Istvánovits Eszter: International Connections... (Jósa András Múzeum Kiadványai 47. Aszód-Nyíregyháza, 2001)

Marcin Biborski - Piotr Kaczanowski: Zur Differenzierung der spätkaiserzeitlichen und frühvölkerwanderungszeitlichen Bewaffnung im Barbaricum

Zur Differenzierung der spätkaiserzeitlichen und frühvölkerwanderungszeitlichen Bewaffnung im Barbaricum Marcin Biborski - Piotr Kaczanowski Die Studien zur Problematik der Differenzierung der Bewaffnung bei den Bewohnern des Karpatenbeckens im 5. Jahrhundert wurden vorrangig durch die in der Getica (261) enthaltene, äußerst interessante Information des Jordanes angeregt. Es handelt sich dabei um eine Beschreibung der Schlacht am Nedao, die irgendwo im Gebiet Pannoniens ausgetragen wurde, also um die Ereignisse vom Anfang der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Jordanes hatte zweifellos die Absicht, dem Leser die Größe und die Bedeutung dieses Ereignisses und damit die Tragweite des kämpferischen Einsatzes der germanischen Völker, vor allem der Goten, in dessen Folge sie das hunnische Joch abzuschütteln vermochten, zu schildern. Dieses bahnbrechende Moment in der Geschichte des Karpatenbeckens, das für die Geschichte anderer europäischen Gebiete eine sehr wichtige Zäsur bildete, wurde von Jordanes auf eine sehr eindrucksvolle und bildhafte Weise gezeichnet. Wenn man die Schilderung des Jordanes wörtlich nimmt, so könnte man meinen, daß sich die am Kampf gegen die Hunnen beteiligten Krieger, die den unterschiedlichen Stämmen, so den Goten, Gépiden, Rugiern, Sueben, Herulen und Alanen, angehörten, sowohl in der Bewaffnung, als auch im Kampfstil stark voneinander unterschieden. Ganz bestimmt ist die Schilderung des Jordanes nicht wörtlich zu nehmen; es ist dies gewissermaßen eine literarische Metapher, eine Beschönigung der Schlacht mit der Absicht, die Bedeutung dieses Ereignisses sowie den hohen Rang des kämpferischen Einsatzes der Goten und ihrer Verbündeten hervorzuheben. Es stellt sich nun die Frage, inwiefern die archäologischen Funde und Befunde imstande sind, das von Jordanes vermittelte Bild von einer Differenzierung im Bereich der Bewaffnung bei den Völkern, denen in der Mitte des 5. Jahrhunderts im Karpatenbecken eine führende Rolle zukam, zu bestätigen. Die Beantwortung dieser Frage wird vor allem durch zwei Faktoren erschwert - und zwar durch die zu knappe Quellenbasis und die Interregionalität im Bereich der Bewaffnungs- und Ausrüstungsformen sowie der Kampfweise, wie sie für die meisten chronologischen Abschnitte der römischen Kaiserzeit und der frühen Phase der Völkerwanderungszeit im Gebiet des Barbaricums wie auch in den reichsrömischen Gebieten, die sich am Ausgang der Antike unter der Vorherrschaft der mittel- und nordeuropäischen Stämme befanden, zu beobachten sind. Jene Interregionalität der Bewaffnungsformen kommt deutlicher in der frührömischen Kaiserzeit, insbesondere in ihrem älteren Abschnitt, zum Ausdruck, als die Bewaffnungs- und Ausrüstung­selemente, ebenso wie die anderen Gegenstände, deutlich durch die neue Kultur­strömung, die im Barbaricum zur Herausbildung des frührömischen Stils geführt hatte, beeinflußt wurden. In der frühen Phase der Völkerwanderungszeit werden auf diese Interregionalität in der südlichen Zone Mitteleuropas und deren südöstlichen Regionen neben stilistischen Strömungen wohl auch andere Faktoren Einfluß genommen

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