Istvánovits Eszter: International Connections... (Jósa András Múzeum Kiadványai 47. Aszód-Nyíregyháza, 2001)

Boris V. Magomedov: Die Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç-Kultur in der Karpatenregion

In Siebenbürgen lebte die Bevölkerung der Cernjachov-Marosszentanna/ Sîntana de Maro§-Kultur scheinbar nur am Anfang der Hunnenzeit. Dies entspricht der 378 erfolgten Umsiedlung von Athanarichs Wisigoten 1 in das „Caucaland", von wo er (nach Ammianus) Sarmaten verdrängte (Ammian. XXXI, 3, 4-8, 4,13). Möglich, daß es Jazygen aus der Mitteldonauniederung waren, wo sie die Mehrheit der sarmatischen Bevölkerung bildeten. Ein Teil von ihnen schloß sich den Goten an und übernahm die Landstriche der Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç-Kultur. Das bestätigen die Gräberfelder von Fîntînele-Rît (Siebenbürgen) und Pietroasele 2 (Muntenia). Hier kamen Körperbestattungen mit Waffen zum Vorschein und fast alle Gräber haben südliche Orientierung (MARINESCU-GAIU 1989; DIACONU ET AL. 1977), obgleich letzteres Merkmal eher für die Sarmaten-Jazygen in Ungarn kennzeichnend ist (KULCSÁR 1998, 93). In anderen Cernjach ov-Marosszentanna/Sîntana de Mureç­Hinterlassenschaften der Karpatenregion (bzw. in allen des Cernjachov­Marosszentanna/Sîntana de Mures-Raumes außer dem nördlichen Schwarzmeergebiet) sind sarmatische Merkmale selten (MAGOMEDOV im Druck). Ein Teil der carpisch-dakischen Bevölkerung hat die früheren Siedlungsplätze nicht verlassen und ist in der Cernjachov-Marosszentanna/Sîntana de Mures-Kultur aufgegangen. Gh. Diaconu konnte in den Gräberfeldern dieser Kultur Brandbes­tattungen verschiedenen Typs absondern. Das germanische Element ordnet er den Gräbern der Tîrgçor-Olteni-Gruppe zu. Seiner Meinung nach sind die Brandbes­tattungen der Tirgcor-Gäräseni-Gruppe an die alten Traditionen der lokalen Bevöl­kerung zu binden (DIACONU 1964; DIACONU 1976, 310). In solchen Gräbern trägt das Inventar keine Brandspuren; die Urne oder die Gruben sind mit einem Gefäß oder mit Scherben bedeckt. Allerdings sind solche Brandbestattungen auch in verschiedenen Gebieten der Ukraine verbreitet, wo das thrakische Element fehlt (NIKITINA 1985, 64-77). Demnach war diese Bestattungsart bei den Germanen ebenfalls Brauch. Die carpisch-dakischen Keramikfunde zeigen die Anwesenheit eines kleinen Anteils der alten Bevölkerung genauer. Selten begegnet man ihnen in den Gräbern verschiedenen Typs (einschließlich Inhumationen) sowie in den Siedlungen der Cernjachov­Maroszentanna/Sîntana de Mures-Kultur in Rumänien (DIACONU 1976, 311-313), und noch seiter in der Republik Moldawien (RIKMAN 1975, 313, ris. 36). Aus dem Obengesagten ergibt sich, daß die Rolle der thrakischen oder carpisch­dakischen Komponente in der Cernjachov-Maroszentanna/Sîntana de Mures-Region von Moldawien, Muntenien und Siebenbürgen nicht groß war. Die archäologischen Merkmale dieser Komponente bieten keine festen Anhaltspunkte zur Absonderung einzelner territorialer oder ethnographischer Gruppen der Denkmäler innerhalb dieser Regionen. Bedeutender ist das thrakische Element am oberen Dnjestr und am Prut, wo die Altertümer der Lipitza-Kultur eines der Substrate des Typs von Cerepin­Teremtzy waren. Im 5. Jahrhundert hat diese Bevölkerung die Stämme der Karpatenhügel-Kultur assimiliert, so daß man dies als den Anfang der slawischen Expansion nach Süden bewerten kann. 1 Das Gotenvolk bestand aus zwei Stämme: westlich des Dnjestr siedelten Vesegoten (oder Terwingen), östlich siedelten Ostrogoten (oder Greutungen) (Jordanes, Getica 42; Ammian. XXXI, 3, 5).

Next

/
Thumbnails
Contents