Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)

Eugen Comşa: Betrachtungen über die sozialökonomische Organisation der neolithischen Gemeinschaften auf rumänischem Boden

zur monogamen Familie vollzogen war, die wirtschaftlich noch dem Gemeinwe­sen angehörte. In diesem Zusammenhang darf man auch die Tatsache nicht ver­gessen oder vernachlässigen, daß die Neolithisierung dieser Gegenden durch Volksgruppen bewirkt wurde, die aus dem mediterranen Raum stammten und nördlich der Donau gewiß mit einer relativ reichen Erfahrung sozialökonomischer Organisation anlangten, die ihre Vorfahren während mehrerer Jahrhunderte in den südlichen Regionen angesammelt hatten. In unserer Fachliteratur wird seit über 30 Jahren der Charakter der sozialöko­nomischen Ordnung im Neolithikum auf rumänischem Boden behandelt. Man­che Forscher sind der Ansicht, daß diese Gemeinschaften matriarchalisch, andere dagegen daß sie patriarchalisch organisiert waren. Jeder bringt Argumente für bzw. gegen die eine und die andere Auffassung. Untersucht man jedoch den Ge­halt der Begriffe Matriarchat und Patriarchat, so ergibt sich, daß sie im Grunde ge­nommen zwei extreme Formen der Gesellschaftsordnung kennzeichnen: der er­stere den Zustand, bei dem unter bestimmten Voraussetzungen die Frauen in der Gemeinschaft ein hervorgehobenes Ansehen genießen, während der letztere die Situation bezeichnet, in der die Autorität gänzlich den Männern vorbehalten ist. Die bisherigen Forschungen ergaben, daß das eigentliche Matriarchat nur relativ schwach verbreitet und ausschließlich für bestimmte, weit von Rumänien entfern­te Gebiete charakteristisch war. Häufig wird das Matriarchat hauptsächlich mit dem Vorherrschen der weiblichen Wirtschaftstätigkeit in Zusammenhang ge­bracht (in welchem Fall archäologische Funde eine Sonderstellung der Frau in der Gesellschaft erweisen müßten). So etwas ist aber im Neolithikum nicht feststell­bar. Auch hat sich die Gesellschaftsordnung nicht überall in einer einzigen Rich­tung - vom Matriarchat zum Patriarchat - entwickelt; der Prozeß war komplizier­ter, und in manchen Zonen bestanden beide Arten nebeneinander. Die Untersuchung aller Elemente der Sachkultur und zahlreiche Beobach­tungen der Feldforschung (das Fehlen jeglicher Differenzierung der Wohnungen) legen die Annahme nahe, daß im Neolithikum auf rumänischem Boden keine Un­terschiede im Ansehen von Frauen und Männern bestanden, sondern in erster Li­nie der Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung der ganzen Gemeinschaft und zu deren Förderung durch die wirtschaftliche Tätigkeit galt. Die Tatsache, daß die neolithische Gesellschaft keine Differenzierung der erwähnten Art kannte, geht auch aus der Untersuchung der betreffenden Nekropolen hervor. Männer- und Frauengräber sind gleich tief und weisen hinsichtlich der Quantität und Qualität des Inventars keine Unterschiede auf. Bemerkenswert ist, daß manche Kindergrä­ber reichere Beigaben enthalten als die der Erwachsenen. Nicht übersehen sollte man eine gewisse Veränderlichkeit hinsichtlich der wirtschaftlichen Rolle von Frauen und Männern. Zweifellos war die wirtschaftli­che Bedeutung der Frau im frühen und zu Beginn des mittleren Neolithikums grö­ßer. Die Frauen bearbeiteten in erster Linie den Acker mit der Hacke, während die Männer in gewissem Maße auch Jagd und Fischfang trieben (diese Beschäftigun­gen verloren im Laufe der Zeit immer mehr an Wichtigkeit). Gegen Ende des mittleren und vor allem im späten Neolithikum begann sich die Situation aber zu ändern, infolge der immer stärkeren Verbreitung des Ochsenpfluges zur Boden­bearbeitung. Da diese Tätigkeit größere Anstrengung erforderte, ging sie natürlich auf die Männer über, deren wirtschaftliche Rolle somit anstieg.

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