Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 12. (Szekszárd, 1984)

Zalai-Gaál István: Neolithische Schädelbestattungs- und Menschenopfer-Funde im Komitat Tolna, SW–Ungarn

38 vorausgesetzt, was im mitteleuropäischen Gebiet auf ein entsprechendes Bevölke­rungsverhältnis hindeutet. Der Schädelkult kann auch mit dem Kannibalismus und der Kopfjagd in Be­ziehung stehen. Im Neolithikum wurde - nach G. BEHM-BLANCKE -, im Ge­gensatz zum Paläolithikum ein sog. „kultischer Kannibalismus" bei den Begräbnis­sen, beim Ahnenkult und bei den Fruchtbarkeitsriten zu sakralen Zwecken ge­trieben. Diese Erscheinung greift schon auf das Gebiet der geistigen Sphäre hinüber. Der Kannibalismus ging in der Neusteinzeit vermutlich aus dem Gedan­ken der Fruchtbarkeit, von einem gewissen „Opfer-Kannibalismus" aus. Diese Fra­ge ist so auch im Neolithikum mit der Frage der Menschenopfer verbunden. Um diese komplizierte Erscheinung zu untersuchen, müssen wir die, auf das Men­schenopfer hinweisenden ältesten schriftlichen Quellen in Betracht ziehen, die auf die griechische Bronzezeit hindeuten können. Die Griechen hatten den Brauch des Menschenopfers, aber der grösste Teil der Angaben, die auf die Urzeit beziehbar gewesen wären, wird für mythisch gehalten. Ein grosser Teil der Riten war von prä­ventivem oder versöhnendem Ziel. Auf die griechische Bronzezeit ist die Sage zurückzuführen, nach der ein Kind durch Lykaion auf dem Altar von Zeus aufgeop­fert wurde. Auch in dem Attis-und Adonis-Kult, bzw. modizifiert auch im Dio­nysos-Kult, sind Spuren blutiger Riten auf uns gekommen. F. SCHWENN ist der Meinung, dass die Menschenopfer in der griechishen Urzeit noch häufiger sein konnten. Die Angaben um die Totenzeremonie des Patroklos werden als Beispiel oft zitiert, dass die Erinnerung an die älteren und roheren Begräbnissbräuche noch auch bei Homer weiterlebte. Ein Teil der Kinderopfer ist mit den sog. Erstlingsopfern zu paralellisieren, für die die besten archäologischen Beweise die Funde von Teil Azmak, Obre I, Vinca, Gorzsa, Quedlinburg, Hanau, Mórágy-Tűzkődomb und Szakály-Rétifbldek wären. ARISTOTEL sah die Gelegenheit der allerältesten gemeinsamen Feste und Opfer in der Darbringung der Erstlinge nach der Ernte. Das sog. „primitiae-Opfer", Dar­bringung der Erstlinge aller Ernte oder des Zuwachses, kam auch bei den Griechen ausserordentlich häufig und in vielerlei Formen vor. Die Heiligkeit der frühen Ernte, bzw. des Zuwachses am Jungtieren konnte sich mit der Aufopferung von Kindern und Jungen vermischen. Wir können damit einverstanden sein, dass ein Teil der Kinderskelette, bzw. Teile von solchen in den Siedlungen und Friedhöfen auf gewisse Kulthandlungen hindeuten, die die Fruchtbarkeit des Bodens, die Ver­mehrung der Tiere, also die Grundlagen des neolithischen Lebens sichern sollten. Darauf wird von den meisten Forschern auf Grund ethnologischer Quellen geschlossen. Es gibt eine Menge ethnologischer Angaben, die sowohl für den Schä­delkult wie für den Kannibalismus oder einen Fruchtbarkeitsritus sprechen. Aber trotz jenem, dass die ethnologischen Angaben die prähistorischen Forschungen in vieler Beziehung ergänzen können, dürfen wir die archäologischen und ethnolo­gischen Erscheinungen nicht ohne weiteres identifizieren, wir können nur even­tuelle Folgerungen aus den letzteren auf die vorigen ziehen. Nach den Glauben vieler Naturvölker ist die Fruchtbarkeit und die den Wuchs der Ernte befördernde Kraft im Kopf konzentriert. Die Fruchtbarkeitsmagie erreicht ihren Höhepunkt im Menschenopfer. In der Ansicht der „primitiven" Bodenbauer sind nämlich die Pflanze und der Mensch gleich. Durch das mit der Fruchtbarkeitsmagie verbundene Menschenopfer wird die Fruchtbarkeit sowohl des Menschen wie der Ernte gesichert. Für die, mit diesem in Beziehung stehenden 40

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