Istvánovits Eszter: International Connections... (Jósa András Múzeum Kiadványai 47. Aszód-Nyíregyháza, 2001)

Boris V. Magomedov: Die Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç-Kultur in der Karpatenregion

Spuren des thrakischen Substrats leben in den Karpatoukrainern weiter. Obwohl sich ihre Anthropologie und ethnographischen Züge von denen der übrigen Ostslawen unterscheiden, sind sie den anderen Völkern der karpato-balkanischen Zone sehr ähnlich. V. Djacenko hebt hervor, daß große Teile der Gebiete der Karpatenhügel­Kultur und des anthropologischen Gebiets der karpatoukrainischen Bevölkerung zusammenfallen (DJACENKO 1965, 124). Auf das gleiche Substrat deuten auch die uralten Balkanismen in der Sprache der Karpatoukrainer hin (DESNICKAJA 1976), und zwar Wörter wie ватра - Lagerfeuer, колиба - Blockhaus, царина - Grundstück, газда ­Wirt, барда - Axt, киптар - Pelzweste, вирколак (вурдалак) — Vampir, кошара - Schafstall, цап - Ziegenbock, бринза - Schafkäse, мамалига - Grütze, паланка - befestigte Siedlung, плай - Hochebene und (Berg)Fußweg, бескид - Gebirge usw. Wurzeln ähnlicher Wörter gibt es in der albanischen Sprache, die zu den paläobalkanischen Sprachen gehört und den alten thrakisch-dakischen Sprachen am ähnlichsten ist. Anfangs der spätrömischen Zeit blieben Daker und Carpen die größten nordthrakischen Völker. Die ersten stark romanisierten Gruppen lebten teilweise in der Provinz Dacia und teilweise entlang des Limes in Muntenia (Chilia-Militari-Kultur) (BICHIR 1984). Die freien Carpen besetzten die Gebiete zwischen den östlichen Karpatenhängen und dem Prut. Ihre Poienesti-Vîrteskoi-Kultur datiert man ins 2.-3. Jahrhundert (BICHIR 1973). Carpische Gräberfelder sind bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts belegt, als die Denkmäler der Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mures-Kultur in Moldawien erschienen. Im Laufe der „Skythenkriege" (238-270) verbünden sich die Carpen mit den Goten. Nach Jordanes sind es sehr kriegserfahrene, den Römern oft feindlich gesinnte Menschen (Jordanes, Getica 91). In den Jahren 238, 248 und 250 unternehmen sie gemeinsame Feldzüge. Doch ungeachtet des Bündnisses beginnen die Wisigoten in dieser Periode, das carpische Territorium am rechten Ufer des Flusse Prut zu besiedeln (Todireni, Cosia-Jasi, Bîrlad-Valea Seacä). Nach dem Krieg wurde die Eroberung der Gebiete im rumänischen Moldawien fortgesetzt und die Carpen waren gezwungen, sich nach neuen Siedlungsplätzen umzusehen. Wahrscheinlich versuchten sie, sich am Unterlauf der Donau auf römischem Gebiet niederzulassen, wurden jedoch 295 von Kaiser Galerius in Klein­Skythien (Dobrudscha) geschlagen (Jordanes 91; SKRZINSKAJA 1997, 252, Anm. 301). Diokletian siedelte die Carpen innerhalb kurzer Zeit nach Pannonién um, und im Jahre 303 konnte auch der andere (offensichtlich letzte) Teil des Stammes auf dem Territorium des Imperiums Zuflucht nehmen (Ammian. XXVIII, 1, 5; WOLFRAM 1990, 66). Die Goten beginnen sich noch vor der offiziellen Evakuierung dieser Provinz, um 271, in der Nähe der Grenze des römischen Dacia anzusiedeln. Darauf deuten die frühen Grabkomplexe von Tîrgsor in Muntenien hin. Die Massenbesiedlung Munteniens durch die Germanen setzt um die Wende vom 3. auf das 4. Jahrhundert ein. Schriftquellen des 4. Jahrhunderts bezeichnen das Gebiet am Unterlauf der Donau, einschließlich dem ehemaligen Dacia, zuweilen als „Gothia", und das linke Ufer der Donau als „gotisches Ufer" (BUDANOVA 1980; BUDANOVA 1990,114).

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