Phase zu bemerken. Sie breiteten sich über die ganze Walachei aus und gelangten dann über die Karpaten nach Südtranssilvanien, wo sie das gesamte obere Olt-Becken einnahmen (COM§A 1965, 629-645). Gleichzeitig drangen sie in die Südwestmoldau ein, wo noch späte Gemein­schaften der Linienkeramikkultur lebten. Aus der Vermischung der beiden Bevöl­kerungen entstand in der Westmoldau die erste Phase der Prä-Cucuteni-Kultur (H. DUMITRESCU 1957, 53-69). All diese Veränderungen dürften wohl auf einen grundlegenden Wandel im Ackerbau, und den Übergang von der Hacke zum Ochsenpflug zurückzuführen sein. Gleichzeitig kamen auch andere Weizenarten auf. An die Stelle von Triticum monococcum L. traten weitgehend Triticum vulgare L. und andere Typen. Die Tatsache, daß die Wohnhütten während des ganzen Neolithikums auf rumänischem Gebiet kleine Ausmaße hatten und gewöhnlich nur aus einem ein­zigen Raum mit Herd oder Ofen bestanden, kann nur dahingehend gedeutet wer­den, daß in jeder Wohnung eine einzige Familie lebte und die Familie - Eltern und Kinder - das Grundelement der neolithischen Gemeinschaften bildete. Es sei be­tont, daß bisher in Rumänien in neolithischen Siedlungen keine einzige, für meh­rere Familien bestimmte Wohnung entdeckt wurde. Diese Annahme wird auch dadurch bestärkt, daß man in der Umgebung der Donauseen vereinzelte Grubenwohnungen fand, für Familien bestimmt, die sich hier provisorisch für die Fischereisaison einrichteten und danach in ihre heimi­schen Siedlungen zurückkehrten. Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert, welchem Typus die Familien des Neolithikums auf rumänischem Gebiet angehört haben mögen. In Facharbeiten wird häufig die Meinung vertreten, daß es sich um ziemlich instabile Paarfamilien handelte, die sich mit Leichtigkeit voneinander trennen konnten. Man darf aber wohl nicht rein mechanisch ein starres Schema auf jede, von zahlreichen Faktoren abhängende Voraussetzungen anwenden. Bei der Beurteilung der sozialökonomi­schen Organisation des rumänischen Gebietes im Neolithikum wurde nicht auf die spezifischen Umstände eingegangen. Da die einzelnen Siedlungen zu Beginn des Zeitalters nur aus ein paar Wohnungen (für einige wenige Familien) bestan­den und die Ethnographen bei schwach entwickelten Bevölkerungen beobachtet haben, daß in solchen kleinen Gemeinschaften strenge, von allen Mitgliedern strikt eingehaltene Regeln des Zusammenlebens herrschten, ist wohl anzuneh­men, daß damals die Periode der Paarfamilien überschritten und der Übergang 42

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