Somogyi Múzeumok Közleményei 7. (1985)
Együd Árpád: Vikár Béla nyomában
154 EGYÜD ÁRPAD ÁRPÁD EGYÜD: IN DEN FUSSTAPFEN VON BÉLA VIKÁR „ ... Denn wollen wir uns erst einmal klarmachen: Eine Nation lebt nicht allein durch ihre Sprache ... Sie lebt nicht zuletzt durch ihre Lieder, aufgrund ihrer Tänze und Bräuche, ihres Glaubens. Welcher Teil auch immer verlorengeht, wird der Vollständigkeit des nationalen Daseins Schaden zugefügt ...", schreibt der namhafte ungarische Ethnograph Béla Vikár im Jahre 1896. Er formulierte damit einen Gedanken, der fast fünfzig Jahre später von den Mitautoren des Monumentalwerkes „Volkskunde der Ungarn" (A magyarság néprajza) als Grundsatz aufgegriffen wurde. Demnach sei das Volksleben ein einheitliches, in sich geschlossenes Ganzes, weshalb jegliche Herangehensweise, die dem nicht Rechnung trägt, vollkommen sinnlos sei. Béla Vikár wird, insbesondere im Komitat Somogy, als Pionier der ungarischen Volkslied- und Volksmusikforschung hoch in Ehren gehalten. Wie auch das angeführte Zitat beweist, war er ein Wissenschaftler ,.moderner Prägung", ein Folklorist, Bannerträger einer neuartigen Denkweise, die das Volksleben in seiner Gesamtheit zu erfassen suchte. Er war sich sehr wohl darüber im klaren, dass die Rettung der Requisiten der materiellen Kultur des 'Volkes gleichrangig ist mit der folkloristischen Feldarbeit. Als Folklorist ging er seiner Zeit weit voraus und wird mit Recht für den Meister der beiden Riesen der nationalen und gesamteuropäischen Musikkultur, Bartók und Kodály, gehalten. Vikár war stets bestrebt, eine möglichst hohe Anzahl von Varianten aufzuzeichnen. Er bekannte sich bereits an der Jahrhundertwende dazu, dass der kulturgeschichtliche Wert von Varianten, proportional zu ihrer Quantität, ständig zunehmen wird. Er entwickelte einen europäischen folkloristischen Standard präzise Notierung von Text und Melodie gleichermassen -, der bis zum heutigen Tage Gültigkeit besitzt. Anstatt sich auf finanzielle Überlegungen zu berufen, hielt Viikár die Anwendung der modernsten technischen Hilfsmittel seiner Zeit (Phonograph, Diaprojelktor etc.) in der täglichen Arbeit für ein Anliegen unverzichtbarer Notwendigkeit, ging er doch jeweils vom erhofften praktischen Nutzen aus. Als Wissenschaftler und Sammler legte er Wert darauf, die interdisziplinäre Natur seines Fachbereichs zu betonen. Mit allen Problemen, die er angeschnitten hatte, nahm er bis heute bestehende Sorgen vorweg. (Wie schön wäre es, mindestens über die Möglichkeiten, die seinerzeit Vikár hatte, heute bei der weiteren Entwicklung unserer Disziplin verfügen zu können!) Die Veröffentlichung des gewaltigen Béla VikarNachlasses, was insbesondere im Komitat Somogy von Relevanz und grosser Wichtigkeit wäre, lässt weiterhin auf sich warten und die Worte, die über diese Angelegenheit in den vergangenen zehn Jahren gefallen sind, haben bedauerlicherweise kein Gehör gefunden. Im zweiten Teil des Aufsatzes werden Varianten der von Vikar aufgezeichneten Lieder sowie Informationen und Wegweisungen zu seinen Methoden bei der Feldarbeit veröffentlicht und gewisse frühere Unklarheiten im Zusammenhang mit seinen Sammelreisen geklärt. Schliesslich werden anderweitige Varianten veröffentlicht, um Vikars feste Überzeugung, eine fleissige Sammelarbeit trage jeweils Früchte, zu bestätigen.