A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 12-14. - 1969-1971 (Nyíregyháza, 1972)
Muraközi Ágota: Verzierte Vorhäuser in dem Dorfe Ajak
Farbe. Den vorderen und hinteren Mauerbogen verzierte man mit einem aus einem Krug heraushängenden blühenden Ast — eine Hinterlassenschaft der Renaissance. Die freigebliebene Wandfläche wurde mit Rosmarin-Viereken ausgefüllt, in deren Mitte ein von Ziertellern nachgeahmter Blumenstrauß gemalt wurde. Das Vorhaus bot trotz seiner bunten Form einen harmonischen Anblick u. wirkte keineswegs überfüllt. Diese Verzierungsfertigkeit stieg bei einigen Frauen auf künstlerisches Niveau. Den gemeinsamen Motivschatz hat jede einzelne in eigener Art angewandt u. so den Farbenrythmus der Komposition aufgebaut. Solche Frauen und Mädchen waren sehr geschätzte Glieder der Dorfgemeinschaft. Die solcher Ziermalerei kundigen heiratsfähigen Mädchen standen höher im Wert, die Burschen machten diesen geschickten Mädchen gerne den Hof. Die kleinen Mädchen (8— lOjährig) versuchten an der Stallmauer ihre ersten Proben. Diese Versuche ließ man bis zur nächsten Tünchimg stehen. Für Fremde, gegen Entgelt, nahmen sie solche Arbeit nie an. Nur Verwandten und guten Nachbarn verzierten sie aus Freundlichkeit die Vorhäuser, manchmal auch, um irgendeine ihnen geleistete Hilfe (Fuhr, Ernte, Hauen, usw.) zu erwidern. Die Verzierung der Vorhäuser in Ajak ist der Stickerei des nordungarischen Ethnikum ,,Matyó" ähnlich, ist aber nicht so überfüllt als jenes. In der Entwicklung der ajaker Tracht spielten die aus dem Kom itat Heves Angesiedelten eine große Rolle. Als der offene Kamin durch einen Dachboden vom Vorhaus getrennt wurde, verlos das Vorhaus seine primäre Funktion. In einigen Fällen bekam der hintere Teil des Vorhauses eine Tür, er wurde als Kammer verwendet; damit wurde das Verzieren unnötig. Anderswo verwandelte man diesen Teilin eine Küche. Es kam ein Herd hinein, der Boden wurde gepflastert. Wenn im Hause 2 Familien wohnten (die Jungen und die Alten), dann besaßen die Jungen das „vordere Haus", die gute Stube und die Alten zogen sich in das „hintere Haus" zurück. Dieser Wandel trat stufenweis ein und veränderte die Funktion einzelner Hausräume. Die letzten verzierten Vorhäuser wurden 1906 in Ajak übermalt. In Ajak läßt man dem Aussehen der Häuser besondere Sorfgalt zuteil werden. Darin leben sie ihre ehemalige Zierlust aus. Die Straßenfront der Häuser ist mehrfarbig verziert. Um die Fenster Stukko-Verzierungen ; sehr häufig sieht man die rote Tulpe mit grünem Stiel, auf den älteren Häusern hingegen Kreuz- und KelchOrnamente. Der Flur hat lebhafte Farben und ist voll mit Hilfe von Schablone gemalter Blumenornamentik. Der Sockel der Mauer ist noch heutzutage grau, dunkelblau gestrichen. Häufig löst die verglaste Veranda den offenen alte Säulenflur (Säulengang) ab. Heutzutage läßt man die Zimmer von einem Zimmermaler ausmalen, doch hie und da malt die Hausfrau in den Streifen unter der Zimmerdecke mit einem Pinsel bunte Blumen hinein. In diesem Brauch verblieb das Andenken des verzierten Vorhauses. Á. MURAKÖZI 72