Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Nándor Kalicz: Über das spätneolothische Siedlungswesen in Ungarn
Über das spätneolithische Siedlungswesen in Ungarn NÁNDOR KALICZ, BUDAPEST Das Spätneolithikum in Ungarn ist terminologisch dem Mittelneolithikum in Mitteleuropa sowie einem Teil des Äneolithikums in Bulgarien gleichzusetzen. Es ist ebenfalls mit dem zweiten Abschnitt oder der Plocnik-Phase der Vinca-Kultur (ca B 2 /C-D) parallel. In Ungarn gehören dazu der Komplex der Theiß-Herpály-Csőszhalom-Kulturen mit der Übergangsphase Szakalhat-Theiß in Ostungarn, und in Westungarn die Lengyel-Kultur und die Bicske-Phase der Sopot-Kultur, die einen Vorlaufer der Lengyel-Kultur darstellt. Über das spätneolithische Siedlungswesen haben wir in den letzten Jahrzehnten viele neue Informationen gewonnen. Trotzdem sind unsere Erkenntnisse noch so lückenhaft, daß sie verschieden interpretiert werden können. So können wir das Siedlungswesen eintsweilen nur in großen Zügen skizzieren und wir bemerken eher die markanten Unterschiede. Selbst innerhalb der einzelnen Kulturen und Gruppen bemerken wir große Unterschiede in Siedlungsdichte, Lage und Größe der Siedlungen, Siedlungstyp und sogar in der inneren Struktur der Siedlung. Meiner Meinung nach ist dies hauptsächlich eine Folge von zwei Faktoren: zum einen ist dies vom ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungsstand einer Gemeinschaft (Kultur), zum anderen von den Umweltbedingungen abhängig. Diese zwei Faktoren standen in ständiger Wechselbeziehung. Zu diesen Hauptfaktoren tritt noch die formative Rolle äußerer Einflüsse (kulturelle Diffusion). Das Spätneolithikum ist ein bedeutender Zeitabschnitt, in dem kulturelle Veränderungen stattgefunden haben. Einstweilen ist nicht genügend bekannt, ob dies gleichzeitig mit Veränderungen der Umwelt (Niederschlagsmenge, Wasserstandsänderungen, Veränderungen der Zusammensetzung der Pflanzenwelt) einhergegangen ist, aber wir können annehmen, daß auch Klimaschwankungen die Lebensweise beeinflußt haben. Der höhere Anteil an Wildtierknochen gerade der größeren Arten (z. B. bos primigenius, cervus elaphus) kann als Zeichen der für diese Tiere günstigeren Bedingungen gewertet werden. Dieser höhere Anteil von Wildtieren könnte möglicherweise eine Verringerung des Anteils von Getreide an der menschlichen Ernährung trotz einer zunehmenden Überschußproduktion bedeuten, man könnte aber auch an demographische Wandlung denken. Die o. g. Faktoren haben möglicherweise das Siedlungswesen beeinflußt. Der neolithische Mensch paßte sich nämlich an verschiedenen Orten in unterschiedlichem Maße an die veränderten Umweltbedidgungen an, und trug selbst zu deren Veränderung bei. 127