A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 44. (Nyíregyháza, 2002)
Régészet - János Makkay: Das metallgeschichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen. Uralte hethitisch–protoslawische (und altslawisch–unungarische?) Kontakte im Hintergrund der Hexe Eisennase
János Makkay Orientalische bzw. iranische Beziehungen hat die Gestalt des Perum als Gottheit mit Axt an und für sich (POHL 1977. 8.). So dürfte es kaum verwundern, dass auch N. J. Vesselovskij im ausgehenden 19. Jahrhundert in zwei in der Umgebung von Majkop freigelegten sarmatenzeitlichen (eventuell skythischen) Gräbern auf ein solches Zepter (mit Eisenstab) stieß, dessen Kopf eine uralte Steinaxt war. In einem der 1897 freigelegten Gräber ruhte ein Krieger in eiserner Rüstung und mit Eisenhelm; bei seiner Schulter fand man eine Steinaxt, die in einem bis zu den Füßen reichenden Eisenstab befestigt war. Als nächstes grub er im laufenden Jahr 1899 bei Khatashukajev und stieß dabei auf ein Frauengrab, in dem er außer viel Goldschmuck, einem Kupferkessel skythischen Typs ... wiederum eine Steinaxt fand. Vesselovskij sieht in diesen steinzeitlichen Gegenständen Amulette (JANKÓ 1900. 134.). 11 Und noch einen weiteren hethitisch-slawischen Zusammenhang gibt es bezüglich der Äxte: In einem der den hethitischen Gott Perunas erwähnenden Texte gebrauchte man für Axt das luwische Wort maldani, das dem hethitischen Wort malatt- und dem altslawischen Wort mlatu entspricht, beide mit der Bedeutung 'Axt' (POHL 1977. 29., MAKKAY 1995. 13. Anm. 41. Vgl. noch WATKINS 1995. 429.). Die hier kurz zusammengefassten sprach- und religionsgeschichtlichen Beziehungen zwischen dem Frühslawischen und Hethitischen sind kein Einzelkuriosum. Als weiteres Beispiel möchte ich den Brauch des rituellen Spinnens anführen, dessen Details sich in jüngster Zeit, Dank der sich langsam mehrenden archäologischen Funde und Schriftquellen, abzuzeichen beginnen. 12 Unsere heutigen Kenntnisse projizieren hethitisch-protoslawisch-protogermanisch-protoiranische Strukturen, es gibt allerdings auch griechische Quellen. Auch bei dieser Frage führen die frühesten Angaben zu den oben erwähnten frühbronzezeitlichen Fürstengräbern, in denen höchstwahrscheinlich - wie zuvor ebenfalls schon erwähnt - die Herrscher der alten hattischen Welt, also nicht der indoeuropäischen Kleinasiens, ihre letzte Ruhestatt fanden. Von den Fundorten Alaca Höyük, Horoztepe, Merzifon und Karatas sind aus hattischen Fürstengräbern dieses Zeitalters aus Silber, Gold, Elektron und Elfenbein gefertigte Spinnwirtel bekannt. 13 Spinnwirtel aus Elfenbein fand man auch in der spätmykenischen Welt, in Perati. Solche aus edlem Material hergestellte Spinnwirtel dürften wohl kaum Arbeitsgeräte des täglichen Lebens gewesen sein, und dementsprechend hat Homer in seiner Odyssee die Schöne Helena, weil sie auf einem goldenen Spinnrocken spann, mit der Göttin Artemis verglichen. Wie es heißt, bekam Helena den Spinnrocken noch lange, lange vor dem trojanischen Krieg von Alkandre, der Gemahlin des im ägyptischen Theben herrrschenden Königs Polybus, zusammen mit anderen prächtigen Geschenken. 14 Nach hethitischen Schriftquellen war der Spinnrocken (neben anderen) das Attribut einer hurrischen Göttin, und der Handrocken sowie das Drehen des Handrockens sowie der Spindel waren Teil einer im Kultsaal zelebrierten rituellen Handlung. Auch die Spindel - hetithisch tijari - war, den Texten zufolge, Attribut einer weiblichen Gottheit, und das Spinnen selbst Bestandteil der religiösen Bräuche (POPKO 1978. 108., ALP 1983. 239., HAAS 1994. 373.). 11 Der Kongress fand am 13.-31. August 1899 statt und Jankó's Angaben stammen aus dem Vortrag von N. J. Vesselovskij. Die Publikation der Gräber ist mir nicht bekannt. 12 Zusammenfassend s. meine Studie: MAKKAY 2001. 13 S. BARBER 1990. 61-62. und mit korrigierten Angaben MAKKAY 1995B. 348. 14 Odyssee 4. 120-140. 28