Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 12. (Szekszárd, 1984)

Zalai-Gaál István: Neolithische Schädelbestattungs- und Menschenopfer-Funde im Komitat Tolna, SW–Ungarn

39 Gräberfeldern zum Vorschein, aber in Keszthely-Fenékpuszta (Balaton-Gruppe) lagen die Schädel in einem Gebäude. Im Grab 71. des Gräberfeldes der Tiszapolgár-Kultur von Tiszapolgár-Basata­nya und im Grab 3. von Bodrogkeresztur wurden auch Beigaben mit den Schädeln gefunden: diese können für gewöhnliche Schädelbestattungen gehalten werden. In diesen Fällen sind die Schädel unverletzt und nicht in Gefassen begraben. Ebenso halten wir das Grab 4. von Bodrogkeresztur, Nosswitz, Hódmezővásárhely-Kotac­part-Vata-Gehöfte und Szentes-Nagyhegy für Schädelbestattungen. In Budakalász, Predmerice und Loebersdorf wurden die Schädel mit oder zu Skeletten mitbe­graben. Die südosteuropäischen kupferzeitlichen Schädelbefunde stammen hinge­gen aus Siedlungsgruben, ausgenommen den Fund von Kubrat/Balbunar, wo sich eine selbstständige Schädelbestattung innerhalb des Gräberfeldes befand. Die Schädelfunde und die angebrannten Menschenknochen in Gefassen ma­hnen das Menschenopfer in vielen Fällen wahrscheinlich. In Hódmezővásárhely­Gorzsa, Mórágy-Tűzkődomb, Szakály-Rétiföldek können die Schädel, in Teil Azmak und Vinca die angebrannten Knochen auf Grund der Fundumständen für Menschenopfer gehalten werden, ebenso wie in Quedlinburg, Metzen­dorf-Woxdorf, Braunsdorf, Zauschwitz-Ziegelei und Tiefenellern-Jungfern­höhle. Bei den zwei letzteren ist auch der Kannibalismus anzunehmen: die Skelett­reste sind zerstört, verletzt und angebrannt, und das Foramen oft gewaltsam ver­grössert. Das kommt oft bei einem grossen Teil der besprochenen Funde vor, dem das Gehirn nur auf diese Weise im Ganzen herauszuheben gewesen. In den bisherigen handelte es sich um Schädelbestattungen, Schädelkult, kul­tischen Kannibalismus und Menschenopfer, die miteinander in vielseitiger Bezieh­ung stehen können. Die frühesten Beispiele für die Handlungen um Schädel sind aus dem Paläolithikum bekannt, als die Zahl der Schädel in den Fundstellen viel grösser ist, als die anderen Skelett-Teile. Der menschliche Schädel konnte schon vor der Neusteinzeit eine sonderbare zentrale Stelle in der materiellen Kultur und in der Vorstellungswelt haben. Die damals lebenden konnten den Kopf, bzw. den Schädel für den wichtigsten Teil des Körpers halten, in dem die Seele oder der Geist wohnt. Das wird auch dadurch nachgewiesen, dass der Schädelhintergrund der paläolithischen Schädel in den meissten Fällen aufgebrochen worden war, um das Gehirn herauszunehmen. Mit dieser Praktik beabsichtigten die Damaligen die Kraft der getöteten besitzen. Es können Kulthandlungen auch mit den Köpfen der verstorbenen Ahnen aufgenommen werden. All die sind auch für das Neolithikum wahrscheinlich. Die im Zusammenhang mit dem Schädel stehenden symbolischen Deutungen konnten sich im Laufe der Zeit ändern, in den verschiedenen Perioden und Kulturen müssen wir mit verschiedenen Vorstellungen rechnen. Die bedeuten­desten Änderungen in diesen Vorstellungen entstanden mit der Verbreitung der neolithischen Lebensweise. Wie sich die sozialökonomischen Verhältnisse geän­dert hatten, so sollten sich auch die Vorstellungen und die damit in Beziehung ste­henden Kulthandlungen ändern. Die Begrabung der Schädel in oder unter Feuer­stellen, also im Zentrum des Familienlebens wird durch viele Forscher mit dem Ahnenkult der neolithischen Gemeinschaften in Bezeihung gebracht. J. MARIN­GER erklärt das Vorkommen der Bräuche verbunden mit dem Schädelkult bei den Kulturen des „donauländischen Kulturkreises" mit den Wirkungen älterer Jagdkul­turen, die - aufgenommen - in den Randgebieten der neolithischen Kulturen leb­ten. Es wird also eine Vermischung neolithischer Kulturen mit den mesolithischen 41

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