A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 44. (Nyíregyháza, 2002)
Régészet - János Makkay: Das metallgeschichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen. Uralte hethitisch–protoslawische (und altslawisch–unungarische?) Kontakte im Hintergrund der Hexe Eisennase
Das metallgesichtige Götterstandbild, die Axt als Attribut, und das rituelle Spinnen Goldblech überzogen (ROST 1961. 7.). H. G. Güterbock hat von wichtigen Fundorten die Monumentalreliefs mit späthethitischen Götterdarstellungen zusammengestellt, auf denen Männergestalten (Götter) mit einer Axt in der Hand abgebildet sind (Relief 38 von Yazilikaya, MalatyaArslantepe, Sam'al-Zincirli; GÜTERBOCK 1983. 205.). 8 Als interessantes Detail kommt bei Letzterem hinzu, dass der Gott ein Zepter mit einem Kopf offenbar in Form einer urzeitlichen Steinaxt in seiner Rechten hält. Betrachtet man die goldaxtköpfigen hethitischen Gotteszepter Kleinasiens, muss man unwillkürlich an die Funde der (um 2200 v. Chr. datierten) Königsgräber von Alaca Höyük (sowie die umstrittenen Königsgräber von Dorak) denken. Im Grab „B" von Alaca wurde ein Zepter mit goldbeschlagenem Stab gefunden, auf dem als Kopf ein goldener Morgenstern saß, während das Zepter des im Grab „E" ruhenden frühbronzezeitlichen Fürsten eine archaische Hammeraxt aus Kupfer war (MAKKAY 1988. 19.). Für das Verständnis der zwischen Pirwa und Perum vermuteten uralten Beziehungen ist es sehr wichtig, dass die besten Parallelen dieser in den Königsgräbern von Alaca Höyük gefundenen Zepter vom östlichen Teil der Balkanhalbinsel, weiters aus dem Material der Bodrogkeresztúr-Kultur 9 und insbesondere aus mehreren Gräbern des bekannten Goldgräberfeldes von Varna bekannt sind. Hier trifft man unter den Zepterköpfen die Steinaxt bzw. Kupferaxt ebenso an wie den Goldhammer (MAKKAY 1987. 71-72., MAKKAY 1988. 16-21., MAKKAY 1989. 61-65., Abb. 7-9., MAKKAY 1990. 535-537., MAKKAY 1995. 12-13.). Es ist also kaum daran zu zweifeln, dass das bei den Hethitern als Attribut des Gewittergottes bekannte (gold)axtköpfige Zepter auf frühbronzezeitliche hattische - oder noch frühere ostbalkanische - Vorläufer zurückgeht: aus dem von den einstigen hattischen Herrschern ererbten, von den Ureinwohnern übernommenen Machtsymbol wurde das Attribut der hethiterzeitlichen Gottheit. Dieses Attribut wahrte die Traditionen zuweilen auch auf die Art, dass der Zepterkopf nicht dem Axttyp des gerade aktuellen Zeitalters, sondern einer früheren, archaischeren Axtform entsprach: Steinaxt in der Frühbronzezeit, Kupferaxt in der Mittelbronzezeit usw. Solche Machtsymbole waren übrigens auch die wunderbaren Steinäxte im L-Schatz von Troja und auch die von Dorak (GOLD OF TROY 1996. Nos. 166-169 a.d. S. 148-152, aus Nefrit, Jade, Lazurit. S. MAKKAY 1988. 20.). Das Axt-Attribut Perum''s hat aber nicht nur nach Kleinasien führende, im Laufe der Jahrtausende ziemlich verblasste, 10 sondern auch iranische Beziehungen, da das frühslawische und das frühiranisch-altiranische Siedlungsgebiet entlang des Dnjepr seit Urzeiten Grenznachbarn waren. An dem berühmten Gefäß von Hasanlu (HAAS 1994. 527-528., Abb. 101. Datierung um 1000 v. Chr.) sowie in einzelnen Darstellungen skythenzeitlicher Funde aus den Kurganen von Castij und Kelermes begegnet man ebenfalls axtförmigen Attributen in der Hand von Männerfiguren (Göttern, Fürsten, Herrschern?), und auch diese erinnern interessanterweise an die altmodischen Äxte längst vergangener Zeiten, an Steinäxte (KUROCKIN 1992. 101.). 8 Zu Maiatya s. BITTEL 1976. Taf. 276. und 278. 9 Zur Goldaxt der Bodrogkeresztúr-Kultur bzw. zu dem auf Grund des Schatzfundes von Tiszaszőlős-Mojgrád rekonstruierbaren Zepter mit goldbeschlagenem Stab s. MAKKAY 1989. 67. und Abb. 7. 0 Verblasst bedeutet in dem Fall, dass die Axt als Attribut kein ausgesprochenes Symbol der namenverwandten Gottheit Pirwa mehr war, sondern auch das des kleinasiatischen Gewitter- oder Kriegsgottes. Perum wiederum war ein Gewittergott, so dass zwischen dem Protoslawischen und Protoanatolischen dennoch irgendeine Verbindung bestanden haben muss. Zu der komplizierten Frage s. MAKKAY 1988. 18-19. mit weiteren wichtigen Hinweisen.