A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 44. (Nyíregyháza, 2002)
Régészet - János Makkay: Das metallgeschichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen. Uralte hethitisch–protoslawische (und altslawisch–unungarische?) Kontakte im Hintergrund der Hexe Eisennase
Das metallgesichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen gingen der notwendigen Bedingung zur Herausbildung der Vorstellung von den metallgesichtigen Göttern: dem Entstehen des Metallhandwerks, bekanntlich weit voraus. Letzteres entstand erst viele Jahrtausende nach der Geburt des Spinnens und Webens. Bei allen auf Grund der Ähnlichkeiten dieser beiden Vorstellungskreise hergestellten Beziehungen oder Zusammenhängen muss man daher den Zeitfaktor, als Voraussetzung, besonders berücksichtigen: der an das Metallhandwerk (oder den Wagen, das Rad, das Pflügen, die Pferdehaltung u.a.) anknüpfende gemeinsame indoeuropäische Wortschatz oder irgendeine damit verbundene Vorstellung (beispielsweise die metallgesichtigen Götter und deren Darstellungen) kann ebenso wenig früher als die Anfange des Metallhandwerks datieren wie ein beliebiger, auf dem Spinnen-Weben gründender Brauch früher als das Erscheinen des Spinnens und Webens als solches. Der Zeitpunkt der Invention bestimmt also die postquem-Datierung der Entstehnung des Brauchs! Diese chronologische Voraussetzung bezieht sich ebenso auf die weiter oben behandelten sprachgeschichtlich-semantischen Verbindungen zwischen Pirwa, Perunas, Perkünas und Perum. Dass der sprachgenetische Ursprung und die semantische Verwandschaft des gemeinsamen Wortschaftzes bei Donner oder dem in eine Eiche einschlagenden Blitz auf eine beliebig lange Menschheitsgeschichte zurückblicken dürften, liegt auf der Hand. Denn Donner, Blitz und Eichenbaum kannten bestimmt auch die Menschen der frühen Altsteinzeit schon, sie waren von keiner menschlichen Invention abhängig. Aus diesem Blickwinkel könnte man also hinter den Namen Pirwa, Perunas und Perum auch sehr, sehr alte Zusammenhänge vermuten. Doch im Falle der mit Axt-Attribut oder auch als metallgesichtige Abbilder dargestellten Götter bestimmen archäologisch zu belegende Tatsachen die gewisse (minimale) Zeitstellung des Vergangenheitserbes: und zwar in die Zeit zwischen den Anfangen der Jungsteinzeit (bei der Steinaxt) und dem Beginn der Frühbronzezeit (bei dem mit Metall überzogenen Kopf oder besetzten Gesicht). Die zwischen der Axt als Fürstenzepter oder göttliches Attribut, weiters dem rituellen Spinnen und schließlich teilweise den metallgesichtigen Göttergestalten bestehenden Zusammenhänge deuten in erster Linie auf protohetithisch-protoslawisch-protoiranische Beziehungen hin. Genau wie auch anderen Überlegungen (MAKKAY 1993. 117-128. und auch MAKKAY 1995. 12. mit weiterem Hinweis auf JONES 1992. 31., 43.) zufolge könnte der Raum dieser Beziehungen die im weiteren Sinne verstandene Gegend am Unterlauf der Donau gewesen sein. Die Kontakte müssen damals noch unmittelbar gewesen sein, als in Südosteuropa das Spinnen und der Spinnrocken heimisch wurden, d.h. am Anfang der Jungsteinzeit, zur Zeit der Körös-Kultur in dieser Region. 18 Demzufolge haben sich die drei Dialektgruppen nach Beginn der Jungsteinzeit sprachlich voneinander getrennt. Engt man die Zusammenhänge auf die Axt als Attribut und insbesondere auf die metallgesichtigen Götterstatuen ein, dann erfolgte - oder zumindes begann - diese sprachliche Trennung nach der frühen Phase des Kennenlernens des Metallhandwerks, also im Anschluss an das Ende des südosteuropäischen Spätneolithikums; besonders in der nach dem Ende der Entwicklung der Notenkopfkeramik folgenden Periode, zur Zeit der Präcucuteni-Phasen (zu der Frage s. MAKKAY im Druck). Dass die Gegend am Unterlauf der Donau als Berührungszone zwischen den drei Dialektgruppen am wahrscheinlichsten ist, dafür spricht noch eine weitere interessante Beobachtung in Verbindung mit der rituellen Rolle des Spinnens: Eine römerzeitliche Göttin wurde 18 Die ältesten bekannten Angaben zur jungsteinzeitlichen Textilherstellung sind gegenwärtig die diesbezüglichen Funde der Körös-Kultur. S. MAKKAY 2001.