A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 36. - 1994 (Nyíregyháza, 1995)

Helmut J. Windl: Ein Brunnen? der jüngern Linearbandkeramik aus Schletz, BH Mistelbach NÖ. (Vorbericht)

Ein Brunnen? der jüngeren Linearbandkeramik aus Schletz, BH Mistelbach NÖ. (Vorbericht) Helmut J. WINDL I, .m Sommer 1993 wurden die Ausgrabungen im Areal der linearbandkeramischen Siedlung von As­parn an der Zaya bzw. Schletz in derem Südwestteil anschließend an frühere Grabungen fortgesetzt (WINDL 1983-, WINDL 1984, WINDL 1987, WINDL 1989, WINDL 1990, WINDL 1991, WINDL 1992.). Die Fläche hatte bisher einen unvollständigen Sohl­graben aus dem Übergang der älteren Linearband­keramik zur Notenkopfkeramik, mehrere Hausgrund­risse und dazugehörige Gruben der Notenkopf­keramik (LENNEIS 1991, WINDL 1990.) und ein doppeltes Sohlgrabensystem und einige Gruben der jüngeren Notenkopfkeramik mit Zeliecovce-Einfluß ergeben. Dieses jüngste Grabensystem bereitet inso­ferne einige Interpretationsprobleme, als einerseitse­ine Gleichzeitigkeit beider Gräben durch eine Ver­bindung gesichert ist (WINDL 1991.), anderseits aber auch, wie in der Kampagne 1993, Überschneidungen vorkommen. Darüberhinaus sind die Gräben an meh­reren Stellen durch Erdbrücken unterbrochen, die teilweise sekundär abgegraben worden sind. Das gesamte Grabensystem dürfte daher in einzelnen Abschnitten, die bald nach ihrer Anlage wieder ver­füllt wurden, entstanden sein. Da auf den Grabensoh­len gehäuft menschliche Skelette und Skeletteile liegen ist die Deutung der Anlage als Sonderbestat­tungsplatz nicht auszuschließen. Eine Deutung der Gräben als Befestigung, wie sie unlängst versucht wurde (TRNKA 1991.), ist damit hinfällig. Die Grabung 1993 schnitt 14 m innerhalb des Gra­bens ein Objekt an, das vorläufig als Brunnen ange­sprochen wurde. Befund: Unter dem Humus zeichnete sich im an­stehenden Löß eine unregelmäßige Verfärbung von 260 cm Durchmesser ab. In ca 170 cm Tiefe reduzier­te sich die Verfärbung auf ein Quadrat mit abgerun­deten Ecken und einer Seitenlänge von 220 cm. Ab einer Tiefe von 460 cm wurde innerhalb dieser Verfärbung ein scharfkantiges Quadrat mit einer Sei­tenlänge von 120 cm sichtbar. Es ließ sich unschwer als Holzkasten deuten, der aus 6 cm starken Brettern in Blocktechnik errichtet worden war. Am unteren Ende der Verfärbung, in 750 cm Tiefe, waren in den Ecken des Kastens zugespitzte Pfosten zu erkennen, die zu seiner Fixierung in den Löß getrieben worden waren. Der Schacht war bis ca. 200 cm unter der Oberfläche in feinen Schichten sedimentiert, die in­nerhalb des Kastens ihre Fortsetzung 20 cm tiefer hatten. An der Sohle lag etwas Grobkeramik und Tierknochen, die Sedimentationsschichten enthielten vereinzelt menschliche und tierische Knochen. Es wur­den auch Pollenproben entnommen, deren Untersu­chungsergebnis noch aussteht, jedenfalls handelt es sich aber um Baum- und Getreidepollen. Das Füllma­terial wurde auch floatiert, die Bestimmung der dabei gefundenen Pflanzenreste fehlt aber noch. Der oberste Bereich des Schachtes war ziemlich einheitlich verfüllt und enthielt unter anderem ein Keramikbruchstück vom Typus Sarka, was die Datierung in die jüngere Phase der Notenkopfkeramik sichert. Deutung: Der Befund entspricht im wesentlichen dem erst kürzlich gefundenen Brunnen von Erke­lenz-Kückhoven (WEINER 1992.), der allerdings zwei ineinandergestellte Holzkasten enthielt. Die Kasten­maße waren hier 300x300 bzw. 160x160 cm. Dieser Brunnen gehört zu einer bandkeramischen Siedlung, was durch Cl4-Proben bestätigt wurde. Noch größer als zu diesem Brunnen ist die Ähnlichkeit der Schlet­zer Anlage mit einem Brunnen der Linearbandkera­mik von Mohelnice (TICHY 1972.). Hier hatte der aus Brettern von 5 cm Stärke in Blocktechnik gefertigte Kasten eine Seitenlänge von ca. 100 cm. Er war mit senkrechten Pfosten im Boden fixiert. Bei beiden Brunnen waren die Einbauten aus Eichenholz. Beim Brunnen von Mohelnice verengte sich der Schacht in 200 cm Tiefe von 300 auf 200 cm, eine weitere Übereinstimmung mit Schletz. Während die Funktion der Brunnen von Mohelnice und Erkelenz-Kückho­ven wegen ihres Einbaues in wasserführende Schot­terschichten eindeutig ist, treten bei der Deutung von Schletz Probleme auf. Hier liegt der gesamte Schacht in Löß und es konnte keine wasserführende Schicht gefunden werden. Der Hydrogeologe Dr. F. Borovic­zény schließt daher eine Funktion des Objektes als Brunnen aus. Mögliche Funktionen wären ein Opfer­schacht oder eine Kühlgrube für Fleisch. Wegen der großen Ähnlichkeit mit tatsächlichen Brunnen ist die Deutung als Zisterne zum Sammeln von Oberflä­chenwasser am wahrscheinlichsten. Wasser war.al­lerdings in der Siedlung durch eine bis vor 30 Jahren aktive Quelle vorhanden, die auch archäologisch noch nachgewiesen werden konnte.

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