Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Nándor Kalicz: Über das spätneolothische Siedlungswesen in Ungarn
Das Vorhandensein von Teil- oder teilartigen Siedlungen ist ein markanter Unterschied zwischen Ost- und Westungarn. Die Siedlungsform des Teils verbreitete sich im Frühneolithikum vom Vorderen Orient aus bis in den südlichen bzw. mittleren Balkan (in Bulgarien z. B. Karanovo, Azmak, Cavdar, Kazanlyk, Gäläbnik, usw., in Jugoslavien z. B. die Tellsiedlungen in Pelagonien, Mazedonien, wie Porodin, Velu§ka tumba, Anza, Vrsnik, usw., weiterhin im Moravatal z. b. Drenovac und in Bosnien Obre I). Im mittleren Neolithikum wurde sie auch im nördlichen Balkan eine bedeutende Siedlungsform (CHAPMAN 1981,44-46, und Appendix). In der Vinca-Kultur z. B. ist der Teil bzw. die tellartige Siedlung von Anfang an vorhanden, aber wir finden daneben auch viele einschichtige (horizontale) Siedlungen (CHAPMAN 1981,44-46, und Appendix). Je weiter wir nach Norden kommen, desto geringer wird der Anteil an Tellsiedlungen. Die Tellsiedlung im mittleren Neolithikum Ostungarns schon eine Ausnahmeerscheinung. In der Maros-Gegend ist die erste Teilsiedlung aus der Frühphase der Szakálhát-Kultur bekannt. (Battonya-Parázstanya: G. SZÉNÁSZKY 1977, 216, 220; 1979. 67, 77; GOLDMAN 1984, 42-43, 94-95. Tápé-Lebő: TROGMAYER 1957, 19-60; 1969, 468-475). Am Übergang zum Spätneolithikum erreichte dieser Siedlungstyp bereits die Körös-Gegend. (Békés-Povád: TROGMAYER 1962, 9, 31; Vésztő-Mágor: HEGEDŰS 1973, 261; 1974, 310-311; 1975, 295; 1977, 264; MRT 6, 1982, 183-185; Szeghalom-Kovácsdomb: BAKAY 1971, 140-144; MRT 6, 1982, 149-151; Dévaványa-Sártó: KOREK 1961, 9-26; SHERRATT 1983, 164-166; Szarvas-Botanischer Garten: MAKKAY 1982, 129; Öcsöd-Kováshalom: RACZKY 1984; zusammenfassend: MAKKAY 1982, 109-110, 123-126, 128-129.). Im mittleren und östlichen Teil des Balkans wurde die Tellsiedlung fast die alleinige Siedlungsform, z. B. in den Kulturen Gumelnija, Krivodol-Salcuja (TODOROVA 1978, 7-22, 27-47; 1982,1-17, 78-79). Weiter westlich ist sie häufig in der späten Vinca-Kultur (CHAPMAN 1981,40-51,60-68,94-108) und typisch für die SopotKultur im Sava-Donau-Drava Zwischenstromgebiet (Syrmien, Slawonien) (DIMITRIJEVIC 1968,112-115; 1969,54-55). Die Linie Drava-Donau bildet im westlichen Balkan die nördliche Vebreitungsgrenze der Tellsiedlungsform. Im Spätneolithikum Ostungarns kommt die Tellsiedlung unregelmäßig verteilt im Bereich der Theiß-Herpaly-Csoszhalom Kulturen vor (Abb. 1) (KALICZ 1965, 36-30). Aus dem südlichen Verbreitungsgebiet der Theiß-Kultur (einem Gebiet von ca 13 000 km 2 ), die von den drei oben erwähnten Kulturen den größten Raum einnimmt, sind nur 13-15 Teil- oder tellartige Siedlungen bekannt (MAKKAY 1982,176). Der nördlichste echte Teil in Europa ist der eponyme Fundort Csőszhalom im nördlichen Teil der Ungarischen Tiefebene (BOGNÁR-KUTZIÁN 1963, 311, 414, 506-508; 1966, 268-269; 1972, 96, 183). Die Herpály-Kultur kann im Vergleich zur Theiß-Kultur als echte Teilkultur bezeichnet werden, da sich auf etwa 1/4-1/5 des südlichen Verbreitungsgebietes der Theißkultur die doppelte Anzahl an Teilsiedlungen (ca 30) befindet (MAKKAY 1957, 33; KALICZ 1970, 46-47; KALICZ-RACZKY 1984, 94). Die Siedlungsdichte und gleichmäßige Verbreitung der Tellsiedlungen im Gebiet der Herpály-Kultur kann man mit der der Gumelnifa-Kultur vergleichen; jedoch ist das Verbreitungsgebiet der Herpály-Kultur viel kleiner als das der Gumelnija-Kultur. Einschichtige Siedlungen finden wir in der Herpály-Kultur in enger Nachbarschaft - manchmal zusammenhängend - zu Tellsiedlungen - in einem Umkreis bis zu 0,5 km (MAKKAY 1957, 33; KALICZ-RACZKY 1984, 94). 128