Tárnoki Judit szerk.: Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 19. (2009)

Történettudomány - László András Horváth - Katalin H. Simon - Ungewöhnliche Gedanken über einen Meeresgott

Történettudomány | 4. Verbindungen zwischen dem Feuer und Wasser Zusammenfassend kann also bemerkt werden, dass sich Poseidon mindestens zweimalig an das Feuer knüpfte. Beide waren natürliche Erscheinungformen des Feuers, nämlich der Blitz und der Vulkan, die den Menschen von den Anfän­gen bekannt waren. Wir haben gesehen, dass der Meeres­gott die Feuergöttin Hestia heiraten wollte. Eine Reihe von Wiedersprüchen. Können eigentlich so gegensetzliche Be­griffe miteinander in Einklang gebracht werden? Nehmen wir einige Beispiele, die zu einer Antwort beihelfen können. Mehrmals haben wir schon auch in der vorliegenden Arbeit den vedischen Feuergott Agni erwähnt. Über ihn ist es in den Rigveda 10,45,1 zu lesen, dass er dreimal geboren ist. Zuerst im Himmel, ein zweites Mal als Jätavedas und drittens in dem Wasser, 6 7 was betreff eines Gottes, der schon seinem Namen nach in erster Linie Gott des feurigen Elements war, recht in­teressant ist. Nehmen wir aber Agni's oben erwähnten Blitz­charater in Rücksicht, so wird die Lage gleich verständlicher. Der Blitz steht nämlich durch die Wolken, die ihn gebären, mit dem Regen (Wasser) schon in engster Beziehung. 6 8 Andere Zeilen der Rigveda erzählen uns weitere Angaben zu diesem Thema. In den Rigveda 2, 35, 2-5 steht wie lautet: Agni sei in einer seiner Formen das 'Kind der Gewässer', eine hohe Gottheit, die alle edlen Geschöpfe zeugte, und die drei Müt­ter hatte, u. zw. die Gewässer der Welt. 6 9 Diese dialektische Kreuzung des Wassers und Feuers wurde zentraler Gedanke der vedischen und späthindischen Kosmologie. Ein ganz ähnlicher Gedanke erscheint auch in der griechi­schen Mythologie. Der Wettergott Zeus schleudert nicht nur Feuer (Blitze) aus dem Himmel, sondern macht auch Re­gen. 7 0 Auf eine Einigung des Wassers mit dem Feuer weist es ebenfalls hin, als Hephaistos mit der Kabiro, der Tochter des Proteus - Meeresgott auf der thrakischen Chalkidike 7 1 ­die lemnischen Kabiren, die mythischen Schmiede der Insel zeugte. 7 2 Hier können wieder philosophische Gedanken einbezogen werden. Empedokles wollte die Entstehung der Lebewesen damit erklären, dass sich die organischen Gebilde unter dem Einfluss des im Erdinnern enthaltenen Feuers mit Wasser und Luft gemischt entstanden. 7 3 II. 15, 204) wird Zeus noch als seiner älterer Bruder erwähnt, doch gibt Hesiodos zweifellos eine ältere Tradition wieder, als er in der The­og. (456) Zeus als den Jüngeren darstellt (ELIADE 1978. 245). Auch in der neueren Forschung lebt die Meinung weiter, nach der Poseidon wegen seines Dreizackes ursprünglich ein großer Himmelsgott gewe­sen sein sollte (MORFORD - LÉNÁRDON 1985.104). 67 GELDNER 1911.116. 68 SCHACHERMEYR 1950. 79. 69 LEEUW 2001. 54. 70 WELCKER 1857. 310. 71 KERN 1919. 1421. 72 WELCKER 1957. 649. 73 ROD 1976. 155. Ein Parallelgedanke kann auch aus dem Mittelalter erwähnt werden. Hildegard von Bingen erörterte das Zustandekommen des Goldes um 1200 in Verbindung mit der Weltschöpfung. Sie dachte, unter der Erde fließe eine feurige Kraft im Wasser, die die Erde durchdringt und das Feuer (Element) wandelt die Erde in die Substanz des Goldes in dem Wasser um. 7 4 Schon aufgrund der ausgegriffenen Beispiele kann be­hauptet werden, dass Wasser und Feuer nicht immer oder nicht unbedingt gegensätzliche Begriffe sein mussten und waren im menschlichen Denken. Eine der wichtigsten von ih­nen ist ihre reinigende Funktion, die eine große Rolle sowohl im Glauben als auch in der Kulttätigkeit jahrtausendelang spielte. Das Feuer als Reinigungsmittel wurde oft benutzt, das manchmal sogar bis zur Vergöttlichung eines Menschen führen konnte (Herakles, Asklepios). 7 5 Das heilige Feuer des Christentums geht weiter und bereinigt nicht nur den Körper und/oder die Seele, sondern eliminiert das Alter und macht dadurch ein neues Leben möglich. In diesen Fällen hielt man das Feuer für ein wirksameres Mittel als das Wasser, wie es an mehreren Stellen des Neuen Testaments zu lesen ist: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem heiligen Geist und Feuer tau­fen." (Matthäus 3,11). Diese Dualität lebt in der Relation bei­der behandelten Elemente heute noch im alltäglichen Denken. Fassen wir die oben erörterten zusammen, dann können wir die Folgenden sagen: Auf die am Anfang unserer Studie gestellte Frage, ob auch ein anderer, von dem heute bekannten abweichender Posei­don in der griechischen Mythologie geehrt werden konnte, können wir keine eindeutige Antwort geben. Er, der grund­sätzlich als Gott der Gewässer im mythischen Denken be­kannt war, wurde mit solchen Urgewalten der Natur, wie die Vulkane, der Blitz und mit solchen Göttern, wie Hestia und Hephaistos, die mit dem Feuer in irgendeiner Beziehung ge­standen haben, Zeit für Zeit in den Quellen der griechischen Mythologie in Verbindung gebracht. Diese sind für einen Meeresgott offensichtlich fremde Züge und Verbindungen. Das Feuer der Blitze und der Vulkane vertritt im Allgemeinen zwei Erscheinungsformen der mythischen Feuer in der my­thologischen Welt. Der Blitz gehörte in erster Reihe zu Wet­tergöttern, während die Vulkane zu solchen Handwerkern und Feuergötten wie u. a. Hephaistos gehörten. Poseidon nimmt von diesem Gesichtspunkt aus also eine Zwischen­stellung unter den Göttern ein. Diese Kennzeichen, die aus einer der früheren Formen des Gottes erhalten bleiben konn­ten und die für die Klassik nur mehr in Spuren aufzufinden waren, unterstützen die oben erwähnten Annahmen, nach denen die Gestalt und Rolle des Meeresgottes während der Jahrtausende bedeutende Änderungen erlitten haben sollten. 74 SCHILLER 1993. 91. 75 FURLEY 2000.105. 541 |

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