Hann Ferenc: Paulovics. Kántor Lajos és Kocsis István írásaival (A PMMI kiadványai. Pest Megyei Múzeumok Igazgatósága – Ferenczy Múzeum, Szentendre, 2008)

Hann Ferenc - Die Laufbahn des Künstlers

der selbst auch fast jede zeitbestimmende Stilrichtung ausprobierte und die unaus­lösbar ihre Zeichen hinterließ. Über einen unmittelbaren Einfluß können wir nicht reden, obwohl in den ganz frühen WerKen diese Spuren schon vorkamen, zu Be­ginn aber eher Durchsickerungen in der Komposition waren {In die Sonne Schauende, 1963; Musizierende, 1965; Tag und Nacht, 1967) - die für lange Zeit erhalten blieben -, so wie die Eleganz der Linienführung und die starke Verbindung zur Mythologie. Im Hinblick darauf sollten wir auf drei Momente achten. Pro primo: Der Künst­ler wurde immer von der mediterranen Stimmung, Atmosphäre angezogen - das bezeugen seine frühen Reisen; pro secundo: Die von den früher ziemlich unklaren und unbarmherzigen Geschichten der einstigen Realität der antiken Welt weit ent­fernte Gegenwart sieht wie ein märchenhaftes Gebiet aus; pro tertio: Die Illustra­tionen von Paulovics zu dem Buch Der Kentaur von Updike verstärkten - schon wegen der Wichtigkeit der Aufgabe - sein Interesse in diese Richtung. Obwohl wir schon aus dem Jahre 1965 durch ein Hauptwerk die auf die Dy­namik der Bewegungen aufbauende, stark stilisierte Mythologie kennen (Der Apfel von Paris), malt er 1 974 das großformatige Ölbild Die Geburt des Kentaur, dem eine sehr bedeutende graphische Serie folgt. Das Apropos ist der Roman von Updike Der Kentaur, den László Paulovics illustrierte und der in den gebildeten Kreisen große Aufmerksamkeit hervorrief. Dieser Roman berichtet von den letzten drei Ta­gen eines Dorflehrers, angefüllt mit seelischen Problemen, mit philosophischen Hinweisen und ist von der griechischen Glaubenswelt durchwoben. Unter ihnen taucht die seltsam zoomorphe Figur des halben Menschen und halben Pferdes auf, die nicht nur eine doppelte Figur hat, sondern auch im Charakter und in der Ver­haltensweise doppelte Züge aufweist. Der größte Teil von ihnen ist wild, unbändig und von unbremsbarer Natur, lebt in den Bergen und Wäldern, aber Kheiron ist unendlich weise und gütig (Erzieher von Achilles und Jason), ein wahrer tragischer Held. Die Darstellung der Kentauren ist in der ganzen Kunstgeschichte vertreten und tritt in den Werken von Botticelli, Michelangelo, Veronese, Rubens und natür­lich auch Picasso auf, und dort ist er aucn am Himmel vertreten (der Kentaur ist das traditionelle Symbol des Sternkreiszeicnen des Schützen). Die Kentaurserie von Paulovics folgt natürlich keinem Vorbild. Ihn interessiert die unmögliche Ambivalenz des Kentaur, das in ihm enthaltene Drama und der Heroismus. Seine detaillierten, die Flechen zerlegenden, hier und dort bühnenbild­artigen (Kentaur VI., 1975), anderswo kontaminierenden (Kentaur VII., 1978) Tusch­zeichnungen betrachtend können wir mit Recht an jene Lebenssituation denken, in der sich der nach Ausdrucksmöglichkeiten, nach Freiheit der Seele sehnende Künstler zur Mitte und zum Ende der siebziger Jahre, zur Zeit der harten Diktatur in Rumänien zum Leben gezwungen wurde. Vielleicht erscheint in dieser Serie am plastischsten die in zahlreichen Wer­ken des Meisters versteckte Attitüde,, die Allusion, die nichts anderes bedeutet, als eine Anspielung auf irgendetwas, etwas unaussprechliches ahnen läßt, was das sehende Auge sieht und das hörende Ohr gut hört. Für uns ist das Geheimnis kein Geheimnis, sondern ein schmerzliches, dramatisches Zeitbild aus den Zweifeln des sensiblen Künstlers.

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