Köpröczi Rózsa: A grafikus Szőnyi. Rajzok, vázlatok, tanulmányok (Pest Megyei Múzeumok Igazgatósága – Szőnyi István Alapítvány, Szentendre – Zebegény, 1996)
9. HÁROM VÁZLAT / DREI SKIZZEN / THREE SKETCHES beobachtete er die Dahinziehenden Landschaften, die Stationen und Menschen. Die im viereckigen Fenster auftauchenden Bilder reihen sich wie die erstarrten Filmaufnahmen auf ein paar Blättern nebeneinander auf. Er benutzte auch gern die spielerische Methode „Bild in Bild". So gelangten erstaunliche, logisch miteinander nicht verbundene Motive, Gegenstände und Tiere nebeneinander. Die schweifenden Gedanken und das Spiel der Vorstellung lassen sichtbare Formen auf diesen Blättern erscheinen. Die Skizzen weiterblätternd können wir solche charakteristische Gruppen sehen, die auf den Gassen von Zebegény in unbeobachteten Momenten festgehalten wurden. Die Verewigung der ohne jedes weiter besondere Ziel oder Tätigkeit nebeneinander stehenden, redenden Männer und Frauen war Szőnyis charakteristisches Thema. Er stammte nicht von den Dorfbewohnern seiner gewählten Modelle, doch er bewunderte ihre Ruhe und ihre unverletzte Verbindung zur Natur. Er schöpfte eine individuelle Welt, die von der elementaren Freude des Seins, den einfachen Dingén, dem Bewundern der Geschehnisse durchdrungen ist. Die Umgebung, die Gesichter der Figuren sind nur angedeutet, das alleinige Mittel der Charakterisierung ist die Körperhaltung. Die trefflich dargestellten Bewegungen und die charakteristischen Konturen drücken all das aus, was Szőnyi über sie denkt, aber auch seine eigene Position erscheint in dieser Ordnung. Nur das außenstehende Auge kann diese Bedeutungen aus einer bestimmen Abstandshaltung so summarisch sehen. Seine außenstehende Objektivität ist trotzdem erfüllt mit Liebe und Poesie. Die zögernd stehenden, miteinander in eventueller Verbindung stehenden Frauen und Männer zitieren Courbets Gemälde mit mehreren Figuren. Courbet geriet damit schon lange in Vergessenheit, auf seinen Leinwänden mit mehreren Darstellern griff er zu archaischen Kompositionsmitteln. Die einzelnen Figuren trennte er hart, reihte sie auf additive Art gleichgeornet auf. Auf den Bildern von Szőnyi können die Mitglieder der leicht zusammengehaltenen Gruppen ausgetauscht werden. Das Verhältnis der einzelnen Teilnehmer sind unergründlich. Die Figuren lösen sich beim Betrachten fast auf. „Ihre instinktive Ruhe, die nicht vom Wissen gestört, zerrissen wurde, ist von östlicher Lebensweisheit erfüllt"* - schrieb Ernő Kállai über sie. Während der Beobachtung der dörflichen Lebensform interessierte ihn nicht nur die Passitivität, sondern er wurde auch vom Elan, der Dynamik der Bauernarbeit ergriffen. Das wird auch von der Serie der pompösen Bewegungsstudien und den Kompositionsskizzen bestätigt. * Ernő Kállai: István Szőnyi (1941) S. 288. Unter dem gefährlichen Sternbild der bildenden Kunst, Bp., Corvina 1981.