A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 44. (Nyíregyháza, 2002)

Régészet - János Makkay: Das metallgeschichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen. Uralte hethitisch–protoslawische (und altslawisch–unungarische?) Kontakte im Hintergrund der Hexe Eisennase

János Makkay stellte - wie oben gesehen - Mokos dar; sie war die Göttin des Spinnens, mit einer ernsthaften Rolle in der ostslawischen Religion. In dieser Frage gibt es ebenfalls Spuren slawisch-iranischer Beziehungen, wurden doch in den skythischen Gräbern der Schwarzmeergebiete recht häufig silberne Spinnwirtel ge­funden (JAKOVENKO 1991. 111-113. und auch GAVRILYUK 1987. 116-130.). Das hatte nicht praktische, sondern religiöse Ursachen (MAKKAY 1995. 14., MAKKAY 1995B. 348. mit weiterer Literatur). 17 Herodot berichtet (IV, 34), dass junge Mädchen auf Delos eine Haarlocke um eine Spindel wickelten und sie in das Grab einer Jungfer hyperboräischer, vermutlich skythischer, Abstammung legten. Der Ursprung dieser skythenzeitlichen religiösen Bräuche geht auf das Zeitalter der Holzbalkengräber (der Srubnaja-Kultur) zurück (TSIMIDANOV 1999. 224-227.). Eine letzthin erschienene Studie zählt zu derartigen bronzezeitlichen Bräuchen ein Dutzend Angaben auf. In der Region Dnjepropetrowsk wurde an einem Fundort namens Boguslav ein Heiligtum freigelegt, unter dessen Fundinventar sich auch Spinnwirtel befanden. Im Haus 5 von Usatovo stieß man auf eine Opferstätte, wo in der Nähe des Altares zwei Spinnwirtel mit 6-7 cm Durchmesser lagen. An der Fundstelle 3 von Malopolskoje, im Gebiet von Kiew, wur­de eine Opfergrube der Kultur der Holzbalkengräber aufgedeckt, in der ein Spinnwirtel in ri­tueller Umgebung zum Vorschein kam. Ebenso fanden sich Holzbalkengräber, die Spinnwirtel enthielten. Im Grab 8 des Gräberfeldes II von Alexandrovskoje (Gebiet Saratow) entdeckte man die Reste einer bronzezeitlichen Fadenspule. Diese Angaben hat V.V Tsimidanov zusam­mengestellt, demzufolge die (offenbar irgendeine frühiranische Sprache sprechenden) Men­schen der in Holzbalkengräbern bestattenden Völker die Spindel und das rituelle Spinnen mit dem Jenseits bzw. dem Gang in die Unterwelt verbanden. Und in der Vorstellungswelt der ira­nischen Völker konnte man sogar die böse Hexe mit einer Spindel vernichten (TSIMIDANOV 1999.). Damit sind wir an einem Punkt angelangt, wo die beiden kurz geschilderten Themen­kreise: die Alte oder Hexe mit Metallgesicht und das rituelle Spinnen, aufeinander treffen. Beides sind sehr alte Glaubenselemente, und die obigen Details - so hoffe ich - machen deut­lich, dass der Ursprung des Vorstellungskreises von der Hexe Eisennase keineswegs in der ura­lisch-finnougrischen Welt zu suchen ist, sondern vielmehr in jenen Gebieten, wo das Metall­handwerk Jahrtausende früher als den in der Taiga lebenden Finnugorén bekannt war; irgend­wo im Süden, im Nahen Osten oder in dessen Nachbarschaft, in Kleinasien, von dessen ural­ten Völkern auch die sich in indoeuropäischen Sprachen verständigenden Gruppen Südost­europas das Metallhandwerk erlernt haben. Darunter auch die (damals noch in Europa leben­den) Ahnen der Hethiter sowie die Vorfahren der Slawen und Iranier. Ihre metallgesichtigen Gottheiten sind gewiss die frühesten dergestaltigen Vorstellungen und Figuren gewesen, denen die finnougrischen Hexengestalten mit Metall- oder Eisengesicht erst Jahrtausende später ge­folgt sein mögen, ob nun als selbständige Schöpfungen der Religionsentwicklung (was ich nicht glaube) oder auf dem Wege der Übernahme-Nachahmung-Weitergabe. Übernommen wurden sie höchstwahrscheinlich von den Protoslawen oder deren Vorfahren. Gleichermaßen verhält es sich mit der einzigen zur Herausbildung des Brauchs des ri­tuellen Spinnens notwendigen Voraussetzung: mit der Geburt des Spinnens und Webens. Die bekannten Anfänge des Spinnens (und Webens?) spätestens zu Beginn des Spätpalaeolithikums Die in der Gegend des Flusses Ural in den Gräbern der frühsarmatischen Pokrovsk-Kultur gefundenen Spinnwirtel aus Kalkstein deuten ebenfalls auf den Brauch des rituellen Spinnens hin. S. DAVIS-KIMBALL 1997. 333. 30

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