Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 12. (Szekszárd, 1984)
Zalai-Gaál István: Neolithische Schädelbestattungs- und Menschenopfer-Funde im Komitat Tolna, SW–Ungarn
40 Kulthandlungen haben wir mehrere Angaben aus dem Kreis der Ethnologie. A E. JENSEN reiht auch die Kopfjagd unter die Opferbräuche: Das kommt aus dem Glauben, dass sich die geistige Kraft und das Wissen des Menschen im Kopf, bzw. im Gehirne konzentriert. Die Kopfjagd war noch in jüngsten Zeiten sehr verbreiteter Brauch, in erster Linie in SO-Asien, Neuguinea und S-Amerika. J. G. FRAZER führt solche Daten aus der Ethnographie vor, die auf das Erstlingsopfer hindeuten, und wo der Getreidegeist in Gestallt eines Menschen erscheint und gegessen wird. Das Fest der Erstlinge war die höchste Zeremonie des Jahres bei vielen Naturvölkern. Die Erforschung unseres Themenkreises wird dadurch erschwert, dass unter den besprochenen Funden keine sind, die von gleicher Erscheinung wären. Aus der Analyse der archäologischen Funden, aus den ältesten schriftlichen Quellen, die für das Neolithikum nur mittelbar beziehbar sind, und von den ethnologischen Paralellerscheinungen ausgehend, können wir zusammenfassend feststellen, dass die, in Mórágy-Tűzkődomb und in Szakály-Rétiföldek zum Vorschein gelangten, zur Lengyel-Kultur gehörenden besprochenen Funde solche Formen des Schädelkultes und Bräuche von Menschenopfer darstellen können, die in erster Linie die, die Grundlagen der neolithischen Lebensweise bildende Fruchtbarkeit zu sichern meinten. Beide Funde aus dem Komitat Tolna sind zwei verschiedene Formen des gleichen Ritus. Verschiedene Formen des Schädelkultes traten schon im Paläolithikum auf, aber noch nicht mit dem Ziel, wie später im Neolithikum. Diese Erscheinungen leben im Neolithikum weiter, ihre innere Bedeutung konnte sich aber infolge der neuen Lebensweise aus dem Ziel, der Sicherung der Fruchtbarkeit umwandeln. Wir müssen gleichzeitig mit dem Dasein auch der Erscheinungen paläolithischer und mesolithischer Herkunft im Neolithikum rechnen, so wie mit dem Ahnenkult und mit dem kultischen Kannibalismus. Bei den mitteleuropäischen neolithischen Schädelbestattungen, Schädelkulten sehen wir Traditionen von örtlicher, mesolithischer Herkunft, bis wir die Herkunft der, mit dem Fruchtbarkeitsritus verbundenen Erscheinungen, wie auch die Herkunft der neolithischen Lebensweise im Nah-Osten und in SO-Europa suchen müssen, also in denprimärenund sekundären Gebieten derNeolithisation, von denen diese Bräuche in verschiedenen Formen, aber mit gleichem Ziel stammen. Aus den besprochenen Funden aus dem Komitat Tolna nehmen wir letzthin die Vermischung mesolithischer europäischen Traditionen und der Wirkungen von der Herkunftaus SO-Europa und dem Nah-Osten an. 42