A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 44. (Nyíregyháza, 2002)

Régészet - János Makkay: Das metallgeschichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen. Uralte hethitisch–protoslawische (und altslawisch–unungarische?) Kontakte im Hintergrund der Hexe Eisennase

Das metallgesichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen Bei den hethitischen Bestattungsritualen, die in der Hauptstadt Bogazköy stattfanden und im Falle des Herrscherpaares 14 Tage dauerten, hielt man die Zeremonie am achten Tag in einem eigens dafür aufgestellten Zelt ab: die den verstorbenen König verkörpernde Statue hielt Pfeil und Bogen, die der Frau Rocken und Spindel in den Händen (HAAS 1994. 225.). Die männliche Istar hatte in Kleinasien noch eine andere Erscheinungsform, ebenfalls in weibli­cher und männlicher Gestalt: Istar-Sawoska/Sauska. Als Frau bedeckten die Brust der Gottheit Goldbleche, in Gestalt des Mannes (Reitergott) hielt sie eine Goldaxt in der rechten Hand (siehe oben!). Nach dem Wortlaut des an sie gerichteten Gebetes gab man Männern, denen die Männlichkeit ermangelte, Spinnrocken und Spindel in die Hand (HAAS 1994. 351.). In dem ge­gen Impotenz dienenden sog. Paskuwatti-Ritual hält der daran leidende Mann zunächst weib­liche Symbole, nämlich Spindel und Spinnrocken, in seiner Hand, und nachdem er ein Tor durchschritten hat, bekommt er stattdessen einen Pfeil, das Symbol der Männlichkeit, wodurch seine Manneskraft wiederhergestellt wird (HAAS 1994. 898-899.). Eine weitere, schon meso­potamische Gestalt der Kriegsgöttin, d.h. der männlichen, Istar war also die altbabylonische Göttin Zabába, deren Kraft man (wenn sie als Gegner auftrat) mindern konnte, indem man ihre Waffe (einen Pfeil) gegen eine Spindel vertauschte (HAAS 1994. 364-365.). Unter den Relief­darstellungen des oben erwähnten Gefäßes von Hasanlu ist ebenfalls eine auf einem Löwen rei­tende Göttin zu sehen, vielleicht die in Kleinasien verehrte Kubába, und auch sie mit einer Spindel in der Hand (HAAS 1994. 527-528.). Ein hethiterzeitlicher, aber noch dem hattischen Zeitalter entstammender mythischer Text schildert ein Wechselgespräch zwischen der Throngöttin und dem Adler. Die Rede ist von zwei Göttinnen namens Istustaya oder Estustaya und Papaya, welche am Ufer des Schwarzen Meeres im Wald sitzen, eine der beiden mit einer Spindel, die andere mit Kamm und Spiegel in ihren Händen, und den Lebensweg des Königs spinnen und weben. Nach dem Wortlaut des Zaubergebets (HAAS 1994. 725.) hört sich dieser Teil des Wechselgesprächs zwischen Thron­göttin und Adler folgendermaßen an: „Wenn aber der König in das Haus hineinkommt, ruft die Throngöttin den Adler: 'Komm her, zum Meer will ich dich schicken. Wenn du aber unterwegs bist, so beobachte in Wiese und Wald, welche (Wesen) dort sind. ' Da antwortete der Adler: 'Ich beobachtete; Istustaya (und) Papaya, die unterirdischen, uralten Göttinnen, und die (göttlichen) kusa (-Wesen) knien (dort)." 1 Daraufsagt sie: 'Und was machen sie?' Jener antwortet ihr: '(Eine jede) hält einen Spinnrocken (und) volle Spindeln halten sie. Und des Königs (Lebens-) Jahre spinnen sie; die Kürze der Jahre und ihre (begrenzte) Anzahl wird nicht gesehen. ' Dies sind die frühen Gefährtinnen der römischen Parzen (Parcae), der griechischen Moiren (Moipca, die drei Töchter von Zeus und Hera, die Schicksalsgöttinnen) sowie der alt­germanischen Nomen, Göttinnen des indoueropäischen Erbes, die den Lebensfaden spannen, maßen und schließlich durchtrennten. 15 Auf einer am Fundort Maras in Kleinasien gefunde­nen posthethitischen (Wende 877. Jh. v. Chr.) Stele sieht man eine Frau an einem Tisch sitzen und spinnen. B. Hrouda verglich dieses Spinnen mit der schicksalvollen Tätigkeit der zuvor erwähnten Göttinnen (HROUDA 1990. 109-113.). 16 Eine der in Kiew errichteten Kultstatuen 15 Darstellung einer germanischen Spinn-Göttin auf einem süddeutschen Brakteat s. SHEPHERD 1999. Abb. 3 a. d. 228. 16 Zur Stele von Maras s. AKURGAL-HIRMER 1976. Abb. 138.

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