Tárnoki Judit szerk.: Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 19. (2009)

Régészettudomány - Kiss Viktória - A bronzkori kerámia-készlet változásairól (A mészbetétes kerámia kultúrája tipológiai vázlata)

Tisicum XIX. Viktória KISS Über die Veränderung der bronzezeitlichen Keramik-Inventare (Typologischer Abriß der Inkrustierten Keramik) Resümee Früher beschäftigte sich Marietta Csányi mit der Frage, was die Gefäßherstellung der transdanubischen mittleren Bronzezeit gestaltete, mit welchen Einflüssen gerechnet werden können, die die Erweiterung der Keramiktypen in verschiedenen chronologischen Phasen bewirkten. Nach ihrer Beobachtung erschienen im Vergleich zu der Kisa­postag-lnkrustierten Keramik-Übergangphase in der klassi­schen Phase der Kultur der Transdanubischen Inkrustierten Keramik (im weiteren: KdTIK) neue Gefäßtypen (Schüsseln, Krüge), und unter den früheren Leitformen blieben nur die Urnen, aber nicht die Tassen erhalten. Als Erklärung der bedeutenden Unterschiede zwischen der Keramikinventar der zwei Phasen nahm sie in erster Linie die äußeren (aus der Magyarád-Kultur antreffende, kulturelle oder ethnische) Einwirkungen an. Im Laufe dieser Arbeit - neben dem von dem bisherigen ausführlicher typologischen Überblick der Keramik der KdTIK - möchte ich einige Daten zusammen­stellen, die aufgrund der bisherigen Beobachtungen einen Ausgangspunkt bilden, die uns zur Deutung der Veränderung des urzeitlichen Keramikinventars verhelfen. Ich untersuchte die Veränderung der Keramiktypen der Kultur der TIK unter Anwendung der Ergebnisse der bisheri­gen Forschung, ergänzt mit neueren Daten. Während dieser Aufarbeitung ergab die Möglichkeit zur detailierteren typolo­gisch-chronologischen Gliederung des Materials. Demnach gelang uns die Herausgliederung der spätkisapostag-früh­kinkrustierten Phase (die gleichzeitig der Entstehungsphase der KdTIK ist), sowie der folgenden älteren und jüngeren transdanubischen inkrustierten Phase der Kultur, und zwar sowohl in den nördlichen- als auch in den südlichen transda­nubischen Fundensembles. Durch die einheitliche Typochro­nologie kann die Veränderung der Keramikinventare in den verschiedenen Zeitphasen ausführlich untersucht werden. Die Präzisierung der Typologie und Chronologie zeigte uns, dass die Entstehung und Erscheinung der neuen Formen nicht mit den engen Beziehungen zur Magyarád/Madarovce­Kultur in der späteren Phase in Verbindung gebracht werden können. Die Veränderungen können eher als Einflüsse der, die Magyaräd/Madarovce-Kultur vorangehenden Aunjetitzer­Kultur betrachtet werden oder noch wahrscheinlicher ist, dass die Gefäßensembles der in dieser Epoche benutzten Keramikformen dank inneren Ansprüchen sich veränderten. Aufgrund der heute zur Verfügung stehenden größeren Mengen von Funden ist es sichtbar, dass ab dem Anfang der mittleren Bronzezeit (d.h. ab der spätkisapostag-frühinkru­stierten Phase) das Keramikinventar der KdTIK sich ständig erweiterte (Abb. 1-2). Als neuer Typ erschienen in der älteren Phase der Kultur die eiförmigen Gefäße mit Röhrenfuß, und die bis jetzt nur aus dem nordtransdanubischen Material be­kannten Deckel und Krüge. Wegen der wenigen freigelegten und aufgearbeiteten Siedlungen ist die Benutzung der Haus­keramikformen mit speziellen Funktion (Typ F6: Beizgefäße, tragbare Feuerherde) nur ab der jüngeren Phase der Kultur nachweisbar. Die Erscheinung dieser letztgenannten speziellen Gefäße betreffend kann die Veränderung der Essgewohnheiten in Betracht gezogen werden. Diesbezüglich wurden Analysen durch den Vergleich der Keramiktypen und Speiseresten (auf gekochte oder gebratene Speisen hindeutenden Tierkno­chen- und Pflanzenresten) in den Siedlungen von Kastanas und Olynthos durchgeführt. Im Karpatenbecken zeigt sich in der kupferzeitlichen Kost die Wichtigkeit der Milchprodukte, vor allem aber die der Butter, worauf auch das zur Butterher­stellung dienende, Ledersack ähnliche sog. fischblasenför­mige Gefäß (und seine Variante mit zylinderförmigem Kör­per) hindeuten. Über die Speisesorten der KdTIK stehen uns zur Zeit noch sehr geringe Daten zur Verfügung: siehe die tragbaren Feuerherde in Somogyvár-Kupavárhegy und das aus einer Grube zum Vorschein gekommene Beizgefäß in Pécsudvard, bzw. die Speiseresten aus den Gräbern. Hinter der Veränderung des Keramikinventars kann aber auch ein solches Phänomen stehen, laut dessen zu dieser Zeit ein Anspruch (der bereits auch früher existierte aber in geringerer Menge) auf die Nachahmung der aus organischem Material (Holz, Baumrinde, Leder) hergestellten Gefäßfor­men in Ton erschien. In dem, aus der mittleren Bronzezeit stammenden - und wahrscheinlich als Kindergrab interpre­tierbaren - Fundensemble aus Dárda kamen kleine Tonkörb­chen ans Tageslicht, an denen die Nähte mit inkrustiertem Muster nachgeahmt wurden (Abb. 3. 2). Im Zusammenhang der wenigen bekannten Keramikrythons (Abb. 3. 1) nimmt Ch. Reich an, dass diese als Nachahmungen der aus Horn erstellten Trinkhörner gedeutet werden können. In der Frage der, in der jungen Phase der Kultur sowohl in der nördlichen als auch in der südlichen Gruppe vorgekommenen eiförmi­gen oder bikonischen Rasseln kann auch ein organisches Vorbild, etwa pflanzliche Frucht vorgestellt werden. Natürlich bezweifeln wir die Wirkung der benachbarten Kulturen in der Gestaltung des Keramikinventars nicht, aber mit diesen Einflüssen können wir nur auf den Grenzgebieten der Kultur (die Wirkung der Aunjetitzer und Magyaráder/Ma­darovce-Kultur in der NW-Slowakei und in der nördlichsten Transdanubien, bzw. die Wirkung der Vattina/Vatin-Kultur in Südtransdanubien) rechnen. | 174

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